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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

550 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1911. 
normalen Wert, wogegen das mittlere Minimum mit 5.9° um 1.1° unter diesem 
zurückblieb. Die hieraus berechnete, um 1.0° zu hohe Temperaturschwankung 
kennzeichnet ebenfalls den mehr winterlichen Witterungscharakter der Frühlings- 
monate, In den übrigen Elementen zeigten sich nur geringe Abweichungen von 
den aus zehnjährigen Beobachtungen berechneten Mittelwerten. 
Juni 1910. Sehr ungewöhnliche Witterungserscheinungen brachte der 
Juni dem Schutzgebiet Kiautschou und, soweit sich aus den täglichen Wetter- 
karten und sonstigen Nachrichten erkennen läßt, dem Hinterlande der Provinz 
Shantung. Besonders auffallend unter diesen Erscheinungen war die lange Dauer 
und große Menge des Niederschlages sowie die niedrige Temperatur. 
Da die allgemeinen Witterungsverhältnisse in den Sommermonaten nur 
geringe Schwankungen um die Mittelwerte mehrjähriger Beobachtungen aus- 
zuführen pflegen und sich an der Küste in bezug auf Gleichmäßigkeit mehr dem 
tropischen Seeklima nähern, sind kleine Abweichungen von dem mittleren 
Witterungsverlauf von ungleich höherer Bedeutung als die großen Schwankungen 
der Wintermonate. Die Ursachen des Auftretens solcher Erscheinungen sowie 
ihrer ungewöhnlich langen Dauer sind meist für beide insofern die gleichen, als 
eine länger anhaltende Vorbedingung für das Auftreten bestimmter Erscheinungen 
auch eine Steigerung dieser zu größerer Stärke bedeutet, 
Für das Auftreten der trüben und kühlen Witterung im Monat Juni war 
charakteristisch die große Ausdehnung und wenig veränderte Lage der über dem 
Innern lagernden Tiefdruckgebiete, In diesen entwickelten sich eine größere 
Anzahl von Depressionen, welche in rascher Folge nördlich und südlich von 
Tsingtau ostwärts vorüberzogen und häufige ergiebige Regenfälle sowie aus- 
gebreitete Nebel herbeiführten. Die Winde erreichten im Bereiche solcher De- 
pressionen mehrfach Sturmstärke, die Temperatur war infolge der andauernd 
hohen Bewölkung sehr niedrig, 
Die Morgentemperaturen lagen im allgemeinen nahe um eine nur wenig 
veränderte Mittellage. Die mittlere Tagestemperatur blieb mit 18.8° um 1.1° 
unter ihrem normalen Wert. Das Maximum der Temperatur trat am 6. bei 27.2°, 
das Minimum am 4. bei 15.2° ein; doch ging auch in der zweiten und der letzten 
Dekade das Minimum der Temperatur mehrfach unter 16.0° herab. Die Mittel- 
werte der Extreme sind 22.1° und 16.3°, gegen 23.9° und 17.6° aus 10-jährigen 
Beobachtungen. Als Sommertage kennzeichneten sich 3 gegen 11.1 als Durch- 
schnitt. Die mittlere Veränderlichkeit der Temperatur von Tag zu Tag nach den 
Beobachtungen der drei Termine war mit 1.,8° am größten mittags, mit 1,2° bzw. 
1.3° am kleinsten morgens und abends. 
Bei einer mittleren Bewölkung von 6.5 Zehnteln kamen keine heiteren 
und 10 trübe Tage zur Auszählung. Der Sonnenschein-Autograph registrierte 
181.2 Stunden gleich 42 %, der möglichen Dauer, die sich mit 91.7 Stunden auf 
die erste, 32.7 Stunden auf die zweite und 56.9 Stunden auf die letzte Dekade 
verteilten. Nebel wurde an 9 Tagen beobachtet, Ein stärkeres Gewitter kam in 
der Nacht vom 2. zum 3. zum Ausbruch, Ein kalter Schlag fuhr hierbei in ein 
Haus der Stadt und beschädigte das Dach, ohne jedoch größere Zerstörungen 
anzurichten. Ein schwächeres Gewitter trat am 12, ein, 
Die Gesamtmenge des gefallenen Regens überstieg mit 172.9 mm die bisher 
im Juni als größte Menge gemessene Höhe von 121.3 mm im Jahre 1904 um 
51.6 mm. Die mittlere Regenhöhe für den Monat, berechnet aus den Messungen 
von 10 Jahren, beträgt 68.6 mm. Rechnet man die Dauer des Regentages von 
7h morgens bis 7h morgens, so ergeben sich 14 Regentage gegen 8.8 Tage als 
Durchschnittszahl. An 3 Tagen fielen besonders ergiebige, die Höhe von 20.0 mm 
übersteigende Regenmengen, deren höchste 45.7 mm betrug. 
Die Winde wehten entsprechend der allgemeinen Druckverteilung vor- 
wiegend aus südöstlichen Richtungen in leichter bis frischer Stärke. Eine 
durchschnittliche Windgeschwindigkeit von > 13.0 m p. Sek. während einer Stunde 
wurde nur am 18, von Mittag bis 1}*N bei Nordnordwestwind, solche von 10.0 
bis 12.9 m pp. Sek, an 8 weiteren Tagen erreicht, nämlich am 2, 3, 12., 17. und
	        
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