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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Dieselbe Witterung, welche man auf der Hinreise in der Nähe des Landes 
angetroffen hatte, herrschte noch jetzt. Häufige Gewitter, Stille und ganz leiser 
Zug waren die Regel. Damit konnte die Reise so wenig befördert werden, dafs 
man sich noch -am dritten Tage derselben in Sicht der Küste befand. Am 
16. Mai, dem nächsten Tage, erhielt man etwas günstigere Gelegenheit; es kamen 
leichte Briesen aus NW und NE, die freilich immer nur für kurze Zeit anhielten, 
aber es doch ermöglichten, dafs schon am 17. das hohe Land in der. Nähe von 
Colon erblickt und am 25. Mai die Stadt Cartagena gesichtet wurde. An dem- 
selben Tage wurde auch der NE-Passat angetroffen, und zwei Tage später 
ankerte „Leonore“ in der Bai von Savanılla, . 
Da es auch hier nicht gelang, Fracht zu erhalten, so wurde am 1. Juni 
wieder die Reise nach St. Thomas angetreten. Man kreuzte gegen mäfsig starken 
Passat in der Nähe der Küste ostwärts bis nach 70,3° W-Lg in 12,6° N-Br 
und stand von hier über B. B.-Bug landabwärts. Der Wind wehte aus solch 
raumer Richtung, dafs der Bestimmungsplatz ohne weiteres Kreuzen angeholt 
werden konnte. Am 15. Juni wurde in der Bai von St. Thomas geankeıt. . 
In St. Thomas gelang es Kapt. Held endlich eine Fracht abzuschliefsen, 
und zwar mufste die Ladung in dem auf Portorico gelegenen Platze Humacao 
eingenommen werden. Am 22, Juli trat „Leonore“ die Heimreise nach 
England am. ; 
Bei mäßig starkem, beständigen Passat segelte man nordwärts und über- 
schritt mit demselben am 29. Juli 30° N-Br in 65,6° W-Lg. In etwa 30,5° N-Br 
lag die polare Passatgrenze; der mehr und mehr abflauende Ostwind lief hier 
hoch südlich, und nachdem für längere Zeit Mallung geherrscht hatte, fand man 
am 8. August in 38,5° N-Br und 62° W-Lg ziemlich beständigen Westwind. 
Die Reise verlief später in solcher Weise, dafs 40° N-Br in 58° W-Lg am 
10. August und 30° W-Lg’in 46° N-Br am 20. August geschnitten wurde. Am 
26. August, nach 28tägiger Reise, wurde in der Falmouth Bai geankert. 
4. Reise der eisernen Bremer Bark „Josefa‘“, Kapt. D. Horstmann. 
Am 1. Dezember 1878 überschritt die auf einer Reise von Liverpool nach 
Rangoon begriffene Bark „Josefa“ den Parallel von 50° Nord. Bei stetig aus 
Osten wehendem Winde verlief die Fahrt nach Süden zunächst in sehr rascher 
Weise; es wurde 40° N-Br in 14,1° W-Lg am 5. Dezember und 30° N-Br in 
19,8° W-Lg am 10. Dezember überschritten. Am 6. Dezember, einen Tag später 
als der Mitsegler „Canopus“ in 33,5° N-Br und 21 W-Lg, wurde „Josefa“ in 
37° N-Br und 16,5° W-Lg von einem heftigen Oststurme getroffen. Nach diesem 
Sturme veränderte sich Wind und Wetter in derselben Weise, wie schon bei 
„Canopus“ angegeben wurde. Während der Luftdruck mehr und mehr abnahm, 
lief der Wind südöstlich und wurde gleichzeitig ganz flau. Das Schiff näherte 
sich dem Mittelpunkte einer Depression, welche während der ersten Hälfte des 
Dezember 1878 mit grofser Beständigkeit im Süden der Azoren lag. Als das 
Barometer in 31,6° N-Br und 20,2° W-Lg mit 747,2 mm seinen niedrigsten 
Stand erreicht hatte, herrschte Stille. Alsdann gelangte man in die westlichen 
Winde an der Südseite der Depression, gegen welche noch in Begleitung vieler 
Mitsegler längere Zeit gokreuzt werden musste, bevor es am 15. Dezember in 
25,8° N-Br und 18° W-Lg gelang, den später auch nur höchst unbefriedigenden 
Passat zu erreichen. „Josefa“ wurde durch die anhaltenden Westwinde so woit 
nach Osten gedrängt, dafs sie 20° N-Br in 20° W-Lg am 17. Dezember kreuzte, 
Da von diesem Punkte aus die Route im Westen der Kapverde-Inseln einen 
bedeutenden Umweg erfordert haben würde, so wählte Kapt. Horstmann die 
östliche Route. 
Eine Vergleichung seiner Reise mit der des.„Canopus“, welcher 20° N-Br 
einen Tag früher in 24,5° W-Lg schnitt und die westliche Route nahm, ergiebt, 
daß Kapt. Horstmann infolge dieses Entschlusses keinen Nachteil. hatte, 
denn die beiden Schiffe, welche sich in Hinsicht auf Segelfähigkeit wahrscheinlich 
gleich waren, legten die Strecke von 20° bis zur Linie in fast genau derselben 
Zeit zurück, „Canopus“ auf der westlichen Route gebrauchte nämlich 11 Tage 
7 Stunden, „Josefa“ auf der östlichen 11 Tage 9 Stunden, „Josefa“ erhielt 
den SE-Passat in 6° N-Br und 23° W-Le, also etwas früher, als „Canopus“
	        
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