Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1911,
schnell, daß sie schon in 2”in auffällt und fast zu einer rohen Zeitbestimmung
dienen könnte.
Vorausberechnet werden die Minima als »heliozentrische«, d, h. für einen
auf der Sonne stehenden Beobachter. Nur für einen solchen nämlich verläuft
das Phänomen so wie auf dem fernen Gestirn selbst, indem sich nur alle Einzel-
heiten um die dem Abstande entsprechende Lichtzeit von manchmal vielen Jahren
verspäten, wobei noch, wenn dieser Abstand infolge der Eigenbewegungen gleich-
mäßig ab- oder zunimmt, die Periode etwas verkürzt oder verlängert wird, Für
den Erdenbewohner kommt dagegen eine Schwankung in das Phänomen, indem
ihr Abstand vom Stern in einer Periode, die gleich dem siderischen Jahre ist,
sich etwas ändert. Der Beobachter selbst hat damit kaum zu schaffen, nur der
Berechner. Die größte Verfrühung oder Verspätung gegen das heliozentrische
Minimum beträgt etwa 500%, da sie gleich der Zeit ist, in der das Licht von
der Sonne zur Erde kommt. Doch wird dieser Betrag nur bei Ekliptikalsternen
erreicht; bei Sternen in der Nähe des Ekliptikalpoles, z. B. im Cepheus, die der
Erde immer ungefähr ebenso nahe stehen wie der Sonne, ist die Korrektion zu
vernachlässigen.
Wir haben soeben von einem Verfinsterungsvorgang gesprochen, und in
der Tat ist nachgewiesen, daß bei den Algol-Sternen ein solcher vorliegt, indem
ein heller Stern von einem lichtschwächeren oder schwarzen Satelliten umkreist
und periodisch verfinstert wird. Ahnlich ist es in der 4. Klasse der Veränder-
lichkeit, wo sich aber die geometrische Ursache noch mit physikalischen zu-
sammensetzt und verwickeltere Erscheinungen hervorruft. Noch weniger einfach
ist es um die Vorgänge bei den drei ersten Klassen bestellt. An dieser Stelle,
wo es sich nur darum handelt, eine Anleitung zum Beobachten zu geben, können
die Erklärungsversuche, die uns sofort mitten in die interessantesten Fragen
der Astrophysik bringen, nur angedeutet werden. Dieser Zusammenhang mit so
bedeutungsvollen Fragen ist es aber auch, der den Wunsch rechtfertigt, daß
möglichst viele Beobachter Material aufsammeln. Gern ist der Verfasser dieses
Aufsatzes bereit, Anfragen, die durch die Seewarte, die Vereinigung von Freunden
der Astronomie oder auch unmittelbar an ihn gelangen, zu beantworten. — Wir
geben zum Schluß den Auszug aus einem Beobachtungsjournal, indem wir noch
folgenden, vielleicht nicht unwichtigen Rat erteilen: Man führe ehronologisch
Buch, d. h. man trage die Beobachtungen eines Abends alle nacheinander auf
derselben Seite des Buches ein. Später, bei Tage oder schlechtem Wetter, oder
wenn ein bestimmter Veränderlicher in Konjunktion mit der Sonne ist, kann
man die auf ihn bezüglichen Beobachtungen ausziehen und, etwa wie folgt, zu-
sammenstellen:
ß Lyrae.
Vergleichsterne: y&un Lyrae; u’ = u Lyrac; uo = #0 Hereulis.
Instrument X.
M. Zeit
Münster
Stufenschätzung
Himmel
M. Zeit
Münster
Stufenschätzung
Himmel
1907 h m
126 6 568 2*WD
3 30 15 36.2 2
4 12 11 25.6 2%
120 9 5.2 2DW
5 4 9524 2
5 7 9 24 2D
5 10 10 57.6 2*
5 11 10 18.7 2D
5 12 7 34.9 2M
519 9 13.6 2,5
528 9268 , ; 2M,
Hier ist Münster fast immer der Beobachtungsort gewesen, so daß die
Wahl der Ortszeit an Stelle der Einheitszeit gerechtfertigt war.
1907 h m
65 7 9 485
6 811 29.6
6 9 10 10.4
511 9353
512 9 44.0
617 9 49.85
731111 05
713 927,9
; 20 10 54
424 10 17
26 10 5.6
Beobachtung sicher. 2) Original w statt wu’. % Haarrauch in der Luft,