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5. Reise der Stettiner Bark „Marie“, Kapt. F. A, Diekow.
Am 27. Februar 1877 stand die auf einer Reise von Newport nach King-
ston bhegriffene Bark „Marie“ auf den Aufsengründen vor dem Kanale. Von
meistens aus günstiger Richtung wehenden Winden begleitet, wurde von hier
aus auf südlichem Kurse 40° N-Br in 185° W-Lg am 6. März und 30° N-Br
in 24° W-Lg am.1l. März erreicht. In der Nähe von 20° N-Br und 32,5° W-Lg,
wo „Marie“ am 18. März stand, drehte sich der vorher aus nordwestlicher
Richtung wehende Wind nach NE und wurde zum Passat. Derselbe wehte leicht
und beständig bis ans Ziel der Reise. Am 30. März wurde in 17° N-Br
60° W-Lg überschritten, am nächsten Tage in das Caraibische Meer. eingesegelt
und am 6, April auf der Rhede von Kingston geankert. Die Reisedauer war
38 Tage. .
Vor der Carlisle-Bai, einem ebenfalls auf Jamaica gelegenen Ankerplatze,
trat „Marie“ am 17: Juni die Heimreise nach London an, zu welcher die Route
durch den Golf von‘ Mexico gewählt wurde. Bei mäßig starkem östlichem
Winde umsegelte man am 20. Juni das Kap Antonio, passierte am 21. Juni die
Bemini-Enge und stand am 29. Juni in 30° N-Br und 78,5° W-Lg. In 31° N-Br
und 77,5° :W-Lg hörte der Passat: zu wehen auf, und nachdem für kurze Zeit
Windstille. geherrscht hatte, setzte westlicher: Wind ein, der freilich noch
mehrere Male unterbrochen wurde, doch im ganzen die Reise in befriedigender
Weise beförderte. Man schnitt 60° W-Lg in 40° N-Br am 10. Juli, 50° W-Lg
in 41,4 N-Br am 13. Juli, 30° W-Lg in 44,7° N-Br am 18. Juli und erreichte
am 25. Juli den Eingang des Kanals. Die Reisedauer betrug 38 Tage.
Am 14, April 1878 passierte: „Marie“, nun von Marseille nach San Fran:
cisco bestimmt, die Straße von Gibraltar. Vor günstigem, später ohne Störung
in den Passat übergehenden Winde segelte die Bark von hier aus nach Süd-
westen. Man gelangte nach 30° N-Br in 17,3° W-Lg am 19. April, nach
20° N-Br in 25° W-Lg am 24. April und nach 10° N-Br in 25,4° W-Lg am
29. April. Der Passat, welcher zwischen 29° und 22° N-Br seine gröfste Stärke
entwickelt hatte, war‘ in der Nähe der Kap Verde-Inselgruppe an mehreren
Tagen ganz flau — 'eine Erscheinung, welche häufig‘ beobachtet wird, wenn die
Schiffe in zu kleinem Abstande in Lee dieser Inseln passieren‘ — und endete in
etwa 5,7° N-Br und 25,2° W-Lg. 6 Tage wurden im Stillengürtel, wo. ganz
leiser nordöstlicher und südöstlicher Zug mit Stille abwechselte, zugebracht;
dann endlich gelang es in 3° N-Br und 26,1° W-Lg das Gebiet des Südostpassats
zu erreichen. Am 9. Mai wurde in 27,5° W-Lg der Aquator überschritten.
Im Südatlantischen Ocean überschritt „Marie“ 10° S-Br in 32,2° W-Lg
am 13. Mai, 20° S-Br in 35° W-Lg am 19 Mai und 30° S-Br in 46,5° W-Lg
am 26. Mai. Der regelmäßige Passat endete schon in 17° S-Br und 34° W-Lg.
In der Nähe von 19° S-Br beschrieb der Wind einen rechtdrehenden Lauf um
den ganzen Kompafs und. wehte dann wieder für einige Zeit kräftig aus süd-
östlicher Richtung. Südlich von 30° S-Br wurden fast nur westliche Winde
angetroffen, bei denen jedoch, da sie häufig von einer Richtung Nord von
West kamen, noch befriedigender Fortgang zu ‚erzielen war. Man konnte
40° S-Br in 53,4° W-Lg am 30. Mai und 50° S-Br in 64,5 W-Lg am 8. Juni
überschreiten. Ein heftiger Ostwind, der auf eine in 47° S-Br und 63,5° W-Lg
angetroffene Windstille folgte und am 11. Juni in 57,5° S-Br und 70° W-Lg
als starker Sturm auftrat, währte lange genug, um die Bark am 9. Juni nach
dem Kap St. John und bis zum 12.. Juni nach 57° S-Br in 75° W-Lg zu führen.
Mit Erreichung des letzteren Punktes war der gewöhnlich schwierigste Teil
der- Kap Horn Reise vollendet; für „Marie“ begannen aber erst jetzt die
Schwierigkeiten, indem westliche Stürme einseizten, gegen welche man oft kaum
die. erreichte Länge festhalten konnte. Am 18. Juni wurde während eines solchen
orkanartigen Weststurmes, den Hagel und Schneefall begleiteten, an einem sehr
guten Instrumente der aufserordentlich niedrige Luftdruck von 705,3 mm be-
obachtet, Die Bark schien damals in das. Centrum einer Depression geraten
zu sein, welche sich in nordöstlicher Richtung fortbewegte;‘ denn nachdem dieser
geringe Stand beobachtet war, folgte auf Westwind von Stärke 12 leichter süd-
licher Zug, welcher zwei Wachen anhielt, worauf SE-Sturm von Stärke 10 .ein-
setzte. Der Luftdruek nahm bei letzterem Winde in solch überraschend schneller