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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1911. 
an der Küste nicht vor; vom 23, bis 27. stellte sich teilweise an der Nordseeküste 
heiteres Wetter ein. Nebel trat häufiger auf, im größten Teile des Küsten- 
gebiets am 6., 16., und 80. sowie an der Nordseeküste am 24. und 25. Gewitter 
wurden bis zum 9., mit Ausnahme des 6. täglich beobachtet, besonders an der 
Nordsee. 
Der ungewöhnlich tiefe Barometerstand erklärt sich dadurch, daß das 
Küstengebiet den ganzen Monat hindurch unter dem Einfluß barometrischer 
Depressionen stand, die fast alle in west-Östlicher Richtung vorüberzogen. Allen- 
falls kann man den 27, als Ausnahme bezeichnen, da an diesem Tage wenigstens 
die Ostseeküste von relativ hohem Luftdruck bedeckt wurde, Am 1. November 
lag eine tiefe Depression mit ihrem Kern über der nördlichen Nordsee bei hohem 
Luftdruck über Südwesteuropa. Es entwickelten sich stürmische Winde, die aus 
südwestlichen, im äußersten Osten aus südlichen Richtungen wehten. Da sich 
jedoch über Nordosteuropa ein Hochdruckgebiet einstellte, das erst allmählich 
zurückwich, so änderte die Depression ihren Ort anfangs nur sehr wenig und 
verflachte sich unter Abflauen der Winde, Am 4, verlagerte sie ihren westlichen 
Teil südostwärts und bedeckte an diesem Tage fast ganz Europa. Dabei traten 
drei gesonderte, flache Zentren hervor und die Winde blieben schwach; die 
Temperaturen sanken nahe auf den Gefrierpunkt. Bei dem Auftreten von er- 
heblichen Temperaturgegensätzen auf relativ kurze Entfernungen stellten sich 
mehrfach Gewitter ein. Am 5. schritt das Tiefdruckgebiet nordostwärts weiter; 
ihm folgte ein neues von den Britischen Inseln her, das am 7. mit starker Er- 
wärmung stürmische südwestliche Winde mit sich brachte. Auch diesem folgte 
wieder ein Tiefdruckgebiet nach, so daß bis zum 12. die stürmischen südwest- 
lichen Winde bestehen blieben, die beim Vorübergang der Depressionen im 
Westen der Küste nach nordwestlichen Richtungen übergingen. Im äußersten 
Osten blieben während dieser Zeit die Temperaturen ziemlich niedrig. Wiederum 
folgte eine Depression der schnell ostwärts abziehenden nach. Während des 
Vorüberganges des beide Tiefdruckgebiete trennenden Hochdruckrückens am 13. 
flaute der Wind ab, um schon am 14. im Bereiche der neuen Depression, zunächst 
aus südlichen Richtungen, wieder stark aufzufrischen. Da sich indessen über 
Nordosteuropa ein Hochdruckgebiet in den Weg stellte, so blieb diese Depression 
längere Zeit mit geringer Ortsveränderung über West- und Zentraleuropa 
liegen. Die Winde flauten ab und die Temperaturen sanken allmählich tiefer, 
Die Depression blieb bis zum 23. November über Mitteleuropa liegen, wo sie sich 
mit einem vom Mittelmeer stammenden Tiefdruckgebiet vereinigte und dann 
nordwärts schritt. Bemerkenswert während dieses Zeitraumes ist nur der 19. 
und 20., wo beim Verlagern eines Tiefdruckkerns von Ostdeutschland nach Süd- 
schweden die Winde an der östlichen Ostsee stark auffrischten. Vom Westen 
her stellten sich nun neue Tiefdruckgebiete ein, die sich jedoch ebenfalls nur 
ganz langsam ostwärts verlagerten, da über Osteuropa das dort lagernde Hoch- 
druckgebiet stark zugenommen hatte. Dieses zeigte am 27., wo bei südöstlichen 
Winden überall stärkerer Forst eintrat, einen Stand von über 790 mm über dem 
Innern Rußlands, Am 28, rückte die Depression näher heran, sodaß die südöst- 
Kchen Winde stark auffrischten und allmählich nach Südwest übergehend, einen 
stürmischen Charakter annahmen. Damit verschwand auch zugleich der Frost 
wieder. Der Kern des Tiefdruckgebiets verlagerte sich unter Abflauen des 
Windes am 29. nach Südnorwegen und dann weiter nach Nordskandinavien, 
während eine Teildepression vom Westen her nach Frankreich vordrang. So 
blieb das ziemlich milde Wetter bis zum Monatsschluß bestehen. 
Druck und Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW. Kochstraße 68—71.
	        
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