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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

JO 
Bei dem grofsen Umfange, welchen die Eingänge von meteorologischen 
Journalen nunmehr erlangt haben, und mit Rücksicht auf den Raum, welchen 
die volle Veröffentlichung der den Journalen entnommenen Reiseberichte be- 
anspruchen würde, werden in Zukunft die Berichte an dieser Stelle nur zum 
Teil zum Abdruck gebracht werden.!) Eine Separatausgabe aller Reiseberichte 
bleibt für den Schlufs des Jahres vorbehalten. 
Die Direktion der Soewarte. 
i. Reise der Bremer Bark „Eduard“, Kapt. M. Halenbeck. 
Bei stürmischem SE-Winde verliefs am 13. April 1879 die von Havre 
nach Pascagowla bestimmte Bark „Eduard“ den Kanal. Es lag damals vor 
dem Kanal eine Depression von geringer Ausdehnung. „Eduard“, welcher sie 
an der Nord- und dann an der Westseite umsegelte, veränderte seine Stellung 
zum Minimum, entsprechend dem Winde, welcher beständig stürmisch wehte, 
allmählich durch NE nach NW. Am 18. April erreichte „Eduard“ bei West- 
wind 40° N-Br in 12,5° W-Lg und nachdem in der Nähe von 32° N-Br und 
17 W-Lg der Wind von NNW nach NNE umgelaufen und das Passatgebiet 
erreicht worden war, 30° N-Br in 18,2° W-Lg am 24. April. Vor anfänglich 
recht frischem Passat segelte die Bark nach Westen; nachdem jedoch 48° W-Lg 
in 21° N-Br überschritten worden war, fand „Eduard“ nur noch flaue unbe- 
ständige Briese. Man gelangte nach 30° W-Lg in 24,2 N-Br am 28, April, 
nach 60° W-Lg in 19,5 N-Br am 12. Mai und sah am 17. Mai das Kap Samana 
auf San Domingo. 
Am 17. Mai befand sich „Eduard“ in der Nähe vom Kap St. Nicolas, 
am 25. Mai ward die Westspitze Cubas umsegelt. Ein kräftiger Ostwind, der 
im Golfe von Mexico herrschte, führte die Bark dann bis zum 29. Mai zur Bai 
von Pascagoula. Die Reisedauer vom Kanale ab betrug 46 Tage. 
Am 8. Juli trat „Eduard“ die Heimreise nach der Weser an. Der Wind 
war anfänglich westlich; in 25° N-Br und 84° W-Lg herrschte Mallung, dann 
begann der Wind aus östlicher Richtung zu wehen. Am 15. Juli befand „Xduard“ 
sich in Sicht des Feuers von Havana, Von hier ab war der Verlauf der Reise 
ein sehr günstiger, vornehmlich bewirkt durch eine, während zweier Etmale 
eine Gröfse von 156 Sm erreichende Strömung. 
Am 18. Juli wurde die Bemini-Enge passiert und am 20. Juli in 78,3° 
W-Lg der Parallel von 30° N-Br überschritten. Hier holte der Wind alsbald 
südöstlich und in ungefähr 32° N-Br und 76,5 W-Lg drehte er durch Süd nach 
SW. Frischer, sehr beständiger Wind aus letzterer Richtung, der im Sommer 
hier so häufig anzutreffen ist, förderte dann eine Woche lang die Fahrt. Nach- 
dem derselbe in der Nähe von 40° N-Br und 58,5 W-Lg geendet hatte, folgten 
für den ganzen noch zurückzulegenden Theil der Reise unbeständige, meist 
jedoch auch aus günstiger Richtung wehende Winde. „Zduard“ überschritt 
60° W-Lg in 39,6° N-Br am 28. Juli, 50° W-Lg in 42,8° N-Br am 2. August 
und 30° W-Lg in 46° N-Br am 9. August. Am 16. August wurde nach 39tägiger, 
von keinem Sturm beunruhigter Fahrt der Kanal erreicht. 
2. Reise der eisernen Bremer Bark „Canopus“, Kapt. B. Schnatmeyer. 
Am 21. November 1878 verliefs die auf einer Reise von London nach 
Rangoon begriffene Bark „Canopus“ die Mündung des Kanals, Bei günstigen, 
zuerst vorherrschend aus nordöstlicher, später aus südöstlicher Richtung wehenden 
Winden wurde von dort aus südwärts gesegelt und 40° N-Br in 16° W-Lg am 
2. Dezember und 30° N-Br in 24,4° W-Lg am 9. Dezember erreicht. Am 
5. Dezember erlebte man in 33,5° N-Br und 21 W-Lg einen sehr heftigen Ost- 
sturm. Auf denselben folgte südöstlicher, nach und nach ganz flau werdender 
Wind, und endlich setzte in 30° N-Br westlicher Wind ein. Durch den letzteren, 
aus unerwünscht schraler Richtung wehenden Wind wurde „Canopus“ in Gesell- 
schaft einer ganzen Anzahl südwärts bestimmter Schiffe längere Zeit zurück- 
gehalten. Erst in 23° N-Br und 21,8 W-Lg, wo es für einen Tag windstille 
gewesen war, wurde der Passat aufgefunden, welcher durchgehends auch nur 
') Die Nummern der hier gebrachten Berichte sind durch fette Zahlen bezeichnet.
	        
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