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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Oberflächentemperatur des nordwestafrikanischen Auftriebgebietes, 595 
Messageries Maritimes (leider sagt er nicht, für welche Jahre) als Februarmittel 
für Kap‘ Blanco 15.5° an, also noch 1° weniger, als wir jetzt gefunden haben, 
Da Hautreuxs Beobachtungen wahrscheinlich sich auch auf die letzten Jahre 
beziehen, so ergäbe sich eine Verminderung der Oberflächentemperatur in der 
Umgebung von Kap Blanco in den letzten Jahren gegenüber den früheren Beob- 
achtungen. Der Unterschied in den Angaben des Atlasses des Atlantischen 
Ozeans wird aber vermutlich dadurch zustande kommen, daß die dort benutzten 
Beobachtungen nicht so nahe der Küste lagen, wie es bei den neueren der Fall 
ist, und wir haben ja gesehen, daß von der Küste nach See zu die Temperatur 
rasch ansteigt. A. C. R. 
Eigenschaften unter dem Einflusse der Gezeiten stehender Flußläufe 
und deren Regulierung im Interesse der großen Schiffahrt. 
Bezüglich der Verbesserung unter dem Einflusse der Gezeiten stehender 
Flußläufe für die Schiffahrt bestehen noch immer entgegengesetzte Ansichten. 
Theorie und Erfahrungen vermögen eine genügende Antwort auf die Frage, 
welche dieser Ansichten die richtige ist, nicht zu geben. Viele dabei auftretende 
Probleme können nur auf empirischem Wege gelöst werden, weshalb auch jeder 
Beitrag zur Erweiterung der Kenntnis dieser Flußläufe und der Mittel zu deren 
Verbesserung im Interesse der Schiffahrt willkommen zu nennen ist. Dazu ge- 
hören auch die von J. J. Canter Cremers in den Verhandlungen des Königlichen 
Instituts der Ingenieure der Niederlande von 1911, I. Liefg., veröffentlichten Er- 
gebnisse seiner langjährigen Studien, die teilweise neue Grundsätze aufstellen. 
Indem dieselben dem Urteil der Sachverständigen hiermit unterworfen werden, 
gibt deren Widergabe zugleich Gelegenheit, durch eigene Erfahrungen und Beob- 
achtungen bei der in der Ausführung begriffenen Regulierung der Unterelbe 
weiteres Material zu liefern und dadurch die Ergebnisse zu vervollständigen. 
I. Fortpflanzung der Flutwelle in einem Flußlaufe. 
‘1. Tidewassermenge, 
Je größer die aus See aufgenommene und 
durch den Abfluß des Oberwassers vermehrte Tide- 
wassermenge ist, desto größer sind die Strom- 
geschwindigkeiten, die die Vertiefung verursachen 
und die Tiefen erhalten. Es kommt daher in erster 
Linie darauf an, diese Wassermenge möglichst groß 
zu gestalten, indem man dem Eintritt der Flutwelle 
in den Flußlauf und der weiteren Aufwärtsbewegung 
der Flutwelle alle‘ Hindernisse fortnimmt und damit 
zugleich die obere Flutgrenze weiter aufwärts ver- 
schiebt. 
Die Wassermenge ist von der Höhe der Gezeiten 
und von der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Flut- 
welle abhängig. Der Einfluß der letzteren ist in sehr 
anschaulicher Weise aus Fig. 1 zu ersehen, in der für 
verschiedene Beobachtungspunkte zwei Gezeitenlinien 
gezeichnet sind, die für ein und denselben Punkt 
vollkommen gleich sind, jedoch verschiedene Fort- 
pflanzungsgeschwindigkeiten besitzen. Konstruiert 
man nun die Gefällinien in den Augenblicken des Kenterns von Ebbe auf Flut 
und umgekehrt in dem am meisten seewärts gelegenen Profil unter der Annahme, 
daß dieses Kentern in beiden Fällen in demselben Zeitpunkt erfolgt, so ist die 
zwischen den Gefällinien eingeschlossene Wassermenge in beiden Fällen gleich 
der aus See gekommenen Tidewassermenge, vermehrt mit dem während der Flut-
	        
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