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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Die Witterung und phänologischen Erscheinungen zu Tsingtau im Jahre Dez, 1909 bis Nov. 1910. 555 
November 1910. Am auffallendsten unter den Witterungserscheinungen 
des vergangenen Monats war die Häufigkeit schwerer und anhaltender Stürme, 
sowie die ungewöhnliche Höhe der Niederschläge. 
Bei vorherrschend hohem Luftdruck über dem Innern und den nördlichen 
Küstenländern durchzogen Mittelchina mehrfach Tiefdruckgebiete, welche von 
heftigen Stürmen begleitet waren, Die erste dieser Depressionen erschien am 
7. in dem Gebiet zwischen Mittellauf des Yangtse und dem Tale des Hoangho. 
Sie erreichte am 8. die Küste, bog etwas mehr nach Nordosten ab und zog in 
den folgenden Tagen unter rascher Zunahme ihrer Tiefe über das Gelbe Meer 
und Korea fort. In ihrem Bereich herrschten während dieser Zeit überall 
schwere Stürme, welche von starken Niederschlägen begleitet waren. In einzelnen 
Böen war der Sturm von orkanartiger Stärke und erreichte während mehrerer 
Stunden die Stärke der Beaufort-Skala 10 und darüber, In den die Kiautschou- 
Bucht umgrenzenden Bergen war der Niederschlag in Schneeform niederge- 
gangen, und den. Bewohnern Tsingtaus bot sich in den nachfolgenden Tagen 
das für diese Zeit ungewohnte Bild schneebedeckter Höhen. 
Infolge dieses Unwetters sind in verschiedenen Küstenplätzen teilweise 
erhebliche Verluste an Material und an Menschenleben zu beklagen. Namentlich 
haben die kleineren chinesischen Fahrzeuge unter der Macht des Sturmes zu 
leiden gehabt. Auch an den in See befindlichen Schiffen ist das Unwetter nicht 
spurlos vorübergegangen, wie aus einzelnen Zeitungsnachrichten hervorgeht. In 
dem gut geschützten Hafen von Tsingtau ist der angerichtete Schaden nur 
gering, wogegen das benachbarte Tschifu besonders schwer zu leiden hatte. 
Nach kurzer Ruhe am 11. begann in der Nacht zum 12. bereits ein neuer 
Sturm aus nordwestlicher Richtung einzusetzen, Eine Depression geringen 
Durchmessers war von Westen kommend mit großer Geschwindigkeit über den 
Golf von Petschili hinweggezogen und lag am Morgen des 12. bereits im Norden 
Koreas, Dieser Sturm war jedoch nur von kurzer Dauer, flache Depressionen 
hatten sich über dem mittleren China ausgebreitet und beherrschten bis zum 
15. die Wetterlage. Bei schwachen, meist südöstlichen Winden war nach der 
starken Abkühlung der vorhergehenden Tage wieder eine rasche Zunahme der 
Temperatur zu verzeichnen. Eine Anderung brachte der 16. Das Hochdruck- 
gebiet des Innern begann sich zu ungewöhnlicher Höhe zu entwickeln und ver- 
ursachte in Wechselwirkung mit dem nach Osten abgezogenen Gebiet niederen 
Drucks von neuem stürmische nordwestliche Winde, welche mit unverminderter 
Heftigkeit bis zum 18, andauerten. Unter der Einwirkung dieser kalten Winde 
ging die Temperatur stark zurück, sie erreichte am 16. und 17. mit —4.4° den 
niedrigsten Stand des Monats. Mit dem 19. setzte eine Periode ruhigerer Tage 
ein, die bis zum 28, andauerte, Leichte, wechselnde Winde in schwacher Stärke 
und mildes warmes Wetter waren vorherrschend. Einen neuen Umschlag in der 
Witterung führte der 28. herbei. An diesem Tage erschien eine Depression im 
oberen Yangtse-Tal, welche in den folgenden Tagen ihren Einfluß bis über die 
Küste hin ausdehnte und regnerisches Wetter und auffrischende nördliche Winde 
im Gefolge hatte. In Verbindung mit dem nachdrängenden Gebiet höheren 
Drucks verursachte die Depression am 30. wiederum Stürme aus nördlicher 
Richtung, welche auch im Beginn des neuen Monats noch anhielten. 
In dem Verlauf der Tagestemperaturen zeigten sich, entsprechend dem 
häufigen Wechsel zwischen ruhigen und stürmischen Tagen, anhaltendes und 
starkes Schwanken zwischen Steigen und Fallen; warme und kalte Witterung 
wechselten in rascher Folge. Die Tage vom 16. bis 19. zeichneten sich durch 
ungewöhnlich niedrige Temperaturen aus. Das Monatsmittel lag mit 7.8° um 0.5° 
unter dem Mittel aus 10 Jahren. Das absolute Maximum trat am 6. bei 21.0°, 
das absolute Minimum am 16. und 17, bei —4.4° ein; die Mittelwerte der 
Extreme sind 11,8° und 3.9°, In ihrem Gange von Tag zu Tag traten in der 
Temperatur mehrfach ungewöhnlich heftige Stürze auf, denen nur vereinzelte 
rasche Zunahmen gegenüberstehen. Am 8. betrug die Tagesschwankung der 
Temperatur 17.0°, an weiteren 6 Tagen betrug diese Differenz mehr als 10°, 
Die aus den Änderungen der Temperatur für die einzelnen Termine berechnete
	        
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