Steffens, O.: Die .Eisverhältnisse an den deutschen Küsten.
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54 Tagen Eis gesichtet wurde. Auch der Hafen Swinemünde verhält sich ähnlich
(53 Tage). Die etwas freier am Meere gelegene Station Thiessow, die über die
5stliche Einfahrt in den Stralsunder Bodden berichtete, meldete durchschnittlich
an etwas weniger, nämlich an 43 Tagen, das Vorkommen von Eis. Naturgemäß
hatte das ganz frei gelegene Arkona sehr wenig Eis (nur an 4 Tagen).
Die Häfen der pommerschen Küste, die trotz der freieren Lage am Meere
eine etwas stärkere Eisbesetzung zeigten (Kolberg und Stolpmünde hatten je
16 Tage mit Eis), dürften schon ziemlich stark unter dem Einfluß der kälteren
Witterung stehen. Die ganz frei gelegenen Orte Rixhöft und Hela weisen eine
kaum nennenswerte Zahl von Tagen auf, an denen Eis gesichtet wurde, nämlich
nur 5 bis 6 Tage. Hier dürfte noch der Umstand von Bedeutung sein, daß der
vorherrschende Südwestwind das Eis leicht seewärts treiben kann.
Weitaus am häufigsten an der ganzen deutschen Küste macht sich Eis an
der Östlichsten Ostsee bemerkbar. Der Hafen von Neufahrwasser bis Danzig
steht zwar ziemlich günstig da; denn nur an 37 Tagen ist dort während der
letzten 8 Winter durchschnittlich im Jahre Eis gesichtet worden. Als Grund
hierfür dürfte einmal die nord-— südliche Lage der Einfahrt in den Hafen
zelten können, der zufolge der vorherrschende Südsüdwestwind das durch den
starken Verkehr zerkleinerte und in Bewegung gehaltene Eis seewärts treibt;
anderseits wird durch den Durchstich bei Schiewenhorst der beim Aufgang der
Weichsel sich in Bewegung setzende Eisstrom dort größtenteils vor Erreichung
von Danzig ins Meer abgeleitet, so daß im Frühjahr ein breiter weißer Streifen
in See treibenden Weichseleises bei Schiewenhorst fast regelmäßig wahrgenommen
wird. Von großer Bedeutung ist für die Eisverhältnisse das Eintreten nordöstlicher
Winde, die, wie vorstehende Kartenskizze zeigt, das seewärts in Bewegung befind-
liche Weichseleis zurücktreibt, so daß in solchen Fällen die ganze Danziger Bucht
oft voll von Packeis ist und die Schiffahrt vollständig ins Stocken gerät.
Die weitaus häufigsten Eisbildungen zeigen sich im Frischen Haff (vom
Kurischen Haff liegen nur die Beobachtungen von Memel vor, dessen Eisverhält-
nisse infolge der starken Strömung und Dünung verhältnismäßig günstig sind).
An 113 Tagen tritt im Frischen Haff während des Winters nach den achtjährigen
Beobachtungen Eis auf, Hierfür kommen wohl hauptsächlich drei Ursachen in
Frage, nämlich einmal die relativ geringe Tiefe des Haffes, die eine schnelle und
durchgreifende Durchkühlung des Wassers ermöglicht, ferner der fast vollständige
Abschluß gegen das Meer, so daß man es hier mit einer Art Binnengewässer zu
tun hat, das auch eine geringere Wellenbewegung gegenüber den nach der See
öffenen Küstenplätzen aufweist, und schließlich sind hier die winterlichen Frost-
perioden viel anhaltender und intensiver als bei den westlichen Orten der Küste.
II. Die Störung der Schiffahrt durch das an der Nord- und Ostseeküste
auftretende Eis,
Die zweite Zahlenreihe B bzw. Bı der Tabellen I und II enthält für jede
der an der Nordsee- und Ostseeküste gelegenen Beobachtungsstationen die Anzahl
derjenigen Tage im achtjährigen Durchschnitt, an denen die Segelschiffahrt durch
Eis behindert wurde, aber noch möglich war; die 3. Reihe C bzw. Cı gibt die
durchschnittliche Zahl der Tage, an denen die Segelschiffahrt geschlossen war,
Dampfer aber noch fahren konnten; die 4. Reihe D bzw. Dı enthält die mittlere
Häufigkeit der Tage mit Schluß der Dampfschiffahrt.
In der graphischen Darstellung durch die Kurve B und C des Diagramms I
wird für die einzelnen Stellen des deutschen Küstengebiets der Grad der Ver-
kehrsstörung klar veranschaulicht. Kurve B bezieht sich auf die Tage, an denen
nur die Segelschiffahrt geschlossen war, Kurve C auf diejenigen Tage, an denen
»Schluß der Schiffahrt« gemeldet wurde. Diese Kurven sind von besonderem
Interesse und sollen deshalb im folgenden des näheren besprochen werden.
Schon ein oberflächlicher Blick auf das Diagramm lehrt, daß an der
Nordseeküste nur selten eine Unterbindung des Schiffahrtsverkehrs infolge der
Eisverhältnisse eintritt, soweit .das vorliegende Material ein Urteil gestattet.