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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

334 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1911. 
gebunden, 24 X, ist jedoch durch die Vereinigung von Freunden der Astronomie 
{(V. A. P.) für den dritten Teil dieses Preises zu haben, so lange der Vorrat 
reicht; gelegentlich kann man ihn auch wohl antiquarisch bekommen.) 
Ausgerüstet mit Taschenuhr, Handfernrohr und Karte, suchen wir nun- 
mehr die Objekte, deren Beobachtung wir uns widmen wollen, zunächst kennen 
zu lernen. Die als veränderlich erkannten Gestirne haben in den Atlanten ihr 
besonderes Zeichen. Außerdem sind sie alle benannt. Für die hellsten Sterne 
eines jeden Bildes hat bekanntlich vor drei Jahrhunderten Johannes Bayer die 
griechischen Buchstaben eingeführt, die seitdem im Gebrauche geblieben sind. 
Wir betonen das besonders darum, weil sich die unförmlichen Arabischen 
Namen gerade in nautischen Kreisen noch immer einer unverdienten Beliebtheit 
erfreuen, Bei Wörtern wie Algenib, Mizar, Alderamin, Menkab kann sich eigent- 
lich nur der etwas denken, welcher Arabisch gelernt hat; die lateinischen Namen 
der Sternbilder sind dagegen sofort verständlich, und die griechischen Buch- 
staben kennt man schon aus den Anfangsgründen der Mathematik, Wo man die 
Veränderlichkeit eines Sternes entdeckte, der seiner Lichtschwäche wegen von 
Bayer überhaupt nicht bezeichnet worden ist, nannte man ihn nach dem Vor- 
gange von Argelander gewöhnlich R mit Angabe des Sternbildes, also R Scuti, 
R Serpentis. Der nächstentdeckte in demselben Bilde heißt dann S (S Serpentis), 
und so ist man weitergegangen und hat in dichtbesetzten Sternbildern nach 
Erledigung von Z mit RR, RS usw. fortgefahren. Für den Anfänger kommen 
zunächst nur die helleren, mit Bayerschen Buchstaben versehenen Sterne in 
Betracht. Zu jedem Veränderlichen gehören lichtkonstante oder doch als solche 
angesehene Vergleichsterne, und es wird oft genug vorkommen, daß ein 
solcher auf der Karte keine besondere Bezeichnung trägt. Hat man dann neben 
dem Atlas einen Katalog (wie bei Hagen und Heis), so ist es leicht, den Stern 
nach der Nummer in diesem nach Rektascensionen geordneten Kataloge zu 
identifizieren. Man gebe ihm aber auch auf der Karte irgend ein gleichgültiges, 
noch unverbrauchtes Zeichen, wie a, b, c. Dieses Zeichen wird dann auch im 
Beobachtungsbuche gebraucht und darf natürlich nicht geändert werden. Außer- 
dem gibt der Beobachter da, wo er den fraglichen Stern zum erstenmal zur 
Lichtvergleichung gebraucht hat, die Bedeutung an, indem er entweder die 
Nummer des Katalogs mitteilt oder mangels eines solchen die Koordinaten nach 
der Karte feststellt. Häufig wird es vorkommen, daß das Fernrohr licht- 
schwächere Sterne zeigt als die Karte, und daß sich gerade einer von diesen als 
Vergleichsstern in bestimmten Phasen der Veränderlichkeit empfiehlt. Doch ist 
es dann immer leicht, durch Anschluß an benachbarte hellere Sterne den Ort so 
yenau festzulegen, daß der Stern als Pünktehen mit Bleistift auf die Karte ge- 
setzt werden kann. Da ein Seemann in Alignements bei irdischen Punkten 
geübt ist, kann ihm das nicht schwer fallen; nötigenfalls fertigt er nach dem 
Anblick, den ihm sein Handrohr gewährt, ein Kärtchen des in Betracht kommenden 
Himmelsgebietes an, das er später mit den Beobachtungen selbst dem Berechner 
vorlegen wird, 
Die Art der Lichtschätzung selbst möge nun an einem Beispiel erläutert 
werden, Im Sternbilde des Adlers finden wir (Atlas von Schurig, Karte 6; 
Heis, Karte 7, 11, 12) den Stern 7—1n Aquilae — als veränderlich hervorgehoben. 
Sein Lichtverlauf ist von großer Regelmäßigkeit; er vollzieht sich in etwas mehr 
als 7d (7 Tagen), und für die meisten Augen ist % im Maximum des Lichtes 
etwas schwächer als ö Aguilae, im Minimum etwas heller als v» Aquilae. Der 
Übergang von dem hellsten Vergleichsstern zum schwächsten wird durch ß und 
ı Aquilae gut vermittelt. Wenn wir abends bei guter Luft die Gruppe in das 
Gesichtsfeld des Fernrohrs bringen, so finden wir etwa, daß heute ” nicht mit ö 
vergleichbar ist, weil er sich sehr viel schwächer darstellt, aber auch nicht mit 
v, weil er viel heller ist als dieser. Dagegen möge er nur wenig heller als ı 
erscheinen und merklich schwächer, obgleich nicht sehr viel schwächer als ß. 
Solche geringen Unterschiede lassen sich nun verhältnismäßig leicht feststellen, 
indem man mit dem Fernrohr abwechselnd den Veränderlichen und den Ver- 
gleichstern fixiert, wobei man immer rasch, und ohne sich durch andere Sterne
	        
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