Brennecke, W.: Luft- und Wassertemperatur sowie relative Feuchtigkeit und Niederschläge usw. 71
Änderung der Temperatur am geringsten zwischen 12% mittags und 4% nach-
mittags sowie zwischen 12h nachts und 4% morgens, Wenngleich die geringe
Anzahl der in Betracht gezogenen Beobachtungen zu Bedenken Anlaß ‚gibt, .so
schien mir diese Auswahl doch vorteilhafter wie eine wahllose Zusammenfassung
von längeren Reihen, da hierbei stets die Ortsveränderung und damit zugleich
auch die Änderung der Temperatur selbst zu sehr die tägliche Periode der
Wassertemperatur beeinflußt. Die erhaltenen Werte stimmen im übrigen gut zu
den von Krümmel mitgeteilten Werten.!)
Eine Trennung der Beobachtungen in bezug auf Bewölkung und Wind-
stärke, wie sie Schott vorgenommen hat,?) war bei den vorliegenden Beob-
achtungen nicht angängig, da, wie ein Blick in die Haupttabelle lehrt, schwache
Luftbewegung und Stille nur sehr selten zur Beobachtung gelangten. Die
höchsten Wassertemperaturen wurden jedoch immer in Verbindung mit geringen
Windstärken beobachtet; die Prüfung von Einzeltagen, an denen die Witterungs-
verhältnisse gleich waren (heiter mit schwacher bis mäßiger Luftbewegung am 23,,
24. und 27, August), ergaben Amplituden der Wassertemperatur von 1.,5°, 0.8°
und 0.4°, so daß irgendwelche sicheren Schlüsse nicht gezogen werden können,
jedoch erscheinen hiernach die von Schott ermittelten Zahlen für Windstille
oder ganz flauen Luftzug etwas groß.
IIX. Die Differenz Wasser- minus Lufttemperatur.
Die ziemlich reichhaltige Literatur über das Verhältnis der Oberflächen-
temperatur des Meeres zu der Lufttemperatur findet man sowohl im »Lehrbuch
der Meteorologie« von J. Hann wie auch im »Handbuch der Ozeanographie«
von O0. Krümmel angeführt. Die aus Dr. Meyers Einzelbeobachtungen er-
mittelten Unterschiede (bei denen die Lufttemperaturbeobachtungen mittels
Aspirations-Psychrometer zugrunde gelegt wurden) sind ebenso wie die Beob-
achtungen der Wassertemperatur für jedes Etmal gemittelt in Tabelle I auf-
geführt. Ferner wurde versucht, den Unterschied Wasser- minus Lufttemperatur
auch graphisch zum Ausdruck zu bringen, indem in der beigefügten Tafel 6
die Größe. des Unterschiedes für die einzelnen Etmale des Reiseweges in ver-
schiedener Stärke des Kurses gegeben wurde, (Siehe hierzu die Erklärungen
in der Karte) Aufmerksam gemacht sei noch darauf, daß entgegen früheren
Methoden nicht die Differenz Luft- minus Wasser-, sondern Wasser-. minus Luft-
temperatur gebildet ist, um die Ausnahmezustände, daß das Wasser kälter ist
wie die Luft, besonders hervorzuheben.
Betrachten wir zunächst die Gebiete, in denen der Mittelwert der Beob-
achtungen Wasser- minus Lufttemperatur während mehrerer Tage negativ ist;
wo also die Luft wärmer wie das Wasser gewesen ist. Die Karte zeigt uns, daß
dies im wesentlichen nur in den höheren Breiten des südlichen Atlantischen und
Stillen Ozeans der Fall ist, und zwar dort, wo kalte Meeresströmungen nach
Norden vordringen, Meist beträgt das Tagesmittel der Differenz Wasser minus
Luft nur wenige Zehntel Grad, am größten ist der beobachtete negative Unter-
schied östlich der Falklands-Inseln mit — 1°.
Vorwiegend wurden positive Differenzen beobachtet. Im Nordatlantischen
Ozean war das Meer in der Regel um 0 bis 1° wärmer wie die Luft, höhere
Werte kamen namentlich im Gebiet der Brasilströmung und an der Westküste
Südamerikas vor. Die größten Differenzen mit über 2° im Tagesmittel wurden
im Brasilstromgebiet südlich von Kap Frio beobachtet. Den Gegensatz hierzu
bildet das Gebiet des Falkland-Stromes, wo querab von Bahia Blanca die Luft-
temperatur während mehrerer Tage höher war wie die Meerestemperatur.
{n seiner Darlegung der Beziehungen zwischen der Wasser- und: Luft-
temperatur auf Grund der Schiffstagebücher erhält Köppen‘) als Mittelwert für
das Gebiet von 10° S-Br. bis 20° N-Br. im Atlantischen Ozean für die Differenz
'ı Vgl. 1. c. S. 383.
?) Val, 1. ce. 8.11.
3) »Ann. d. Hydr. usw.« 1890, S. 449.