Klachn, J.: Über die Meeresströmungen zwischen Kap Horn und der La Plata-Mündung. 655
und wird bei Kap Roque gezwungen, einen Arm, den Brasilienstrom, an der
brasilianischen Küste entlang nach Süden zu entsenden,
Die an dieser Küste herrschenden Nordwinde erhöhen die Stromstärke.
Sobald die Winde an der Küste südlich von 20° S-Br. variabel werden,
wird der Lauf des Brasilienstromes durch die Erdrotation nach links von der
Küste abgelenkt. Südlich von 40° S-Br. wirken sodann die starken Westwinde
auf den Strom ein, welche ihn noch mehr nach Osten drängen.
Der Falklandstrom ist eine Ersatzströmung. Da der Brasilienstrom von
der südamerikanischen Küste abgelenkt wird, muß der Kap Horn-Strom einen
Arm nach Norden entsenden, um für den Küstensaum den nötigen Ersatz an
Wasser zu liefern. Den starken Westwinden ist es zuzuschreiben, daß südlich
von 40° S-Br. das Wasser des Falklandstromes vielfach in den Bereich des
Brasilienstromes getrieben wird und somit die Mitteltemperaturen des letzteren
herabgedrückt werden.
Der Kap Horn-Strom folgt der allgemeinen Westwindtrift. In 48° bis
50° S-Br. trifft von Norden gegen ihn: der Brasilienstrom. . Der Kap Horn-Strom
erweist sich als der stärkere und zwingt den Brasilienstrom, seine Richtung nach
Osten zu nehmen,
Diese kurze Charakteristik der Strömungen deckt sich im wesentlichen
mit dem Resultate, welches schon Krümmel!‘) gefunden hat. Doch finden die
einzelnen Punkte durch die neuen Untersuchungen der Wassertemperatur, der
Stromversetzungen sowie der Winde eine schärfere Begründung, ;
Noch manche andere Resultate lassen sich aus den neuen Untersuchungen
folgern. Besonders wird die Anderung der Strömungen von Monat zu Monat
genau zu beobachten und zu erklären sein.
Zunächst möge auf einige allgemeine Fragen, welche Krümmel schon an-
schnitt, aber noch nicht beantwortete, eingegangen werden.
c. Die Verschiebung der Gewässer in der Vertikalen.
Krümmel‘) sagt: »Bei dem Umbiegen des warmen Stromes wäre es nicht
ausgeschlossen, auch eine Verschiebung der Gewässer in der Vertikalen zu
denken: etwa in der Weise erfolgend, wie in den Serpentinen der Flüsse die
Oberfläche sich auf der äußeren Seite der Kurve hebt. Sollte nicht die auf der
Challenger-Expedition gemeldete, in so auffallend große Tiefen vorgeschrittene
Erwärmung der Brasilienströmung zum Teil in dieser Weise zustande ge-
kommen sein ?«
Ein Vergleich mit anderen ozeanischen Gebieten zeigt, daß diese Tiefen
nicht so auffallend groß sind, wie Krümmel annimmt.“) Bei dem Umbiegen des
Brasilienstromes schreitet durch die Hebung der Meeresoberfläche die Er-
wärmung in etwas größere Tiefen fort. Allein die Temperatur in 200 m Tiefe®)
läßt erkennen, daß bei der Betrachtung der Tiefentemperatur die Stärke des
Brasilienstromes zu berücksichtigen ist. Denn je kräftiger der Strom ist, desto
bedeutender ist sein Einfluß in die Tiefe.
Nun fließt der Brasilienstrom an seiner Westkante am schnellsten und
verliert erst zwischen 40° und 45° S-Br. erheblich an Kraft. Dementsprechend
liegen in 200 m Tiefe auch an der brasilianischen Küste die höchsten Tempera-
turen, und in 40° S-Br. nehmen die Temperaturen nach Süden hin schnell ab.
»Es wäre die Idee nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen,« meint
Krümmel;!) »daß die „strammen Westwinde“ durch ihre Oberflächen-Impulse jene
südlich fortschreitenden Wassermassen um ihre horizontale Längsachse zu drehen
oder zu rollen sich bestreben, so daß an der Westseite kälteres Wasser aus der
Tiefe emporquellen könnte. «
Bei der Besprechung der Wassertemperatur des Falklandstromes wurde
schon erwähnt, daß vielfach die IXIsothermen kleine Kreise bilden, in deren
Innern die Wassertemperatur niedriger ist als außerhalb.
'; Vgl. Fußnote 2 8. 647.
?) Vgl. Valdivia-Werk, I. Tafel X ff,
3) Vol, Tafel XIII desselben Werkes.