Brill, A.: Über eine neue einheitliche Methode zur nautischen u. aeronautischen Ortsbestimmung usw. 75
Ungenauigkeit der Bestimmung‘ des Beobachtungsortes ist‘zum Teil auf die bei
der Beobachtung begangenen Beobachtungsfehler zurückzuführen, In der Theorie
des Instrumentes wird die Ungenauigkeit andererseits durch die Mängel des
Apparates begründet. “ . N
Die Genauigkeit einer Höhen- oder Azimutmessung ist wegen der Schwierig-
keiten, die bei der Ausführung der Beobachtungen an Bord eines Schiffes oder
in der Gondel eines Ballons zu überwinden sind, wesentlich geringer als die auf
dem Land erzielte; sie kann durch verbesserte Beobachtungsinstrumente nicht
wesentlich gesteigert werden. Die beiden zur Ortsbestimmung nötigen Messungen.
können nicht zu gleicher Zeit angestellt werden; in der Zwischenzeit hat das
Schiff oder der Ballon: seinen Ort geändert. Die aus den Beobachtungen ge-
fundene Position wird für keinen der beiden Beobachtungsorte gelten. Werden
Höhe und Azimut eines Gestirns gemessen, so gehört das beobachtete magnetische
Azimut einer von der beobachteten verschiedenen Höhe an. :: Mit der Beob-
achtungszeit als Argument werden aus den Tafeln so genau, als.es.die Tabulierung
zuläßt, die Einstellungsgrößen des Instrumentes, Azimut und.Höhe..des Gestirns
in der Kartenmitte, entnommen; ein Fehler in der Beobachtungszeit‘ fälscht die
Einstellung des Instrumentes. Die Wahl einer mittleren Gestirnsposition für ein
oder mehrere ‚Jahre als Unterlage für die Berechnung der Tafeln, sowie‘ die
fehlerhafte Interpolation in den Tafeln hat gleichfalls einen Fehler in der Ein-
stellung des Instrumentes zur Folge. Durch die Größe des Apparates und den
Maßstab der Karte sind der Genauigkeit der Zeichnung des Gradnetzes der Karte
und des Standliniensystems auf dem Pausleinwandstreifen, sowie der Genauigkeit
der Ablesung am Instrument enge Grenzen gezogen. Jede Standlinie ist in der
Lage, bei der sie durch die Kartenmitte geht, in mittelabstandstreuer Azimutal-
projektion auf die Ebene der Karte projiziert. Bei einer von der mittleren Lage
abweichenden Stellung der Standlinie zur Karte ändert sich die geometrische
Gestalt der Standlinie in der Projektion, Zu den Mängeln der technischen Aus-
führung des Instrumentes sind zu rechnen die exzentrische Lage der Kartenmitte
zum Drehungsmittelpunkt des drehbaren Ringes, sowie die fehlerhafte Montierung
des Standlinienstreifens, die darin besteht, daß die Symmetrielinie des Stand-
lnienstreifens nicht durch die Kartenmitte geht, und daß die Nullstellung des
Streifens nicht der Nullablesung an der Azimutteilung des Instrumentes entspricht.
In analytischer Form ausgedrückt, wird der Fehler der Orstbestimmung
eine äußerst komplizierte Funktion aller bei der Beobachtung und bei der Aus-
wertung eingehenden Einzelfehler. Solange die Einzelfehler eine gewisse obere
angebbare Grenze nicht überschreiten, kann der aus den Einzelfehlern resultierende
Gesamtfehler der Ortsbestimmung als eine lineare Funktion der Einzelfehler be-
trachtet werden, Der Einfluß eines jeden Einzelfehlers auf die Bestimmung des
unbekannten Ortes kann unabhängig von jedem anderen in Rechnung gezogen
werden.
Die Genauigkeit, mit der sich eine einzelne Orientierung aus astronomischen
Beobachtungen ergibt, hängt vor allem von der Stellung des beobachteten Gestirns
am Himmelsgewölbe ab. Werden die Höhen. zweier Gestirne gemessen, so bildet
die Größe der Azimutdifferenz der Gestirne am Beobachtungsort ein Maß iür die
Genauigkeit der Ortsbestimmung. Je größer die Abweichung der Azimutdifferenz
von 90° ist, um so schlechter wird die Bestimmung sein, Wird mit Ah, der in
Bogenminuten angegebene Fehler der gemessenen Höhe des ersten Gestirns be-
zeichnet (Ah, positiv, wenn die gemessene Höhe zu klein ist, Ah, negativ, wenn
sie zu groß ist), mit Ah, der Fehler der Höhe des zweiten Gestirns und mit v
die Azimutdifferenz der Gestirne am Beobachtungsort, so weicht der wahre Ort
von dem aus. den Beobachtungen gewonnenen um die Größe:
cosec v V 4 h?, + 4 h% — 2 Ah, 4h, cos v
ab; für v = 90° hat der Fehler seinen, Minimalwert: VAh2% 1-4bB2.
Werden Höhe und Azimut eines Gestirns gemessen, so ist die absolute
Stellung des Gestirns am Himmelsgewölbe der maßgebende Faktor für die Größe
des aus den Beobachtungsfehlern. in Azimut und Höhe resultierenden Fehlers.
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