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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

696 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1911. 
als Teilminimum bis nach Westfrankreich fortschritt. Da das Hauptzentrum 
auch am 3. noch über der westlichen Ostsee lag, blieb das deutsche Küstengebiet 
noch unter dem Einfluß lebhafterer südwestlicher Winde. Fast die ganze Küste 
hatte bis zum 3. teilweise starke Niederschläge. Dies änderte sich am 4, wo 
das Hauptminimum stark verflacht über der Nordsee erschien, während der 
andere Kern Frankreich bedeckte, Die Folge hiervon war für die deutsche 
Küste ein Drehen der Winde mit östlichen Richtungen und Aufklaren des Wetters. 
Am 5. erschien die Lage nur wenig verändert; doch traten an der Nordseeküste 
verbreitete Regenfälle ein. Der Osten hatte meist heiteres Wetter, das auch am 
6. noch anhielt, wo das Minimum nach dem Biscayasee weitergezogen war, Die 
Nordseeküste behielt aber regnerisches Wetter, da eine flache Depression von 
der Adria her nordwärts vorgedrungen war. Sie bewegte sich weiter westwärts, 
trat am 7. mit einem vom Norwegischen Meere südwärts vordringenden Depressions- 
anläufer in Verbindung und vereinigte sich am S. mit diesem zu einem ganz 
Zentraleuropa bedeckenden Tiefdruckgebiet, das weiter ostwärts fortschritt und 
an der östlichen Ostseeküste stürmische nordwestliche Winde im Gefolge hatte. 
Beim weiteren Fortschreiten des Minimums nach Nord-Rußland drehten die 
Winde nach Nord und behielten ihren stürmischen Charakter bis zum 10. Nach 
kurzem Abflauen frischten sie aber schon am 11. unter dem Einfluß eines neuen 
vom Norwegischen Meere ostwärts vordringenden Depressionsausläufers wieder 
auf. Sie wehten aus nordwestlichen Richtungen, und auch die westliche Ostsece- 
küste wurde teilweise in Mitleidenschaft gezogen. Nach einem Abzuge drang 
das westliche Hochdruckgebiet weiter über den Kontinent vor, so daß am 12, 
und 13. ziemlich ruhiges und, ausgenommen den äußersten Osten, meist trockenes 
Wetter herrschte. In der Nacht zum 14. aber stellte sich ein kleines Teilminimum 
einer Westeuropa bedeckenden Depression über Nordwestdeutschland ein und 
hatte an der Nordseeküste vielfach starke Niederschläge im Gefolge. 
Nunmehr trat ein durchgreifender Witterungswechsel dadurch ein, daß 
ein am 14.,über Skandinavien gelegenes Hochdruckgebiet unter starker Zunahme 
an Höhe sich südwärts verlagerte und über Mitteleuropa bis zum 19. liegen 
blieb. Es hatte im deutschen Küstengebiet anhaltend trockenes, ruhiges und 
heiteres Wetter, im Gefolge; bei Winden aus östlichen Richtungen sanken 
dabei die bisher größtenteils ziemlich hohen Temperaturen am 16, schon erheblich 
und erreichten stellenweise sogar den Gefrierpunkt. 
Am 19, zerfiel das Hochdruckgebiet und brachte über Südskandinavien 
ein Teilmaximum zur Entwicklung. Zwischen beiden Kernen trat am 20. an der 
deutschen Küste überall Regenwetter ein, das im Westen von verbreiteten 
Gewittern begleitet war und sich zum 21. im Westen noch verstärkte. An diesem 
Tage zeigte die Wetterkarte ein Teilminimum über Gotland. 
Vom 22. ab trat nun an der deutschen Küste bis zum Ende des Monats 
anhaltendes sehr unruhiges Wetter ein; fortgesetzt drangen Depressionen meist 
von Westeuropa her ostwärts vor und hatten bei fast ausschließlich. südwest- 
lichen Winden vielfach stürmisches und fortdauernd regnerisches Wetter im 
Gefolge, das zum Teil von Gewittern begleitet war. Besonders hervorzuheben 
sind während dieser zyklonalen Witterungsperiode der 23. und 30. Eine sehr 
tiefe Depression war am 23. nach Südskandinavien vorgedrungen und lag hohem 
Luftdruck über Südwesteuropa gegenüber. Dabei entwickelten sich nicht bloß 
im deutschen Küstengebiet, sondern auch im Kontinent bis nach Süddeutschland 
starke Winde, die an der Küste vielfach die Stärken 8 und 9 erreichten. Eine 
noch etwas tiefere Depression erschien am 30. über dem Norwegischen Meere 
mit Ausläufern nach deın Biscayasee und Mitteldeutschland. Letzterer brachte 
der westlichen deutschen Küste stürmische südwestliche Winde, die wiederum 
mehrfach die Stärke 9 erreichten. Der letzte Tag des Monats hat noch insofern 
größeres Interesse, als im Gefolge der ostwärts vordringenden Depression wiederum 
verbreitete Gewitter an der Nordseeküste eintraten, während die Winde etwas 
abflauten. 
Ve 
Druck und Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW, Kochstraße 68—71.
	        
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