Pa
a8
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1911,
Batum.
Bericht des I. Offz. Herrn W. Bette, D. »Anatolia«, vom Januar 1911. Brit, Adm-Krt. Nr. 2256,
C. Yasım to Fort Anakria; Nr. 3303, Batum Bay. (Siehe auch Shb. für das Schwarze Meer 1906
und erste Ergänzung 1911 zu diesem Shb.)
Nachstehender Bericht behandelt die Verhältnisse der Ansteuerung und
des Hafens von Batum zur Winterzeit.
Landmarken und Ansteuerung. Die Ansteuerung von Batum gestaltet sich
im allgemeinen äußerst schwierig wegen des schlechten Auffindens der Land-
marken. Sie gestaltet sich aber erst recht schwierig zur Winterzeit, wenn alles
mit Schnee bedeckt ist und man dadurch selbst in geringem Abstande vom
Lande nichts mit Sicherheit ausmachen kann. Den besten Anhalt in dieser
Jahreszeit wird man haben, wenn man, wenn die Umstände es erlauben, das
Leuchtfeuer von Batum noch vor Tagesanbruch sichtet und dann darauf zusteuert.
Am Tage ist der Turm dieses Feuers nur sehr schlecht auszumachen, da er
nicht genügend gegen seine Umgebung absticht. Die einzige Landmarke, die
ausgemacht werden kann, ist die große russische Kirche mit breiter Kuppel, die
in der Niederung alle anderen Gebäude weit überragt, Beim Näherkommen sieht
man auch noch eine andere Kirche mit zwei hohen, schlanken Türmen, die an-
fangs aber nicht so sehr in die Augen fällt, da sie etwas im Hintergrunde steht;
auch wird sie in bestimmten Peilungen durch die große russische Kirche ver-
deckt. Von den beiden in der Karte angegebenen Treibbaken war zur Zeit nur
eine vorhanden. (Es handelt sich anscheinend um die beiden roten Spierentonnen
mit roten, durchbrochenen Kegeltoppzeichen, Spitze nach unten, die nordöstlich
vom Batum-Leuchtturm in 1150 m und 880 m Entfernung davon auf 9.1 m
Wassertiefe ausgelegt worden sind.)
Lotsen sind zur Zeit drei am Platze. Ein Oberlotse, früherer Kapitän,
und zwei Lotsen, frühere Steuerleute. Sie kommen an Bord, wenn die Schiffe
auf der Außenreede yeankert haben. Nach Erledigung der Gesundheitsvisite
bringen sie das Schiff an seinen Platz.
Hafenanlagen. Der eigentliche Hafen von Batum, Petroleumhafen genannt,
dient jetzt fast allen Schiffen zum Löschen und Laden. Eine Ausnahme machen
die russischen Post- und Passagierdampfer, die an der Westseite des Vorhafens
an eigenen, quer zur Hafeneinfahrt liegenden Holzbrücken laden, Die Einfahrt
zum Petroleumhafen befindet sich an seiner Nordwestecke; er ist hierdurch
gerade nach der ungünstigsten Richtung nach See zu offen. An der Nordseite
des Hafenbeckens ist der Liegeplatz für Tankdampfer. Es können hier drei
Dampfer zu gleicher Zeit laden. Es werden zu diesem Zwecke vom Schiffe
Schläuche an die Leitungen angeschroben, die unterirdisch von den weit ent-
fernten großen Petroleumtanks nach der Mole geführt sind.!) Im nordöstlichen
und östlichen Teile des Hafenbeckens liegen die Dampfer, die Erz laden; sie
haben den günstigsten Platz im Hafen. An der Südseite des Hafenbeckens liegen
die übrigen Stückgut löschenden und ladenden Dampfer. Es ist dies jedenfalls
der ungünstigste Platz im ganzen Hafen, Die Schiffe liegen hier quer vor der
offenen Hafeneinfahrt an großen Lagerschuppen. Das Löschen und Laden
wird durch ungünstige Witterung manchmal im großen Maße beeinträchtigt, es
hört bei aufkommender Dünung ganz auf, da die Schiffe dann sofort von den
Kaien abholen müssen. D. »Anatolia« hatte während eines 19tägigen Aufenthaltes
nur 90 Tonnen Ladung gelöscht und 1500 Tonnen eingenommen, so daß auf den
einzelnen Tag etwa 883.6 Tonnen kamen. Es konnte an 9 Tagen wegen stürmischen
Wetters, Regen, Schnee oder hoher Dünung überhaupt nicht, an den übrigen
Tagen mitunter nur einige Stunden gearbeitet werden. Einmal mußten wir sogar,
als sämtliche Leinen brachen, aus dem Hafen dampfen und auf der Reede ankern.
D. »Achaia«, der zwei Tage später als wir nach dem Hafen kam, hatte bei
unserer Abfahrt erst 1200 Tonnen Kistengut gelöscht und mußte noch auf
ıy Nach einem neuen englischen Konsulatsbericht ist infolge von Baggerungen, die am Kai
für Petroleumdampfer vorgenommen wurden, dieser Kai in 125’ (38 m) Länge plötzlich eingestürzt.
Alle Röhrenleitungen sind zerstört und daher ist die Verschiffung von Petroleum beeinträchtigt. Schiffe
können zurzeit an den Kai nicht gelangen und sind gezwungen, zu dem einzigen noch verfügbaren
Petroleum-Landungsplatz zurückzukehren. bis weiterer Platz wieder hergerichtet ist.