Batum
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4000 Tonnen Erzladung warten, die infolge hohen Schnees noch nicht nach dem
Hafen geschafft werden konnten.
Wind, Wetter. Während unserer Liegezeit in Batum wurde häufig beob-
achtet, daß draußen stürmische Nord- und Nordwestwinde herrschten, während
im Hafen selbst steife ablandige Winde wehten, die oft mit gleicher Heftigkeit
von SW nach SO umsprangen und fast immer von anhaltendem Schneegestöber
begleitet waren. Zeitweise konnte man, nachdem der Sturm draußen abgenommen
hatte, im Hafen aber noch hohe Dünung stand, doch bequem und sicher liegen,
wenn das Schiff vom Kai abgehievt und gut befestigt war. Kam jedoch der
{urchtbare Sog hinzu, wodurch die Schiffe wie rasend am Kai hin- und her-
arbeiteten, dann hielten keine Leinen mehr; die einzige Rettung ist dann nach
See zu laufen, wenn noch möglich. Auf dem Dampfier »Achaia« brachen bei
einer ‘derartigen Gelegenheit eine 11” neue Manilatrosse, zwei 8” und eine 7”
Manila- und vier 11” Grastrossen. Es ist daher nur dringend zu raten, bei
solchen Witterungsverhältnissen nicht bis zum letzten Augenblick zu warten,
sondern so schnell wie möglich, auch ohne Lotsenhilfe, die Außenreede zu ge-
winnen suchen. Es gibt dort gute Ankerplätze, nur ist darauf zu achten, daß
man nicht in die tiefe Wasserrinne gerät. Auf Lotsen kann man sich nicht ver-
lassen, sie kommen am Tage trotz häufiger Signale nicht an Bord und erst
recht nicht bei Nacht, so daß man auf sich selbst angewiesen ist. Ein Liegen-
bleiben unter solchen Umständen bedeutet immer große Gefahr, namentlich wenn
der Hafen mit Schiffen und Fahrzeugen angefüllt ist. Brechen dann in dunkler
Nacht die Leinen, so wird es selten ohne schwere Kollisionen abgehen, Wie
schwierig es ist, aus dem Hafen zu gelangen, wenn man nach dem Brechen der
Leinen das Schiff nicht mehr halten kann, läßt nachfolgender Auszug aus dem
Schiffstagebuche des Dampfers »Achaia« erkennen:
Nachdem am 19, Januar abends wieder sämtliche Leinen gebrochen waren,
legten wir das Schiff vor die Buganker, mit dem Heck nach dem Kai zu, Kaum
hatten wir hinten mit fünf guten Leinen an diesem festgemacht, als mit einem
Stoß alle Leinen zugleich brachen. Da wir jetzt das Schiff hier nicht mehr
halten konnten, wollten wir versuchen, nach See zu laufen. Wir lichteten Anker,
worauf das Schiff bei dem herrschenden Südost-Schneesturm herumschwaite und
mit dem Kopf nach innen lag. Es blieb uns jetzt nichts anderes übrig, als mit
rückwärts arbeitender Maschine zu versuchen, die Außenreede zu erreichen.
Dieses Manöver war so weit von Erfolg, als wir trotz der Enge des Hafens und
der vielen Fahrzeuge und Tonnen bis quer zum Molenkopfe an der Einfahrt
gelangten. Infolge des plötzlich nach SW umspringenden Windes, der auf den
Steuerbordbug einwirkte, und der schweren einlaufenden See, die das Schiff an
Backbordquarter traf, versagte das Schiff in der weiteren Drehung nach St-B.
Wir ließen daher, um vom Molenkopfe frei zu bleiben, beide Anker fallen und
gingen mit hart Backbordruder volle Kraft vorwärts. Der rasende Sturm, der
von St-B. querein wehte, trieb uns aber dennoch gegen den Molenkopf. Als wir
von diesem wieder frei waren, lichteten wir Anker und liefen ganz nach dem
inneren Hafen zurück, wo wir an einem Platze beide Anker fallen ließen, an
dem nach unserer Ansicht das Schiff gehalten werden konnte. Mit großer
Mühe bekamen wir dann noch eine Leine vom Heck aus an einer hier liegenden
Tonne fest. Mit ständig klarer Maschine warteten wir den Tag ab. Bei Tages-
anbruch machten wir dann weitere Leinen am Lande und an der Tonne fest,
nachdem die Lotsen verweigert hatten, das Schiff anderweitig zu vermuren mit
der Begründung, daß sie bei dem noch herrschenden Sturm die Anker nicht
aufnehmen könnten und außerdem das Schiff durch Zufall den sichersten Platz
im ganzen Hafen gefunden hätte, Die von uns soweit wie möglich vorgenommene
Untersuchung des Schiffskörpers von innen und außen ergab, daß das Schiff an-
scheinend keinen Schaden erlitten hatte. Zu bemerken wäre noch, daß unsere
Signale mit der Dampfpfeife, die wir, um Hilfe herbeizurufen, von 6 N bis 11? N
fortwährend gaben, ohne jeden Erfolg waren. Kein Boot, kein Schlepper, kein
Lotse, noch irgend ein anderer Hafenangestellter kam uns zur Hilfe oder er-
kundigte sich auch nur nach unseren Wünschen.