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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

zwei Wellen, und zwar liegt der Scheitel der einen bei Spurn point, der der 
andern bei Start point, während bei Dover Niedrigwasser ist. In den folgenden 
Stunden senkt sich der Wasserspiegel an den beiden genannten Endpunkten 
und er steigt zwischen ihnen, zumal bei Dover, bis 6 Stunden später bei Dover 
Hochwasser und beiderseits bei Spurn point und Start point Niedrigwasser ist, 
Hierbei ist ein Fortschreiten der beiden Wellengipfel nach Dover hin bemerkbar, 
sie nähern sich einander immer mehr, bis sie bei Hochwasser zu Dover in einen 
Gipfel zusammenfliessen. Um nun die Beziehung dieser Wellenbildung, namentlich 
die Bildung der combinirten Welle bei Dover, worauf Beechey ganz besonders 
Gewicht legt, zu den Strömungserscheinungen zu finden, sind längs den Wasser- 
standsprofilen die Stromrichtungen eingetragen und zeigt sich dabei, dass die 
Bewegung des Wassers, freilich nicht durchweg, von den höheren Theilen des 
Wasserspiegels nach den niedrigeren hin geht. Hieraus folgert nun Beechey, 
dass die Ursache der Strömungsbewegung im Kanal und der Nordsee lediglich 
die Schwere sei, indem das Wasser, wenn bei Dover Hochwasser ist, in Folge 
der Neigung des Wasserspiegels nach beiden Seiten abfliessen müsse, und 
ebenso, wenn bei Dover Niedrigwasser, von beiden Seiten nach Dover hin- 
fliessen müsse. Da nun das Wasser durch diesen Fall auf einer schiefen Ebene 
eine gewisse Geschwindigkeit erlange, so werde es auch, nachdem irgendwo 
die Erhebung über das mittlere Niveau schon begonnen habe, seine Bewegung 
in der bisherigen Richtung fortsetzen, bis die wachsende Steigung das durch 
das Abfliessen erlangte Bewegurgsmoment aufhebe, und dies werde nahezu 
ebenso lange Zeit erfordern, wie das Wasser gebraucht habe, um das Moment 
bei der thalwärts gerichteten Bewegung zu erlangen, das Wasser müsse also 
ebenso lange bergauf wie bergab laufen, und es finde daher der Stromwechsel 
statt, sobald sich die combinirte Welle bei Dover gebildet habe. 
Beechey hat diese Theorie nicht weiter ins Einzelne verfolgt, sondern 
sich mit diesen Andeutungen begnügt, auch würde er bei weiterem Eingehen 
wohl bald zu dem Resultat gekommen sein, dass dieselbe die Erscheinung nicht 
zu erklären vermag, dass namentlich einzelne Punkte, welche dabei von Wichtig- 
keit sind, wie die Grenzen des Gebiets und das Hin- und Hergehen der 
"Trennungslinien, durch dieselbe keine Erklärung finden. 
Die bei Dover zusammentreffenden Wellen, „Kanalwellen“, wie er sie 
nennt, betrachtet Beechey als besondere von den „äusseren oder Erzeugungs- 
wellen“ ganz verschiedene Wellen, die nur auf der betrachteten Strecke Start— 
Lynn Existenz besitzen und die Eigenschaft haben, dass ihre Strömung immer 
der der oceanischen Erzeugungswelle entgegengesetzt ist. Es ist nun aus der 
Abhandlung Beechey’s nicht ersichtlich, wie er sich die Entstehung der Kanal- 
wellen gedacht habe, Das natürlichste scheint, dass er angenommen habe, €s 
entstehe durch die Interferenz der beiden Wellen eine stehende Welle, die ihre 
grösste Erhebung bei Dover habe. Wenigstens wird dieser Gedanke nahe 
gelegt,!) wenn man die Profile des Wasserstandes betrachtet, die Beechey auf 
Plan 2 seiner Abhandlung giebt, die auch in dem von der Kais. Adm. heraus- 
gegebenen „Handbuch der Navigation“, Blatt 6, wiedergegeben sind,*) und ge- 
steht Verf. dieses, dass auch er diese Ansicht getheilt hat, ohe er sich ein- 
gehender mit der Sache beschäftigte. Sehen wir nun, wie sich die Sache nach 
der Wellentheorie macht. Eine stehende Welle kann aus der Interferenz zweier 
gleich grosser und in ihrem Fortschreiten einander entgegengerichteter Wellen 
entstehen, was hier immerhin der Fall sein könnte. Ferner hat eine stehende 
Welle die Eigenschaft, dass das Wasser sich in der ganzen Ausdehnung der 
Welle einmal nach dem Scheitelpunkt hin und dann von dem Scheitelpunkt weg 
bewegt, also genau so, wie wir es auf der oft definirten Strecke beobachten. 
Bis so weit wäre die Erklärung der Erscheinungen durch eine stehende Welle 
zulässig und genügend. Aber eine stehende Welle hat eine andere Eigenschaft, 
ohne welche sie eben keine stehende Welle ist, nämlich, dass an allen Punkten 
ihrer Länge jede Phase, z, B. Hoch- oder Niedrigwasser, zu gleicher Zeit ein- 
treten muss, und davon finden wir auf der fraglichen Strecke keine Spur. Wir 
1) S. „Handbuch der Navigation“, 1879, pag. 341. 
2) Auf diesem Blatt müssen aber die Worte „Steigendes Wasser bei Dover“ und „Fallendes 
Wasser bei Dover“ mit einander vertauscht werden,
	        
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