Die Witterung und phänologischen Erscheinungen zu Tsingtau im Jahre Dez, 1909 bis Nov. 1910, 541
Die Witterung und die phänologischen Erscheinungen zu Tsingtau in dem
Jahre vom Dezember 1909 bis zum November 1910.
Gemäß den Berichten des Kaiserlichen Observatoriums und des Forstamts des Gouvernements Kiautschou.!)
Die Tabellen geben eine Zusammenstellung der meteorologischen Beob-
achtungen von Tsingtau für die Monatsdrittel, die ganzen Monate, die Jahreszeiten
und das ganze Jahr vom Dezember 1909 bis November 1910. (Die Berechnung
der »Allgemeinen Luftbewegung« für die einzelnen Zeitabschnitte ist unter Zu-
grundelegung der Windbeobachtungen an den drei Terminen eines jeden Tages
— vgl. »Ann. d, Hydr. usw.« 1900, S. 63 — auf der Deutschen Seewarte eingefügt
worden, desgl. der Bericht über das Jahr.)
Dezember 1909. Unter den Witterungserscheinungen des vergangenen
Dezember tritt besonders hervor die ungewöhnliche und anhaltende Kälte sowie
lie große Zahl der heiteren Tage, Bei fast andauernd hohem Luftdruck über
dem mittleren und nördlichen China- bot die allgemeine Wetterlage nur wenig
Abwechslung. Mehrfach zogen im Norden Depressionen .vorüber, welche in
Wechselwirkung mit dem nachdrängenden Hochdruckgebiet in ihrem Bereich
stürmische nordwestliche Winde verursachten. Unter der Einwirkung dieser
kalten, aus dem Innern des Kontinents kommenden Luftströmungen sowie der
die Wärmeausstrahlung begünstigenden klaren Nächte blieb die Temperatur meist
sehr niedrig. Ende des Monats gelangte Tsingtau in den Bereich einer das
Yangtse-Tal abwärts ziehenden Depression, welche zunächst leichtere südöstliche
Winde verursachte und bei ihrem weiteren Fortziehen nach Osten ergiebige
Regenfälle herbeiführte. Die Temperatur stieg in diesen Tagen unter dem Einfluß
der wärmeren Seewinde sogleich erheblich,
Die Mittelwerte der höchsten und niedrigsten Temperaturen sowie die der
einzelnen Termine lagen ganz erheblich unter den normalen Werten aus den
Beobachtungen von 10 Jahren. Das absolute Minimum erreichte mit —10.0° am
13. den niedrigsten bisher im Dezember beobachteten Stand; auch das absolute
Maximum der Temperatur blieb mit 13.0° am 4. um 0.3° unter dem normalen
Stand. Die Mittelwerte der Extreme waren 4.1° und —3.2°. An 22 Tagen (Frost-
tagen) ging das Minimum der Temperatur unter 0°, und an 9 von ihnen (Eis-
tagen) blieb auch das Maximum unter 0°. Die aus den Beobachtungen der drei
Termine berechnete Veränderlichkeit der Temperatur war am größten in den
Morgenstunden (3,5°), mittags und abends betrug sie 3.0° und 2.6°.
Bei einer mittleren Bewölkung von 3.5 Zehnteln kamen 17 heitere und
5 trübe Tage zur Auszählung. Sonnenschein wurde 157.4 Stunden, gleich 52%,
der möglichen Dauer, registriert,
An 7 Niederschlagstagen ging eine Regenmenge von 18.9 mm Höhe nieder.
Meßbare Mengen des Niederschlags fielen jedoch nur an 3 Tagen. Vereinzelt
führten die stürmischen Winde, welche auf der Rückseite der im Norden vor-
überziehenden Depressionen auftraten, ganz leichte unmeßbare Schneemengen
mit sich. Unter dem Einfluß der andauernden nördlichen Winde ging der
Feuchtigkeitsgehalt der Luft stark zurück; bei einer mittleren Dampfspannung
von 3.3 mm betrug die relative Feuchtigkeit im Mittel nur 64°.
Entsprechend der allgemeinen Luftdruckverteilung waren die Winde aus
nördlichen Richtungen an Häufigkeit sowohl als auch an Stärke bei weitem
überwiegend. Als Sturmtage, an welchen während mindestens einer Stunde eine
Durchschnittsgeschwindigkeit des Windes von 13.0 m p. Sek, erreicht oder über-
schritten wurde, kennzeichneten sich der 8,, 22., 23, und 31.; an weiteren 6 Tagen
— am 1,, 4, 5., 9., 13. und 15. — wurde die volle Sturmstärke nahezu erreicht,
ad. h. während mindestens einer Stunde eine Windgeschwindigkeit von 10 bis
12.9 m p. Sek, Bemerkenswert unter diesen stürmischen Winden sind diejenigen
vom 13, und 22. durch die Mitführung größerer Sandmengen.
Auf dem Iltisberg waren die Stauweiher während des ganzen Monats mit
Eis bedeckt, dessen Dicke um die Mitte des Monats etwa 10 cm betrug. In das
Erdreich war der Frost bis zu 15cm eingedrungen. Starker Reif wurde morgens
am 27, beobachtet. Ein Sandsturm herrschte am 4, nachmittags.
) Bericht des Forstamts ist bisher nur für den Herbst eingegangen.