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von denen erstere selten über 24 Stunden, letztere in der Regel 1 bis 2 Tage
anhalten, unterbrochen, und kann man nach solchen Störungen mit Sicherheit
auf ein beständiges Wetter für die nächsten Tage rechnen. Am günstigsten
für NE-Winde sind die drei Monate August— Oktober. In dieser Zeit wehten
in den Jahren 1876 — 1879 diese Winde 18 bis 20 Tage im Monat. In
den Monaten November— April darf man mit gleicher Sicherheit nicht auf
NE-Winde rechnen, wie in den übrigen Monaten des Jahres. Dezember bringt
auch vorwiegend Süd- und SW-Winde, sowie heftige Stürme aus diesen Rich-
tungen; im Monat Februar und im März behalten leichte SW - Winde mit klarem
Wetter oft die Oberhand, während der NE-Wind dann zurückgedrängt wird
and nur tageweise mit Regen durchholt.
Den Übergang aus der Sommer- in die Wintersaison erkennt man leicht
au den NE-Winden. Sobald diese mit diesigem Wetter und Regenschauern
einseilzen und nicht mehr den sonst klaren Himmel zeigen, so beginnt der
Herbst, und die Regenperiode nimmt ihren Anfang. In den Monaten November
bis inkl. März sind 10 bis 16 Regentage pro Monat, sowohl bei südlichen, vor-
wiegend aber bei steifen nördlichen Winden beobachtet worden, während es
in den Sommermonaten häufig für 2 bis 3 Monate gar nicht regnet. Für die
Segelschiffahrt sind solche Windverhältnisse, wie die oben angegebenen, un-
zünstig, da bei der gleichzeitigen Strömung aus dem Schwarzen in das Marmara-
Meer sowohl Wind, wie Strom, auf Reisen in das Schwarze Meer vorwiegend
gegenan sind.
Die Strömung im Bosporus beträgt im Maximum 5,5 Sm die Stunde, und
zwar ist diese stärkste Strömung zwischen Rumilz und Anatoli Hissar, etwa
in der Mitte des Bosporus und dem Ausgang desselben in das Marmara-Meer,
nahe der Serail-Spitze, beobachtet worden. Die Stärke derselben wird jedoch
sehr abhängig gemacht von den Windverhältnissen. Hat vorwiegend südlicher
Wind gestanden, dann ist die Strömung bei nördlichen Winden besonders
stark, während bei normalen Verhältnissen im Laufe der Sommermonate der
Strom nur mit 3 bis 4Sm die Stunde an den genannten Punkten setzt. An
einzelnen Strecken unter Land, auf beiden Seiten des Bosporus, setzt eine
Gegenströmung. Dieselbe ist am regelmäfsigsten vorhanden unterhalb des
zuropäischen Üfere und zwar vom Goldenen Horn bis Arnautkoi, Von hier
setzt der Strom, auch unter Land stark in südwestlicher Richtung, und nur in
den tieferen Buchten dicht unter Land findet man dann noch auf der Strecke
bis Rumili Kavak Stillwasser, oder eine kaum merkliche Strömung nach NE.
Unterhalb der asiatischen Küste ist dicht unter Land vom Leander-
Turm bis Kandili eine Gegenströmung nach dem Schwarzen Meere nicht
beobachtet worden. Erst wenn die Höhe der /stenieh-Bucht auf dem euro-
päischen Ufer erreicht ist, können die Schiffe daher ihren Kurs unterhalb des
asiatischen Ufers nach dem Schwarzen Meere mit Vorteil fortsetzen, da dort
dicht unter Land ein nördlicher Strom setzt; doch wird ein solcher Weg nur
vereinzelt von Schiffen genommen, meist setzen dieselben unterhalb des euro-
päischen Ufers ihren Kurs fort und steuern durch die Umur- Bucht Anadoli
Kavak zu. .
Für Kriegsschiffe, welche, vom Marmara-Meer kommend, bei Constan-
tinopel ankern wollen, kann Nachstehendes empfohlen werden.
Aufserhalb des Leander-Turms nahe dem asiatischen Ufer im Eingang
zum Bosporus setzt der Strom unter der Küste bei Kavak-Burnw und Skutari
entweder nordnordwestlich, oder man findet stilles Wasser.
Von Westen hereinkommende Schiffe thun daher gut, diesem Ufer zu-
zusteuern und nahe demselben aufzudampfen. Ist der Leander-Turm passiert,
so ist der Kurs auf das nördliche Palais des Sultans von Zscheragan zu setzen,
um unter das europäische Ufer zu gelangen und dann unter demselben event.
die Reise fortzusetzen. Grofse Schiffe finden guten Aukerplatz nordöstlich
von Fundukli und können ‘dort einen beliebigen Platz 2 bis 3 Kblg vom Lande
wählen.
Kleinere Schiffe, welche in Nähe des Artillerie- Arsenals von Tophane
ankern wollen, sollten anfangs den gleichen Kurs auf Tscheragan wählen,
and nicht vom Leander-Turm aus rechts auf Tophane zusteuern, da viele Bojen
jm Eingange zum Goldenen Horn ausgelegt sind, welche bei der starken Strömung