534 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1911.
mit einer Störung des Dampferverkehrs und schließlich mit deren Schließung zu
rechnen sein dürfte, Es wird dann von einigem Interesse sein, die Ergebnisse
der in den kommenden Wintern angestellten Eisbeobachtungen zu vergleichen und
zu prüfen, inwieweit das hier gewonnene Bild der normalen Verhältnisse Ab-
weichungen aufweist. Es soll in den künftigen Beschreibungen hierauf zurück-
gegriffen werden.
Werfen wir aber zunächst einen Blick auf die Dauer des Vorkommens
von Eis an den verschiedenen Stellen der Küsten unabhängig von seiner Stärke!
I. Die Eisverhältnisse der Nordsee- und Ostseeküsten ohne Rücksicht auf die
Störung der Schiffahrt.
Bei allen bisherigen Beobachtungen ergab sich, daß die Temperatur-
verhältnisse den hauptsächlichsten Einfluß ausüben: Je mehr Frost desto mehr
Eis; deshalb trat am wenigsten Eis an der Nordsecküste, mehr an der westlichen
Ostsee- und am meisten an der östlichen Ostseeküste auf, Betrachten wir diese
Verhältnisse etwas näher! In der Tabelle X auf S. 636/637 ist in der ersten Zahlen-
reihe A für jede Station der Ostseeküste berechnet, an wieviel Tagen während
des Winters im achtjährigen Durchschnitt mit dem Auftreten von Eis zu rechnen
ist; in der Tabelle II auf S. 636/637 finden sich in der Zahlenreihe Aı dieselben
Angaben für die Stationen der Nordseeküste.
Hierin zeigt sich trotz der großen Verschiedenheit im Auftreten von Eis
bei benachbarten Stationen eine deutliche allmähliche Zunahme, je weiter man
von den westlichen nach den östlichen Stationen fortschreitet, namentlich an der
Ostseeküste. Weit klarer treten die Unterschiede in der graphischen Darstellung
in dem Diagramm I auf Tafel 32 hervor, wo die einzelnen Zahlen durch
Längen veranschaulicht werden, links beginnend mit den westlichsten Punkten
der Nordseeküste und fortlaufend bis zu den östlichsten Orten der Ostseeküste,
An der Nordseeküste tritt am stärksten das Gebiet der Elbe- und Eider-
Mündungen hervor, wo im Durchschnitt in den letzten 8 Jahren fast an allen
Beobachtungspunkten nahezu die gleiche Zahl der Tage mit Eis festgestellt
wurde, Altona hatte durchschnittlich am häufigsten, nämlich an 31.2 Tagen
während des Winters, das Vorkommen von Eis gemeldet; es folgen Glückstadt
(sichtbares Elbegebiet) mit 29.4 Tagen, Hamburg und Brunshausen mit je 27.9
und Harburg mit 28.2. Läßt man die Zehntel fort, so hatten die drei letzteren
Plätze absolut die gleiche Dauer der Eisbesetzung aufzuweisen, der gegenüber
diejenigen von Altona und Glückstadt auch nur sehr wenig hervortritt. Dasselbe
gilt vom Mündungsgebiet der Eider, das mit 29.8 Tagen den ersteren fast genau
gleichkommt.
Man kann also als Ergebnis der achtjährigen Eisbeobachtungen an der
Nordseeküste zunächst die Tatsache hervorheben, daß die Häfen von Hamburg,
Altona, Harburg, das Elbegebiet bei Glückstadt und Brunshausen sowie der Hafen
von Tönning (Eider) mit jährlich 28 bis 31 Tagen fast genau die gleiche Dauer
der Besetzung mit Eis aufweisen, Das unmittelbar an der Elbemündung gelegene
Brunsbüttelkoog hatte naturgemäß, schon erheblich weniger Tage mit Eis aufzu-
weisen, nämlich nur 21.4, noch weniger das frei am Meere gelegene Cuxhaven
mit 15.8 Tagen,
Schon weit weniger Eis hatten im Durchschnitt die Plätze der Weser-
mündung. Auch hier fällt zunächst wieder (wie schon bei den verschiedenen
Orten der Elbemündung) auf, daß die einzelnen Orte, an denen die Eisverhält-
nisse beobachtet wurden, unter sich sehr nahe übereinstimmen; man wird diese
Tatsache als ein erfreuliches Zeichen der Genauigkeit der Beobachtung und deren
Zweckmäßigkeit bewerten dürfen, So wurde jährlich im Durchschnitt im sicht-
baren Wesergebiet und Hafen von Brake an 19 Tagen, an ebensoviel Tagen im
sichtbaren Wesergebiet um Hoheweg-Leuchtturm und an 20 Tagen zu Bremer-
haven das Vorkommen von Eis beobachtet. Im Bremer Hafen stellt sich diese
Zahl auf 13.
Mit beinahe gänzlicher Eisfreiheit haben nach den achtjährigen Beob-
achtungen an der Nordseeküste nur Helgoland und die Außenjade zu rechnen.