506 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1911.
der Querprofile die größte Geschwindigkeit und Kraft entwickelt wie die Ebbe.
Beide werden dann ein größeres Querprofil als in den Krümmungen, wo sie
zusammenwirken, bilden und daher geringere Tiefe besitzen,
Da die Barren hauptsächlich in den Übergangsstrecken zwischen Krüm-
mungen vorkommen und Baggerungen auf solchen Barren wenig Aussicht auf
Erfolg haben, so ist bei der Regulierung dem Strom eine solche Form zu geben,
daß die Ausläufer der tiefen Rinnen ineinander gehen auf einem Punkte, wo
die Tiefe für die Schiffahrt genügend ist, oder wenn dies nicht möglich ist, die
Enden von zwei genügend tiefen Rinnen in eine Richtung gebracht werden
(System Fargue). Daß dazwischen eine Rinne gebaggert werden kann, die in
Richtung mit Ebbe und Flut zusammenfällt, dieses wird in Hauptsache durch
nicht zu kurze und zu starke Krümmungen erreicht, deren Halbmesser sich den
natürlichen Verhältnissen des Stroms anpassen müssen.
4. Schlußfolgerungen,
Aus den vorhin entwickelten Eigenschaften der betreffenden Stromläufe
werden nun für deren Regulierung folgende allgemeine Regeln aufgestellt:
1. Es ist die schon als richtig anerkannte Trichterform anzustreben bzw.
zu erhalten,
2. Es ist die Theorie von Fargue auch auf unter dem Einfluß der Gezeiten
stehende Flußläufe‘ anzuwenden, die einen regelmäßig schlängelnden Lauf mit
flachen allmählich ineinander übergehenden Krümmungen vorsieht. Diese Ver-
fachung hat möglichst durch Anlage von Leitdiämmen mit einer Kronenhöhe
über gew. H-W. am konkaven Ufer und durch gleichzeitige Abbaggerung des
konvexen Ufers zur Vermeidung von Profileinschränkungen zu erfolgen. Wo
Leitdämme sich zu kostspielig bei großen Tiefen herausstellen, können an deren
Stelle auch Querdämme treten, deren Krone ebenfalls über H-Wss, zu legen ist.
3. Nur wenn der Zufluß von Oberwasser im Verhältnis zu der in der
Tide einströmenden Seewassermenge sehr groß ist, was bei kleineren Flußläufen
mit geringem Tidenhub an der Mündung der Fall ist, empfichlt es sich, in der
Stromstrecke, die nicht stets süßes Wasser hat, selbst bei einer gut durchgeführten
Regulierung, in den Übergängen zwischen zwei Krümmungen von entgegen-
gesetzter Richtung unter N-W. Stromwerke behufs Konzentrierung der Strömungen
auf das gewünschte Fahrwasser anzulegen, \
4. Wenn das Fahrwasser einmal gut festgelegt ist, kann nur durch
periodische Baggerungen auf den Barren eine Tiefe erhalten werden, die an-
sehnlich größer als die durch die vertiefende Kraft der Gezeitenströmungen allein
bewirkte Tiefe ist.
Zum Schluß mögen noch kurz an dieser Stelle die Methoden Erwähnung
finden, die der Regulierung der Unterweser und der in der Ausführung be-
griffenen Regulierung der Unterelbe zugrunde gelegt worden sind.
5. System auf der Unterweser.
In Abweichung von Fargue stellte Franzius für einen regulierten Strom,
in dem Gezeiten auftreten, einen möglichst geraden Lauf als erste Bedingung,
um die Fortpflanzung der Flutwelle möglichst ungehindert zu gestalten. Nach
seiner Ansicht hemmen Krümmungen zu sehr die Flutwelle, selbst schwache
Krümmungen, durch die ungleichmäßige Profile entstehen und lebendige Kraft
verloren geht. Er verteilte den Strom in ein N-W.- und ein H-W.-Bett mit trapez-
förmiger Gestalt und legte die Begrenzungen des ersteren mit der Krone auf
ungefähr NW, um auf diese Weise eine Trennung in verschiedene Rinnen zu ver-
meiden und die Strömungen auf das N-W.-Bett zu konzentrieren,
Die Erfahrungen haben.ergeben, daß die an eine solche Bauweise ge-
knüpften Ergebnisse nicht in dem erwünschten Maße eingetroffen sind und auch
nicht nach den vorangegangenen allgemeinen Betrachtungen eintreffen können.
Außerdem nimmt das sogenannte H-W.-Bett einen Anteil an der Wasserbewegung,