632 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1911.
über lag, an der östlichen Ostseeküste stürmische nordwestliche Winde, im
übrigen Küstengebiet Niederschläge hervor. Diese Luftdruckverteilung blieb im
wesentlichen bis zum 8. bestehen; es fielen jedoch nur am 5. an der östlichen
Ostseeküste merkliche Niederschläge. Bemerkenswert ist während dieses Zeit-
raumes noch der 6., wo an der östlichen Ostseeküste bei dem Vorüberzuge eines
Depressionsausläufers wieder stürmische nordwestliche Winde auftraten, Am 9.
stellte sich über der östlichen Ostsee ein tiefes Minimum ein, dem auf seinem
Zuge nach Osten ein Hochdruckgebiet vom Westen folgte und das auf seiner
Rückseite an der östlichen Ostseeküste abermals verbreitete stürmische Winde
hervorrief, die auch noch am 10. bestehen blieben.
Vom 11. bis 13. verlagerte sich nun das gesamte Hochdruckgebiet all-
mählich nach Südosteuropa und hatte an den beiden ersten Tagen überall heiteres
und tags ziemlich warmes Wetter im Gefolge. Am 13. war ein Depressions-
ausläufer nach der Nordsee vorgedrungen, so daß an diesem Tage die Winde
des Küstengebietes aus südlichen Richtungen wehten. Hierbei stellten sich in
Hamburg, Kiel, Wustrow und Rügenwaldermünde die höchsten Monatstempera-
turen mit 25 bis 28 Grad ein.
Am 14, 15, und 16. stand die deutsche Küste unter dem Einfluß der ost-
wärts abziehenden nordischen Depression, wobei an der Nordsee und am 16. auch
an der östlichen Ostsee Niederschläge fielen, An den drei folgenden Tagen ver-
Jagerte sich das ozeanische Hochdruckgebiet allmählich nach Südwesteuropa,
während im Norden Depressionen und Ausläufer von solchen vorüberzogen, die
mit westlichen Winden leichte Regenfälle mit sich brachten.
Am 20. erschien die Wetterlage stark verändert; das genannte Hochdruck-
gebiet war schnell nach Südosteuropa abgezogen, wogegen eine umfangreiche
Depression über Nordwesteuropa einen Ausläufer nach der Biscayasee und Nord-
frankreich entsandte, der bereits am gleichen Tage im äußersten Westen der
deutschen Nordseeküste starke Regenfälle mit sich brachte. Mit dem weiteren
Vorrücken der Depression in östlicher Richtung stellten sich verbreitete stärkere
Niederschläge ein, an der westlichen Nordseeküste teilweise unter Gewitter-
erscheinungen. Nach ihrem Abzuge erschien eine neue Depression nordwestlich
von Irland. Ein Ausläufer schritt jedoch zunächst nur bis zur westlichen Nord-
see vor, da über Osteuropa das dort gelegene Hochdruckgebiet an Höhe stark
zugenommen und sich westwärts ausgebreitet hatte, Am 25. wich das östliche
Maximum etwas zurück und über Südwesteuropa entwickelte sich ein intensives
Hochdruckgebiet. Zugleich erschienen neue Depressionen über Nordwesteuropa,
die in östlichen Richtungen fortschritten und dem deutschen Küstengebiet vom
27, ab bis zum Monatsschluß anhaltendes Regenwetter brachten. Am 28. traten
im Gefolge eines Depressionsausläufers an der Nordseeküste steife nordwestliche
Winde und verbreitete Gewitter auf, die sich auch an dem folgenden Tage wieder-
holten. Hervorzuheben ist schließlich noch ein Teilminimum, das in der Nacht
zum 30. September mit Barometersturz schnell über England nach der südlichen
Nordsee heranzog und dem westlichen Teil des deutschen Küstengebiets steife
und stürmische, zunächst südöstliche Winde brachte, die in der folgenden Nacht
nach Nordost drehten und schwere Unglücksfälle auf See zur Folge hatten.
Berichtigung.
In dem Artikel Dr. W. Brennecke: Ozeanographische Arbeiten der Deutschen Antarktischen
Expedition, »Ann. d. Hydr. usw.« 1911 ©. 350ff., ist in der Liste der Lotungen auf S. 352 bei der
Station Nr 27 in der Kolumne N-Br. zu lesen: 837° 59.5 statt 37° 29.5.
Druck und Verlag von E. 8. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
Berlin SW, Kochstraße 68—71.