598 . Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1911,
bzw. 13.4 und 70.5°%%,. Dasselbe findet auch auf dem Wasserweg von Rotterdam
nach See statt,
Auf Strömen mit großen Abmessungen und sehr kräftiger Gezeiten-
bewegung, 8. g. »Estuarien«, wird die Flutwellenhöhe mit dem Eindringen auf-
wärts oft größer, die H-W.-Linie fällt dann nach See zu, die N-W.-Linie von See
ab. Es erklärt sich dies aus der ausgesprochenen Trichterform. Betrachtet
man eine bestimmte Stromstrecke kurz vor N-W,, so ist in diesem Augenblick
die Kraft des Ebbestroms bereits verringert, und da die Flutwelle sich aufwärts
bewegt, also alle Gezeitenerscheinungen an der Seeseite zuerst auftreten, so wird
die Stromgeschwindigkeit unterhalb der Strecke früher abnehmen als oberhalb.
Wenn die Profilinhalte seewärts nicht zunehmen würden, so würde das Wasser
in der Strecke zu steigen beginnen, sobald die Stromgeschwindigkeit unterhalb
kleiner als oberhalb ist, da in dem Falle der Zufluß in der Strecke den Abfluß
übertreffen würde. Infolge der Trichterform der Strecke sind Zufluß und Abfluß
erst dann gleich, wenn die Stromgeschwindigkeit oberhalb die unterhalb über-
trifft. Dies ist aber erst dann möglich, wenn das Gefälle in der Strecke der
Stromrichtung entgegengerichtet oder so gering ist, daß die stromschwächende
Wirkung der Reibung usw. die stromverstärkende Wirkung des Gefälles über-
trifft. Ist nun die Trichterform der Strecke eine derartige ausgesprochene, daß
der Unterschied in Stromstärke an beiden Enden ziemlich groß sein muß, bevor
der Abfluß an dem unteren Ende durch den Zufluß an dem oberen Ende über-
troffen wird, dann wird das Gefälle der Stromrichtung entgegengesetzt sein
müssen, bevor der N-W.-Stand in der Strecke erreicht wird. In diesem Fall
wird der N-W,-Stand an dem oberen Ende der Strecke niedriger als an
dem unteren Ende sein. In analoger Weise ist auch die Erhöhung der H-W.-
Stände mit dem Eindringen der Flutwelle aufwärts zu erklären. Daß der Strom
erst ziemlich lange nach der negativen Gestaltung des Gefälles kentert, ist der
lebendigen Kraft der bewegenden Wassermengen zuzuschreiben,
Flußläufe mit weniger kräftigen Gezeiten besitzen nicht die genannte
Form der H-W.- und N-W.-Linien, Beide sind dann in dem unteren Teil des
Flußlaufes nahezu horizontal, nehmen aufwärts ein allmählich stärker werdendes
Gefälle an, das an der oberen Grenze des Flutgebiets in das Gefälle des Oberlaufs
übergeht,
Oft hat in dem unteren Teile des Flußlaufes die H-W,-Linie ein Gefälle
von See ab, die N-W.-Linie ein Gefälle nach See zu, was gewöhnlich einer
mangelhaften, durch die Form des Flußlaufes verursachten Gezeitenbewegung
zuzuschreiben ist. Nehmen die Querprofile nach See nicht in Größe zu
oder nehmen sie ab, so hat dies zur Folge, daß sowohl bei Ebbe wie bei Flut
die Gefälle sehr groß sind.
Bei Verringerung der Stromgeschwindigkeiten in der Mündung infolge
des weniger schnellen Steigens oder Fallens des Wassers in See einige Zeit vor
Erreichung des H-W.- oder N-W.-Standes sind dann auch die Gefälle nach oder
von mehr aufwärts gelegenen Stromstrecken noch sehr stark. Die Folge davon
ist, daß das Gefälle in der Stromrichtung ebenfalls noch ziemlich groß ist, wenn
der kritische Augenblick eintritt, daß an der einen Seite ebensoviel in eine
Stromstrecke einströmt, wie an der anderen Seite ausströmt, also wenn in der
Strecke H-W. oder N-W. ist. In solchem Falle muß die H-W.-Linie von See ab
und die N-W,-Linie nach See zu fallen. Diesen Zustand findet man u. a. in dem
unteren Teil des neuen Wasserweges von Rotterdam nach See,
4, Bestimmung der aufgenommenen Tidewassermenge,
Zur Beurteilung der erzielten Verbesserung der Gezeitenbewegung oder
zur Untersuchung der größeren oder geringeren Standfestigkeit der Gezeiten-
bewegung empfiehlt es sich, die Wasserbewegung von Zeit zu Zeit möglichst
genau zu messen, wozu zwei Wege offen stehen. Entweder mißt man in einem
bestimmten Profil nahe der Mündung während einer ganzen Tide jede viertel-,
halbe- oder ganze Stunde die Stromgeschwindigkeit und den Wasserstand oder
man benutzt die Gezeitenlinien einer Anzahl Punkte längs des Flußlaufes und die