48 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1911,
Abstande, weil es sich nur in geringer Höhe über Wasser erhebt und vor ihm
auch noch in !/, Sm Entfernung davon Brandung gesehen wurde.
Die Küste steigt vom Kap nach Süden hin zunächst allmählich an, senkt
sich weiterhin aber bald wieder und bildet dann auf einer Strecke von etwa
2 Sm einen niedrigen, weißen Strand. Darauf steigt sie allmählich wieder an.
Zuerst besteht sie dort aus felsigem Gestein, weiterhin aber in gleichmäßiger
Höhe südwärts verlaufend, aus rötlichem Sand.
Kap Misrata und Ras Lorug vom Ankerplatze aus gesehen,
>
g
WF” z
>
1. Marabut mw, SWZW1,W. 2. Palmenhain. 3. Weißer Strand. 4. Haus mit Flaggenstange mw. NW 14 W.
5. Kap Misrata mw. NW14N.
Nach der Umsteuerung des Kaps Misrata wird man hinter dem erwähnten
weißen Strande einen dichten Palmenhain sehen, der sich ganz hinter der
niedrigen Küste entlang ausdehnt, und nördlich davon am Fuße eines Hügels
zwei niedrige, weiße Häuser. Das eine Haus ist mit einem Schutzdache ver-
sehen und trägt eine Flaggenstange mit der türkischen Flagge wehend.
Einegute Ansteuerungsmarke bildet ein weißes Marabut (Grabdenkmal),
das einsam auf der felsigen Anhöhe steht, wo im Süden der Palmenhain endigt.
Der Landungsplatz befindet sich bei den weißen, niedrigen Häusern, Dort
liegen auch die Boote, mit denen die Ladung an Bord gebracht wird. D. »Achaia«
lag etwa 1.5 Sm vom Lande entfernt auf 6 Fad. (11 m) Wassertiefe in den
Peilungen: Marabut mw. SWzW1/,W, Haus mit Flaggenstange mw. NW !/„W, Kap
Misrata mw. NW1,N. Es wurden von 8% V bis 12b mittags trotz ziemlich hoher
nördlicher Dünung 1234 Schafe übergenommen,
3, Gezeitenverhältnisse im Bismarck-Archipel. Nach Bericht S. M.5S.
‚Planet«, Komdt. K-Kapt. Dominik.
Das vorliegende Material ist noch zu spärlich, um ein endgültiges Urteil
über die Gezeitenerscheinungen abgeben zu können, zumal der Registrierpegel
in Kieta infolge von Störungen nur wenige, unzusammenhängende Angaben ge-
liefert hat. Doch lassen sich in Verbindung mit den vorjährigen Beobachtungen
schon einige Schlüsse ziehen. Um möglichst bald zu einem endgültigen Urteil
zu gelangen, werden außer in Kieta, noch in Buin, Namatanai, Kaewieng und
Djaul von Regierungsbeamten und Pflanzern an von S. M.5S. »Planet« in den
drei Monaten errichteten Lattenpegeln Pegelbeobachtungen angestellt.
Im ganzen östlichen Teil des Archipels sind halbtägige Tiden die Regel,
die nur vorübergehend von eintägigen unterbrochen werden. Rein halbtägige
Gezeiten sind nirgends zu verzeichnen, Die eintägige Zwischenperiode tritt in
der Hauptsache nach dem ersten bzw. letzten Mondviertel ein, und zwar ein
bis zwei Tage später. Zur Neu- bzw. Vollmondszeit ist die Gezeit wieder halb-
tägig. Die Beobachtungen in Buin scheinen dieser Annahme zu widersprechen.
Hier wurden im Januar, zur Zeit des ersten Viertels, halbtägige Tiden ver-
zeichnet, während zur Zeit des Neumonds die Gezeiten eintägig waren. Letztere
neigten jedoch deutlich zur halbtägigen Periode mit dem Bestreben, neben dem
höchsten Hochwasser ein kleines Teilhochwasser zu bilden. Dagegen ergaben
die Beobachtungen im Monat Februar 1910 eine ausgesprochen halbtägige Gezeit
bei Neumond. Inwieweit hier Beobachtungsfehler (die Beobachtungen seit dem
16. Januar 1910 stammen von dem dort ansässigen Händler) und lokale Störungen
vorliegen, müssen die Beobachtungen der Folgezeit lehren.
Das Ergebnis der vorjährigen Beobachtungen, daß die Eintrittszeit des
höchsten Hochwassers bei südlicher Deklination der Sonne zwischen 2% und 6% N
liegt, erscheint bestätigt. 1 bis 2 Tage vor dem Eintritt der eintägigen Gezeit
nimmt jedoch die Höhe des Nachmittags-Hochwassers beträchtlich ab, um all-