Brill, A.: Über eine neue einheitliche Methode zur nautischen u. aeronautischen Ortsbestimmung usw. 77
nicht genau bekannt, so beeinflußt ein Fehler in der Uhrzeit insofern die Be-
stimmung des Beobachtungsortes, als die zur Einstellung des Instrumentes
dienenden Größen Azimut und Höhe des Gestirns in der Kartenmitte nicht mit
ihren richtigen Werten aus den Tafeln entnommen werden. Die zu dem Fehler AU
der Uhrzeit gehörigen Korrektionen in der Höhe h und in dem Azimut A des
Gestirns in der Kartenmitte sind:
Ah= —15c0s6sinpAU; AA = J5@sdcosp uw,
cosh
Aus den den Einstellungsgrößen Azimut und Höhe beigegebenen Differenzen-
tafeln, welche die Änderungen von Azimut und Höhe für eine Zeitminute geben,
läßt sich sofort ohne jede Rechnung ersehen, wie groß in einem speziellen Falle
die Fehler Ah und 4A für eine gegebene Uhrkorrektion sind, be
Die zur Berechnung der Fixsterntafeln benutzten Daten Deklination und
Rektaszension eines Gestirns sind die mittleren Sternörter für einen Zeitraum
von einem oder von mehreren Jahren, Beobachtet werden die scheinbaren Örter
der Gestirne, die auf die momentane Fundamentalebene des Aquators und auf
den jeweiligen Anfangspunkt der Zählung der Rektaszensionen bezogen sind.
Für Sonne, Mond und Planeten bedingt eine ungenaue Interpolation in: dem
Jahrbuche gleichfalls einen Fehler in der Rektaszension und der Deklination.
Die aus den Deklinations- und Rektaszensionsfehlern (46 und 4a) resultierenden
Korrektionen in den Einstellungsgrößen Azimut und Höhe sind:
Ah = cosp 46 A 15 cos sinp 4 «
__ sinp 15 cos öcosp
Ah de
Die Fehler in den Einstellungselementen Azimut und Höhe. eines Gestirns
in der Kartenmitte lassen sich in erster Annäherung einem Beobachtungsfehler
in der Höhe gleichsetzen. Der Fehler in der Einstellung der Standlinie, die der
aus der Tafel entnommenen Höhe entspricht, geht in die Bestimmung des Beob-
achtungsortes geradeso ein wie ein Fehler in der gemessenen Höhe. Ein Fehler
im Azimut fälscht. die azimutale Orientierung des Standlinienstreifens, In den
für die Praxis in Betracht kommenden Fällen wird die geometrische Gestalt der
Standlinie in der mittelabstandstreuen Azimutalprojektion von der geraden Linie,
die der Höhe h = 0° entspricht, nur wenig abweichen. Der Drehung des Stand-
linienstreifens um den Winkel A A entspricht dann in erster Näherung eine gleiche
Drehung um den Schnittpunkt der Standlinie mit der Symmetrielinie des Streifens,
das ist in erster Annäherung eine Verschiebung parallel der Symmetrielinie, die
einem Fehler Ah gleichkommt. Es sei der Radius des Azimutteilkreises gleich R,
dem linearen Maß eines Grades der Azimutteilung sollen in dem Maßstab der
Karte 4 Bogenminuten entsprechen, der Abstand des Beobachtungsortes von der
Symmetrielinie des Standlinienstreifens sei gleich o, wo g stets kleiner als -R ist;
dann ist der dem Fehler 4 A entsprechende Fehler:
Q
Ah = —& 7 4A.
Die im obigen angestellten Fehleruntersuchungen sind mehr allgemeiner
Natur, da sie für jede Standlinienmethode ihre Gültigkeit behalten; im zweiten
Teil, in der Praxis der Ortsbestimmung, ist eine rohe numerische Abschätzung
korrektion die Sternzeit der Kartenmitte genähert bestimmt; mit dieser wird aus der Tafel für einen
im Ostwestvertikal beobachteten Stern das Azimut des Sterns in der Kartenmitte entnommen und am
Instrument eingestellt. Ein Fehler in der Uhrzeit gibt nur einen kleinen Fehler im Azimut. Die der
beobachteten Höhe entsprechende Standlinie wird über den Beobachtungsort gebracht. Zu der Höhe,
die der über der Kartenmitte liegenden Standlinie entspricht, wird aus der Tafel die zugehörige Stern-
zeit interpoliert, ‚deren Unterschied gegen die abgelesene Uhrzeit die Uhrkorrektion gibt. Weicht die
genähert angenommene Uhrkorrektion von der berechneten stark ab, so wird eine zweite Näherung mit
der in erster Näherung bestimmten Uhrkorrektion durchgeführt; in den meisten Fällen wird jedoch die
erste Näherung genügen. Nach der Sonne, dem Mond und den Planeten wird die Uhrkorrektion ganz
analog bestimmt; um das Azimut aus der Tafel zu entnehmen, müssen zuvor Deklination und
Rektaszension. des Gestirns für die näherungsweise bekannte Sternzeit interpoliert werden.