Brennecke, W.: Ozeanographische Arbeiten der Deutschen Antarktischen Expedition. 647
Verfügung gestellt hatte, erheblich abwich, und ferner, daß die Bestimmung der
Farbentöne erst nach Abschluß der Serie stattfand, so daß der Einfluß der
Temperaturänderung nicht ausgeschaltet ist.
Die Oberflächentemperaturen wurden während eines großen Teiles der
Reise von 8% V bis 8h N stündlich durch Dr. Przybyllok gemessen, beim Über-
gang in den Falklandstrom fanden zeitweise vierfelstündliche Beobachtungen statt,
Von großer Bedeutung ist es, daß außer den Arbeiten unserer Expedition
im westlichen Südatlantischen Ozean gleichzeitig S.M.S. »Möwe« im östlichen
Gebiete des Ozeans ozeanographische Untersuchungen ausgeführt hat, die durch
einen Querschnitt, den die »Fram« zwischen der südamerikanischen und süd-
afrikanischen Küste in 70-tägiger Fahrt gelegt hat, verbunden werden,
Die Ausreise der »Deutschland« nach Südgeorgien wird Anfang Oktober
erfolgen,
Über die Meeresströmungen zwischen Kap Horn und der La Plata-Mündung.”
Von Johannes Klachn,
(Hierzu Tafeln 34 bis 38.)
Geschichtliches.
Die wichtigsten Beiträge zur Kenntnis der Meeresströmungen zwischen Kap
Horn und der La Plata-Mündung lieferte bisher O0. Krümmel in seinen »Be-
merkungen über die Meeresströmungen und -Temperaturen der Falklandsee«,?)
Er unterscheidet drei Ströme: ;
„1. Der Falklandstrom, welcher kaltes Wasser mit sich führt, fließt
zwischen den gleichnamigen Inseln und dem Festlande nach Norden und ist bis
über die Breite der La Plata-Mündung, dem 35.° S-Br., hinaus zu verfolgen.
2. Der warme Brasilienstrom läuft in entgegengesetzter Richtung an
der Ostseite des Falklandstromes bis zum 48,° S-Br. nach Süden und wendet sich
dann in scharfem Bogen nach Osten.
3. Der Kap Horn-Strom geht mit der allgemeinen Westwindtrift an der
Südspitze des Festlandes vorbei, entsendet alsbald den Falklandstrom nach
Norden und fließt dann selbst nach Nordosten, bis er den 48.° S-Br. erreicht, um
dann den Brasilienstrom weiter nach Osten hin zu begleiten,
Diese Strömungsverhältnisse werden im großen und ganzen durch die
Zusammenstellung der Stromversetzungen, welche wir auf den Monthly Current
Charts for the Atlantic Ocean®) graphisch dargestellt finden, bestätigt.
Ein ähnliches Resultat haben die Untersuchungen ergeben, welche von
deutscher Seite über diese Strömungen angestellt und im Handbuch für die
Ostküste von Südamerika publiziert sind.*)
Eine exakte Bearbeitung der Strömungen auf dem Dampferwege
zwischen der La Plata-Mündung und Kap Horn ist auf den Rückseiten
der Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean veröffentlicht. ®)
Die Isothermenkarten des Oberflächenwassers im Atlas für den
Atlantischen Ozean®°) und die Karten (Tafel IXff.) im Valdivia-Werk“)
sollten uns noch neben den genannten Werken näheren Aufschluß über den
Gang der Strömungen geben. Bei dem unregelmäßigen Verlauf der Isothermen
treten indessen die verschiedenen Strömungen nicht deutlich genug hervor.
Methodisches,
. In den letzten drei Jahrzehnten ‘hat sich die Sammlung meteorologischer
Schiffsjournale auf der Deutschen Seewarte zu Hamburg derartig bereichert;
Diese Abhandlung erscheint gleichfalls als Göttinger Dissertation, 1911. .
Aus dem Archiv der Deutschen Secewarte, Hamburg 1882, Nr. 2.
London, Published at the Admiralty 20th March 1897.
Hamburg, Deutsche Seewarte 1902. -
Juli 1904 bis Juni 1905. .
°) 2. Auflage 1902, Hamburg.
7) G. Schott: Wissenschaftliche Ergebnisse der Deutschen Tiefsee-Expedition auf dem: Dampfer
»Valdivia« 1898/99, I. Ozeanographie und maritime Meteorologie, Jena 1902.