Klaehn, J.: Über die Meeresströmungen zwischen Kap Horn und der La Plata-Mündung, 653
Die folgende nähere Betrachtung der hemisphärischen Isanomalie wird
diese Behauptungen stützen.
Die verschiedenen Temperaturverhältnisse des Brasilienstromes, wie sie
oben dargelegt wurden, treten durch die Karte der Jahresisanomalen noch be-
sonders deutlich hervor,
Die höchsten Wassertemperaturen zwischen 50° bis 52° W-Lg. erscheinen
in besonders hoher Anomalie. Diese beträgt in 35° S-Br. schon über +2° und
steigt bis zu 41° bis 42° S-Br. auf über +3°. Weiter nach Süden fallen die Werte
der Anomalie, da die Temperaturen des Brasilienstromes schneller abnehmen als
die der zugehörigen Breiten.
An der Westkante -des Brasilienstromes treten auch in der thermischen
Anomalie die verschiedenen Gegensätze zur Temperatur des Falklandstromes
klar zutage. Zwischen 35° und 40° S-Br. liegen die Linien gleicher Anomalie
von +2° bis —2° sehr nahe zusammen, südlich von 40° S-Br. gehen sie aus-
einander.
Die Nulllinie gibt etwa den Rand des Brasilienstromes im Westen wie im
Süden an. ;
Östlich von 50° W-Lg. muß mit dem Fallen der Temperatur auch die
Anomalie schnell abnehmen, Zwischen 45° bis 40° W-Lg. stimmt die beobachtete
Temperatur mit dem Durchschnittswert der betreffenden geographischen Breite
nahezu überein.
Das Gebiet positiver Anomalie, welches schon Köppen!) bei Kap Horn
feststellte, erstreckt sich bedeutend in den Bereich des Falklandstromes hin-
ein. Bei den Staten-Inseln beträgt die Anomalie +3°C,, fällt aber alsbald.
Da in dem Bereich des besonders kalten Wassers die Temperatur. nur
langsam steigt, fällt die Anomalie beträchtlich. Von +2°C. in der Nähe der
Falklandinseln geht sie bis zum 39.° S-Br., 55.° W-Lg. auf unter —3°C, hinab.
Alsdann steigt die Temperatur des Falklandstromes etwas rascher als die Mittel-
temperaturen der zugehörigen geographischen Breiten, Indessen bleibt die
Anomalie in 35° S-Br. noch unter —1°C.
Gegen die Küste verschwindet schnell die negative Anomalie. Eine
Ausnahme bildet nur der Küstensaum zwischen der La Plata-Mündung und
39° S-Br., wo die Anomalie noch nicht ganz den Nullwert erreicht,
Mit dem Fallen der Temperatur geht in dem Bereiche des Kap Horn-
Stromes die positive Anomalie von +3°C. bei den Staten-Inseln in die negative
von —1°C, in 40° W-Lg. über, Bei der schwachen Temperatursteigerung nach
Norden nimmt auch in dieser Richtung die Anomalie weiter. ab..
Ein Vergleich der Anomalie des Oberflächenwassers mit der der unteren
Luftschichten zeigt große Gegensätze.°)
Im Jahresdurchschnitt herrscht westlich von ungefähr 50° W-Lg. bis zur
Küste überall positive Anomalie der Lufttemperatur, Über dem ganzen Gebiet
des Falklandstromes beträgt sie im Januar sogar über +4°C.
ce. Die prozentuale Häufigkeit der Stromversetzungen.
{Vgl. die graphische” Darstellung [Tafel 38] und die Stromtabellen.)
Bei der Berechnung der prozentualen Häufigkeit der Stromversetzung,
welche sich auf das ganze Jahr beziehen, muß bei der Verschiedenheit der
Strömungen in den einzelnen Monaten erwartet werden, daß die Zahlenwerte für
die Hauptstromrichtung nur schwach hervortreten. Werden, wie es in der
Tabelle geschieht, die Stromversetzungen nach acht Richtungen angegeben, so
wird schon bei 20 bis 25°, der Stromversetzungen einer Richtung diese als die
Hauptrichtung des Stromes in der betreffenden Gegend zu bezeichnen sein.
Oftmals deuten nur die Zahlen dreier nebeneinander liegender Richtungen, z. B.
die für N, NO und O, darauf hin, daß die Hauptstromrichtung der mittleren, in
diesem Falle der nordöstlichen, gleichzusetzen ist.
') »Annalen der Hydrographie usw.«, 1898, Heft IX.
?, Vgl, Hann: »Lehrbuch der Meteorologie«, Leipzig 1906, S. 118.