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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

60 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1911. 
nördlicher ist als die Monatsmittel dieser Studie, Aus diesen beiden Vergleichen, 
einerseits mit Imray, anderseits mit den Monatskarten der Deutschen Seewarte, 
darf gefolgert werden, daß der Kalmengürtel in den Monaten August und Sep- 
tember 1907, wenn man auch die Imrayschen Werte für die Nordgrenze des 
Südostpassats als auffallend südliche betrachten darf, immerhin verhältnismäßig 
schmal war. . 
Der zweite Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich, wie schon in der Einleitung 
hervorgehoben, vorzugsweise mit Diagrammen, welche den Verlauf der äquatorialen 
Passatgrenzen innerhalb des Jahres darstellen, Dieselben wurden wegen der Ver- 
teilung und Anzahl der Beobachtungen nicht für eine einheitliche Länge ge- 
zeichnet, sondern es mußte für die ersten sechs Monate 29° W-Lg, und für das 
zweite Halbjahr 28° W-Lg. zur Darstellung gewählt werden. In den Diagrammen 
auf Tafel 5° verbinden die Kurven die beobachteten Positionen, auf denen an 
dem betreffenden Datum die Passatgrenze angetroffen wurde. In den von diesen 
Verbindungslinien eingeschlossenen Teil, der die Kalmenzone vorstellt, wurden nach 
Datum und Breite alle Windangaben eingetragen, welche auf den für die Diagramme 
geltenden Längen aus den meteorologischen Tagebüchern zu entnehmen waren. 
Verfolgt man zunächst den Verlauf der Diagramme in bezug auf die jahres- 
zeitlichen Verschiebungen der äquatorialen Passatgrenzen und der Kalmenzone, 
die bekanntlich mit der Deklinationsänderung der Sonne vor sich gehen, so ist 
augenscheinlich, daß von den nördlichsten Punkten der Kurven — 6,5° N-Br. am 
16. und 4.3° N-Br. am 10. Januar 1907 — ein allmähliches Zurückweichen nach 
Süden stattfand, bis im Monat April die südlichsten Punkte in 1° und 3° S-Br. 
erreicht wurden. Die verhältnismäßig nördliche Lage der Kalmenzone im März 
ist vorher schon besprochen worden; es sei an dieser Stelle noch hingewiesen 
auf die Beständigkeit hinsichtlich der Breite während des ganzen Monats. An- 
schließend an die extremen Punkte der durchschnittlich südlichsten Lage begann 
Ende April die Nordwärtsverschiebung der Kurven, deren allmähliches Vorrücken 
besonders regelmäßig die auf 20 Beobachtungen basierende Südgrenze des Nord- 
ostpassats im Monat Mai veranschaulicht. Im August blieb letztere durchweg 
nördlich von 10° N-Br. und hatte am 9. September in 13.6° N-Br. den nördlichsten 
Punkt erreicht. Dadurch, daß die äquatoriale Grenze des Südostpassats in den 
Monaten Juli bis September durchschnittlich nicht die gleichen Breitenverschie- 
bungen nach Norden mitmachte wie die des Nordostpassats, wurde die Verbreiterung 
des Kalmengürtels bedingt; dieselbe betrug im Juli und August des Jahres 1907 
häufig 5° bis 8°, in dem Diagramm für September sogar sieben Tage lang 9°, 
hier hauptsächlich hervorgerufen durch eine anhaltend südliche Verschiebung 
der Nordgrenze des Südostpassats. 
Von September an begann das Zurücktreten der äquatorialen Passatgrenzen 
nach Süden bis zum Ende des Jahres, wobei bei normalen Verhältnissen die 
äquatoriale Grenze des Nordostpassats wiederum eine größere Anzahl von Breiten- 
graden zu durchmessen hatte als die des Südostpassats und so die Verengung des 
Kalmengürtels, die im Jahre 1907 am ausgeprägtesten im Monat Dezember hervor- 
trat, verursacht wurde. 
Während dieser großen jahreszeitlichen Verschiebungen sind nun die 
äquatorialen Passatgrenzen außerdem andauernd in einer steten Vorwärts- und 
Rückwärtsbewegung von kleinerem Betrage begriffen. Diese unperiodischen, 
wir möchten sie tägliche Schwankungen nennen, die durch die geringste Luft- 
druckänderung erfolgen, können aber immerhin oft in kurzer Zeit sich auf 
mehrere Breitengrade belaufen. So veränderte sich die Lage der Südgrenze des 
Nordostpassats innerhalb zwei Tagen um fast 5° Breite in den Monaten Februar, 
Juni und Juli; die Nordgrenze des Südostpassats vollbrachte vom 14. bis 16. Juli 
sogar eine Schwankung von 6° Breite und eine solche von beinahe 7° Breite vom 
95. bis 27. November. Diese Sprünge erfolgen meist derartig, daß die beiden 
Passatgrenzen nach Norden und Süden auseinandergehen, um sich wenige Tage 
darauf wieder einander zu nähern, Aber auch gleichzeitige Schwankungen nach 
derselben Richtung sind keine Seltenheit; einen solchen Fall zeigt besonders 
deutlich das Diagramm für den Monat April.
	        
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