508 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1911,
wässerung der anliegenden Ländereien dienenden Nebenfahrwassern und Neben-
armen desto mehr Wasser entzogen und dem Hauptfahrwasser zugeführt, je
weiter sie von der Mündung aufwärts liegen und je höher somit die Begrenzungen
des Hauptfahrwassers sind. Die für letzteres schädlichen Querströmungen werden
eingeschränkt, die Nebenfahrwasser auf die ihrem untergeordneten Zweck ent-
sprechende Kapazität allmählich zurückgebracht, womit die an den Trennungs-
punkten zwischen Haupt- und Nebenfahrwasser stattfindenden Wirbelbildungen
geringer werden müssen, was wiederum gegen die nachteilige Bildung von Barren
im Hauptfahrwasser unterhalb bzw. oberhalb der Trennungspunkte wirkt.
Von dem allmählichen Übergang der Krümmungen ineinander ist Abstand
genommen worden, weil auch die geraden Stromstrecken zwischen je zwei
Krümmungen von entgegengesetzter Richtung durch Stromwerke begrenzt
werden, die die Strömungen auf das Fahrwasser lenken und auf dieses konzentrieren,
somit die Nachteile der Stromübergänge auf das möglichst geringste Maß zurück-
führen. Bei mächtigen Strömen ist ein solcher Übergang außerdem nicht von
solcher Bedeutung wie oberhalb der Flutgrenze, wo andere Verhältnisse herrschen
und nur eine Stromrichtung in Frage kommt.
Wenn auch die Abflachung der zu starken Krümmungen am besten im
allgemeinen durch Anlage von Leitdämmen in der neuen Regulierungslinie am
konkaven Ufer unter gleichzeitiger Abbaggerung des gegenüberliegenden vor-
springenden konvexen Ufers behufs Vermeidung einer Profileinengung geschieht,
so stehen einem solchen Vorgehen doch mannigfache Nachteile entgegen, die es
ratsam erscheinen lassen, statt dessen im Gegensatz zu den unter 4. aufgestellten
allgemeinen Regeln Werke zu nehmen, die in gewissen Abständen quer in den
Strom vortreten (Querdämme). Abgesehen davon, daß die von ihnen am Kopf
erzeugten Wirbelbildungen bei mächtigen Flußläufen wie die Unterelbe keine
nennenswerte Verzehrung der lebendigen Kraft zur Folge haben, namentlich
wenn die Intervalle bis zur Höhe der Werke angefüllt werden, stellt sich deren
Herstellung im Falle der Durchdämmung großer Tiefen bedeutend billiger als
Leitdämme heraus. Letztere sind eben vollständig ausgeschlossen, wo es sich
darum handelt, mit den starken Krümmungen zugleich den stark gekrümmten
Lauf des Fahrwassers abzuflachen. In solchem Falle kann im Interesse und Er-
haltung der großen Schiffahrt nur allmählich das Fahrwasser in den neuen
flacheren Lauf gebracht werden, wozu die Querdämme die einzige Handhabe
bieten. Während ferner Leitdämme zur Beibehaltung der gewählten neuen
Regulierungslinien zwingen, also keine später etwa sich als notwendig heraus-
stellenden Anderungen in den ursprünglichen Breiten und dem horizontalen
Lauf des regulierten Stroms wegen der mit Umstoßung des ursprünglichen
Plans verbundenen unverhältnismäßig hohen Aufwendungen zulassen, geben da-
gegen die Querdimme die Möglichkeit, durch Verlängerung bzw. Verkürzung die
genannten Anderungen ohne nennenswerte Kosten herbeizuführen, sowie durch
deren Verbindung miteinander je nach den späteren Erfahrungen auch zu Leit-
dämmen zu gelangen, die namentlich in dem oberen Teil des der Tideeinwirkung
unterworfenen Stroms anzustreben sind, um eine glattere Stromführung durch
Vermeidung von Wirbelbildungen zu erhalten und dadurch für die Belebung der
Flutwelle und die Vertiefung auch in diesem Teile günstigere Verhältnisse zu
schaffen.
Wenn die genannten Maßnahmen in ihrem vollen Umfange beendet und
damit Verhältnisse geschaffen sein werden, die nach Möglichkeit dem Zweck der
Regulierung in den verschiedenen Stromstrecken dienen, so ist nach den Er-
fahrungen auf anderen Strömen auch für die Unterelbe mit der Gewißheit zu
rechnen, daß die für die Schiffahrt erforderlichen großen Tiefen unter Zuhilfe-
nahme von Baggerungen zu bilden und zu erhalten sind, was durch die ver-
tiefende Kraft der Gezeiten allein ohne Regulierung nicht möglich ist. Es ist
daher für einen Welthafen wie Hamburg eine Lebensfrage, die vorläufig bis
Brunshausen zur Ausführung gelangende Regulierung der Unterelbe so weit nach
der Mündung zu fortzusetzen, eventuell durch lokale Regulierung der
schlechten, unterhalb Brunshausen noch vorhandenen Stellen, daß