Neuere Veröffentlichungen.
17
)
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Krümmel, O.: Handbuch der Ozeanographie. Bd. II: Die Bewegungsformen
des Meeres (Wellen, Gezeiten, Strömungen). Mit 182 Abbildungen im
Text. Zweite, vollständig neu bearbeitete und wesentlich er-
weiterte Auflage, XVI u. 766 S. Gr. 8% Stuttgart 1911. J. Engelhorns
Nachf. Preis broschiert 32 A.)
{m Jahre 1907 erschien der I. Band des berühmten Handbuches in zweiter Auflage, völlig
neu durch den Kieler Meeresforscher bearbeitet; dieser I. Band, der die räumlichen, physikalischen
und chemischen Verhältnisse des Meeres behandelt, wurde in dieser Zeitschrift 1907 S. 325ff. be-
sprochen, Es ist hoch erfreulich, feststellen zu können, daß das viel begehrte Werk nach verhältnis-
mäßig kurzer Frist durch den immensen Fleiß des Autors vollständig geworden ist, indem nun auch
der zweite Band in neuer Auflage vorliegt. Der II. Band ist erheblich — um 240 Seiten — umfang-
reicher als der I. Band, und so muß der vergleichsweise hohe Preis wohl hingenommen werden, Die
früher dem II. Band beiliegende Karte der Meeresströmungen konnte wegbleiben, da jetzt genug
brauchbare Karten dafür in Atlanten sich finden; die Zahl der Textfiguren ist stark vermehrt.
Die ersten 200 Druckseiten (Kapitel I) gelten den Wellenz es sind dabei in den einzelnen
Abschnitten neben den theoretischen, mathematischen Ableitungen stets auch die geographisch wichtigen
Beobachtungstatsachen und Folgerungen hervorgehoben; So wurde ein besonderer Abschnitt den Um-
formungen der Wellen am Strand, also den Sturzseen, der Brandung und Abrasion gewidmet, Bei
den Wellendimensionen finden wir die neuen Messungen von Gassenmeyer berücksichtigt; gegen
Laas’ etwas radikales Urteil über den Wert oder‘ Unwert der sogenannten Trochoidentheorie wendet
sich Krümmel und hebt Kohlschütters an die Arbeiten S. M. S. »Planet« anschließenden Stand-
punkt als den zurzeit wohl angemessensten hervor. Ausführliche Erörterungen über die Abhängigkeit
der Wellen vom Wind folgen; Krümmel gelangt zum Ergebnis, daß die Wellen je nach ihrem Ent-
wicklungsstadium bald schneller, bald langsamer als der Wind sein können (S. 82); das Verhältnis
von Wind- zu Wellengeschwindigkeit sei also nicht konstant. In dem Kapitel »Seismische Wogen«
nimmt Krümmel zum Unterschied von Rudolph an, daß die durch tektonische Beben hervor-
gerufenen Dislokationswellen ungleich häufiger seien als die durch unterseeische Vulkanausbrüche ver-
ursachten Wellen; die meisten der an sich häufigen und verheerenden Seebebenwellen seien durch
Erdbeben hervorgerufen, im Pazifischen Ozean wohl hauptsächlich durch solche an den Rändern der
Tiefseegräben.
In dem wesentlich umgestalteten und vermehrten Abschnitt über die stehenden Wellen ver-
langt besonderes Interesse der Nachweis des häufigen Auftretens dieser Erscheinung auch an den
ozeanischen Küsten, Das gleiche gilt vom neunten ganz neuen Abschnitt über die internen Wellen,
deren weite Verbreitung wir bloß erst ahnen; ihrer im Anschluß an Helmholtzsche Forschungen
geglückten Aufspürung in der Atmosphäre folgt jetzt allmählich auch die Meeresforschung. Ganz ab-
gesehen von der in der Schiffahrt beachteten und zu den stehenden Wellen gehörigen Erscheinung
es Totwassers, wird man in der Tat gut tun, bei manchen, zunächst rätselhaften Schwankungen von
verschieden dichten Wasserschichten in vertikalem Sinne nicht gleich an Fehler oder unregelmäßige
Störungen durch Strömungen zu denken, sondern zuzusehen, ob interne Wellen von sehr großer Periode,
gewaltiger Wellenlänge und geringer Geschwindigkeit vielleicht vorliegen. Die überraschenden Be-
obachtungsergebnisse Petterssons inı Gullmar Fjord und im Großen Belt sind in dieser Hinsicht
wohl nur ein allererster Anfang zu Beobachtungen, die vielleicht auch einmal in offener See — ich denke
an gewisse tropische Gebiete, z. B. in den obersten 100 m des Guineastromes -— derartige interne
Seiches erkennen lassen werden.
So gewinnt schon in diesem ganzen umfangreichen ersten Kapitel über die Wellen des Ozeans
der Autor unsere volle Aufmerksamkeit, da er nicht bloß neue Tatsachen. sondern auch neue An-
regungen bringt. ;-
„Im Kapitel II wurden die Gezeiten behandelt, und zwar gibt der Verfasser darin zunächst
einen Überblick über die Erscheinungen, daran schließt sich die Wasserstandmessung durch Pegel, die
Theorie der Gezeiten, enthaltend eine kurze Darstellung a) der Gleichgewichtstheorie, b) der dynamischen
Theorien. von Laplace, Young und Whewell, c) der Wellen- oder Kanaltheorie von Airy und
ihre Ergänzung durch Boergen und Kelvin und d) der Auffassung der Gezeiten als stehende Wellen
von Ferrei und Harris. Ein weiterer Abschnitt behandelt die harmonische Analyse der Gezeiten.
Es folgen dann die Gezeitenströmungen, die Flußgeschwelle und die Anordnung der Gezeiten im
einzelnen, d. h. die Gezeitenerscheinungen des atlantischen, des indischen und des pazifischen Gebietes
werden eingehend beschrieben. Mit einem Rückblick schließt das Kapitel.
In den aufgeführten Abschnitten ist wohl alles, was bisher auf dem Gebiete der Gezeiten er-
forscht worden ist, mit großer Sorgfalt zusammengetragen und kritisch verarbeitet worden. Es ist
nicht möglich, hier auf den Inhalt der einzelnen Abschnitte näher einzugehen. Man kann sich nur
darauf beschränken, auf besonders wichtige Teile, die auch für den Seemann von Bedeutung sein
dürften, aufmerksam zu machen. So sind in diesem Kapitel die hauptsächlichsten Ergebnisse der
Gezeitenbearbeitungen der wichtigsten Häfen nicht nur in einer für den Gebrauch sehr zweckmäßigen
1) Die Besprechung des Kapitels II (die Gezeiten) hat Herr Prof, Stück beigesteuert; das
übrige stammt aus der Feder des Herrn Prof. Schott. Die Red.