Ann. d. Hydr. usw., XXXIX. Jahrg. (1911), Heft XII.
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Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten.
Nach den achtjährigen Beobachtungen vom Winter 1903/04 bis 1910/11 im dienstlichen Auftrage
bearbeitet von Dr. 0, Steffens.
(Hierzu Tafel 32.1
Seit die Deutsche Seewarte durch den Herrn Staatssekretär des Reichs-
Marine-Amts im Interesse der heimischen Schiffahrt mit der Erforschung der
Eisverhältnisse an der deutschen Nordsee- und Ostseeküste betraut wurde, ver-
öffentlichte sie vom Winter 1903/04 ab allmonatlich eine Übersicht über die Eis-
verhältnisse auf Grund der Zusammenstellungen von 27 Beobachtern an der
Nordsee- und 35 an der Ostseeküste, Außer diesen monatlichen Übersichten
wurde nach Schluß der Eissaison noch in einer zusammenfassenden Tabelle ein
Bild von der Stärke und Dauer der Eisbesetzung der heimischen Küstengewässer
während des ganzen Winters gegeben. Diese im anschließenden Sommer regel-
mäßig auch in_ dieser Zeitschrift abgedruckten und des näheren besprochenen
tabellarischen Übersichten gewährten einen klaren Einblick in die Art der Be-
hinderung der Schiffahrt durch die Eisverhältnisse; letztere wurde durch Zahlen
charakterisiert, die angaben, an wieviel Tagen während des Winters an den ver-
schiedenen Küstenplätzen die Segelschiffahrt behindert und geschlossen wurde,
an wieviel Tagen ferner dem Dampferverkehr Schwierigkeiten erwuchsen und
dieser ganz geschlossen werden mußte; auch wurde noch die Zahl derjenigen
Tage für jede einzelne Eisbeobachtungsstation mitgeteilt, an denen diese nur
leichtes, loses, die Schiffahrt nicht behinderndes Eis beobachtet hatte; schließlich
wurde jedem Beobachtungsort noch das Datum der ersten und der letzten Eis-
meldung beigefügt. N
Neben den jährlichen Übersichten über die Eisverhältnisse sollte es viel-
jährlichen Zusammenfassungen vorbehalten sein, die charakteristischen. Züge
der Eisverhältnisse unserer Küste unter Hervorhebung des durchschnittlich zu
erwartenden Verhaltens bestimmter und genauer zu kennzeichnen. Für die hier
gegebene erste Bearbeitung eines längeren Zeitraumes empfahl sich der die
Winter 1903/04 bis 1910/11 umfassende achtjährige Zeitraum, an ‚den sich
weiterhin die nachfolgenden zehnjährigen Zeiträume anschließen sollen, um auf
diese Weise eine Übereinstimmung mit denjenigen zehnjährigen Zeiträumen zu
erreichen, die in Deutschland für die zusammenfassende Bearbeitung langjähriger
meteorologischer Beobachtungen bestimmt sind. Von den Eisbeobachtungen eines
nur achtjährigen Zeitraumes werden wir gewiß ein genaues Bild der Eisver-
hältnisse und ein irgend abschließendes Urteil noch nicht gewinnen können; hier-
für sind die durch Zufälligkeiten von Wind und Wetter im einzelnen bedingten
Abweichungen von den mittleren Verhältnissen zu groß. Indessen treten gewisse
charakteristische Züge in der Eisbesetzung der verschiedenen Teile der Nordsee,
der westlichen und östlichen Ostseeküste, der Flußmündungen, der Haffe, der
Watten und der am offenen Meere gelegenen Küstenstrecken alljährlich mehr
oder minder ausgeprägt hervor, so daß eine aus dem angegebenen Grunde
wünschenswerte zusammenfassende Bearbeitung der bis jetzt vorhandenen nur
acht Jahrgänge von Eisbeobachtungen wenigstens in den Hauptzügen ihres Er-
gebnisses ein zutreffendes Bild der durchschnittlich zu erwartenden Eisverhält-
nisse ergeben muß.
Bei diesem Versuch, die Eisbesetzung an den verschiedenen Stellen und
Plätzen des deutschen Küstengebietes zu charakterisieren, war vor. allem die
Frage entscheidend, inwieweit die Schiffahrt behindert und gestört wurde; 'es
soll deshalb im folgenden festzustellen versucht werden, wie oft während des
Winters an den verschiedenen Küstenplätzen erstens mit einer merklichen Be-
hinderung der Segelschiffahrt, zweitens mit Schluß der Segelschiffahrt, drittens
Ann. d. Hydr. usw. 1911, Heft XIT.