Plassmann, J.: Beobachtung veränderlicher Sterne auf See.
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beirren zu lassen, das Fernrohr hin- und herbewegt. Man achte hierbei auch
darauf, daß die Sterne scharf eingestellt werden, was sich am besten durch Aus-
probieren am Monde oder an einem der zahlreichen für kleine Instrumente auf-
lösbaren Sternpaare erproben läßt, die in den mehrgenannten Kartenwerken als
solche verzeichnet sind. Sogenannte extrafokale Schätzungen, wo die Sterne als
Scheiben erscheinen, darf man nur nach längerer Übung machen. Ferner bringe
man immer den anzuvisierenden Stern genau mitten in das Feld, besonders wenn
man mit dem holländischen Fernrohr arbeitet, wo die Bildstärke am Rande sehr
viel geringer ist als in der Mitte. Manchmal ist man allerdings stark versucht,
einen Veränderlichen der Peripherie des Feldes nahezubringen, etwa weil in
seiner. Nähe ein sehr viel helleres Gestirn steht, das ein ruhiges Auffassen der
Helligkeit des schwachen Objektes fast unmöglich macht. Dann sollte man es
aber mit dem Vergleichstern ebenso machen, d, h. ihn beim Anvisieren auf
dieselbe Stelle der Netzhaut zu bringen suchen.
Erscheinen bei fortgesetzter aufmerksamer Vergleichung zwei Sterne a
und & durchaus gleich hell, oder macht höchstens in steter Abwechslung der
eine und der andere den stärkeren Eindruck auf das Auge, so schreibt man ab,
oder ba, oder a = b. Überzeugt man sich jedoch bei aufmerksamer Vergleichung,
daß @ kaum merklich heller ist als b, so daß die Tatsache eines bestehenden
Unterschiedes noch eben mit Sicherheit auszusprechen ist, so sagt man a 7b, d.h.
a ist eine Stufe heller als db, im umgekehrten Falle bb 7a.‘
Läßt sich eine Feststellung solcher Art mit etwas größerer Bestimmtheit
machen, indem der Unterschied über die Grenze des eben Merkbaren hinausgeht,
so redet man von 2 Stufen und schreibt a2b oder andernfalls b2a. Und wenn
der noch immer kleine Unterschied der Helligkeiten doch auf den ersten Blick
erkannt wird, sagt man a3, a ist drei Stufen heller als db. Bei etwas größeren
Unterschieden gibt man 4, 5 oder 6 Stufen an.
So roh und unmathematisch dieses Verfahren auf den ersten Blick er-
scheint, so verdanken wir doch, wie schon oben angedeutet ist, ihm das meiste, was
wir über den Lichtwechsel der Veränderlichen überhaupt wissen, Man beachte,
daß es sich um kleine Unterschiede und um eine Anschluß- oder Differential-
Methode handelt. Eine solche gewinnt an Sicherheit durch Vollziehung des An-
schlusses nach zwei Seiten, In dem vorhin gesetzten Falle bei %» Aquilae hätte
ein geübter Beobachter vermutlich gesagt: 83n2:, d. h. 8 ist um 3 Stufen heller
als %, dagegen ı um 2 Stufen schwächer als %. Zunächst folgt hieraus, daß ß
um 5 Stufen heller ist als ı„ wenigstens nach der heutigen Stufenweite des
Beobachters. Diese braucht nicht immer denselben Wert zu haben; es ist viel-
mehr möglich, daß etwa an 6 Beobachtungsabenden, wo jedesmal ” an ß und ı
angeschlossen wurde (mit Auslassung der Abende, wo n>ß und wo n<ı war)
folgendes notiert wurde:
18581
Aug. 28
Sept. 14
Okt. 10
X 18
Nov. 8
15
8— N .
2,5
3.5
3
2
3
|
N —
15
,
do
A
B— 4
3.5
45
6.0
4.5
6.J
5.0
20.5 — 6:4.9.
Man bemerkt, daß hier gelegentlich auch halbe Stufen notiert sind, wozu
geübte Beobachter bald kommen; natürlich denkt man nicht daran, die Hälfte
oder gar. das Zehntel wirklich verbürgen zu wollen, Jede Beobachtung, wo N
an ß und z als helleren und schwächeren Stern angeschlossen wurde, gibt. eine
Gleichung für 6 — ı; alle sechs ergeben zusammen ß — ı = 4.9 Stufen. Im Ernst-
falle würden übrigens «viel mehr Beobachtungen zur sicheren Ableitung eines