5592 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1911.
linie von 200 m. Südlich von 40° S-Br, sind die niedrigsten Wassertemperaturen
mehr außerhalb dieser Linie zu «suchen.
Von Süden nach Norden steigt die Temperatur des kalten Falklandstrom-
wassers sehr langsam. Von 50° bis 40° S-Br. beträgt die Zunahme noch nicht 4° C.
Erst nördlich von 40° S-Br. schreitet sie in den meisten Monaten schneller fort,
Erwähnt muß noch werden, daß in manchen Monaten, besonders an der
200 m-Linie, stellenweise abnorm niedrige Temperaturen gemessen werden, während
weiter südlich wärmeres Wasser vorherrscht. Es ist demnach ausgeschlossen,
daß solche abnormen Temperaturverhältnisse nur in einer Nordströmung ihre
Erklärung finden. Es bestätigt sich also Krümmels Erwartung,!) daß vielfach
aus der Tiefe Wasser an die Meeresoberfläche tritt.
Das ganze Jahr hindurch wird das Steigen der Wassertemperatur
gegen die Küste beobachtet,
Die Ansicht Krümmels, daß nur in der warmen Jahreszeit eine erhebliche
Erwärmung stattfindet, ist nicht zutreffend,
Die höchsten Temperatursteigerungen bis zu 6°C, gegenüber dem kalten
Falklandstromwasser werden in den Meeresbuchten zwischen Kap Corrientes und
Kap Blanco wahrgenommen. Nicht so bedeutend sind die Temperaturgegensätze
vor und in der La Plata-Mündung. .
In dem Bereiche des Kap Horn-Stromes sinkt ständig die Wasser-
temperatur von Westen nach Osten. In 54° S-Br. beträgt von den Staten-Inseln
bis zum 40° W-Lg. die Abnahme 3° bis 4°C.
Von Süden nach Norden ist in der Temperatur des Stromes nur eine
geringe Zunahme zu konstatieren. Infolgedessen treten an der Südkante des
Brasilienstromes zwischen dem warmen und kalten Strome von Westen nach
Osten immer höhere Temperaturdifferenzen auf.
b. Die Jahresisanomalie der Wassertemperatur.
(Vgl. Tafel 34.)
Um die Isanomalie der Wassertemperatur zu bestimmen, wurde die Methode
von Dove verwertet, indem hemisphärische Isanomalen konstruiert wurden.
Die Normalen ergaben sich nach der Tabelle von Krümmel:°) Mittlere
Temperatur der Oberfläche nach 10°-Zonen.
Da für 35°, 40°, 45°, 50° und 55° S-Br. die Breitentemperaturen berechnet
sind, konnten für die Normalwerte ganzer Celsiusgrade die zugehörigen geo-
graphischen Breiten leicht gefunden werden.
Sie sind auf der Karte für das Jahresmittel der Wassertemperatur verzeichnet.
Es wurden also verschieden von Köppen,*%) der holosphärische Isanomalen
konstruierte, nur die Durchschnittswerte für die Temperatur der Südbreiten in
Anwendung gebracht, da die hier vorliegenden südlichen Breiten in der Temperatur
Ädes Oberflächenwassers starke Gegensätze gegen die gleichen auf der nördlichen
Halbkugel aufweisen.
Werden die Normalwerte der Nord- und Südbreiten miteinander verbunden,
wie es Köppen getan hat, so steigen in den vorliegenden Breiten die Normal-
werte, Es fallen demnach die Werte für die Anomalie sämtlich niedriger aus,
und manche Gebiete müssen als zu kalt bezeichnet werden, welche dem Be-
obachter immer als relativ warm erscheinen. Denn er vergleicht die gemessenen
Temperaturen immer mit den Durchschnittswerten der Südbreiten und vergegen-
wärtigt sich wohl selten, welche Temperaturen wohl in den gleichen nördlichen
Breiten herrschen mögen.
So sprechen die Beobachter stets von dem warmen Küstenwasser und dem
warmen Brasilienstrom. Würde aber die holosphärische Isanomalie dieser Gebiete
festgestellt, so würden größtenteils negative Werte gefunden werden.“‘)
‚ Vgl. Fußnote 2 auf ®, 647,
2, „Handbuch der Ozeanographie« 1908, I, S. 401,
*) „Annalen der Hydrographie usw.« 1898, Heft IX, und 1911, Heft IIL.
4) Zur Darstellung des Unterschiedes zwischen den beiden Halbkugeln ist indessen die
Köppensche Methode vorzuziehen.
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