532 Annalen der. Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1911.
miteinander zu vergleichenden zwei Sterne etwas weiter auseinanderrückt, gibt
es dem Auge die Möglichkeit, den einen zu fixieren, ohne durch den anderen
gestört zu werden. Ferner bedenke man, daß die Sterne manchmal in einen
hellen Vordergrund projiziert erscheinen, indem die Atmosphäre vom Dämmer-
licht der Sonne, vom Monde, in Städten auch von künstlichem Lichte durch-
strahlt wird; für Ekliptikalsterne kommt zu gewissen Jahreszeiten das Zodiakal-
licht als störender Faktor hinzu. Da nun ein gut abbildendes Fernrohr die
Fixsterne als ausdehnungslose, nur in ihrer Intensität verstärkte Punkte bestehen
Jäßt, während der Vordergrund erheblich abgeschwächt wird, z. B. im Verhält-
nisse 1:25 bei fünffacher Linearvergrößerung, so werden wir von diesen ver-
drießlichen, aber unvermeidlichen Störungen etwas unabhängiger.
Bei den Prismenrohren sind bekanntlich die Objektive mit Rücksicht auf
die kostspieligen Prismen ziemlich klein gehalten, wogegen die Vergrößerung
recht weit, nämlich bis 12, getrieben wird. Für unseren Zweck werden vor-
zugsweise die Vergrößerungen 4 his 6 brauchbar sein; zugleich sieht man, daß
die kleinen Ojektive zwar nicht das Herabsteigen zu sehr geringen Sternhellig-
keiten erlauben, wofür aber die Störung durch Dämmerlicht und Mondschein
merklich vermindert wird.
Während ein kleines einläufiges astronomisches Rohr, wie es wohl mancher
Seemann zu seinem Vergnügen angeschafft oder selbst konstruiert hat, in der
Hand eines geschickten Beobachters für die Veränderlichen bis etwa zur 9. Größe
manches leisten kann, ist das stark vergrößernde terrestrische Rohr alter Art
für unseren Zweck nicht geeignet, da es ein zu enges Feld und zu wenig Licht-
fülle hat. Es eignet sich am Himmel fast nur zum sog. Spazierensehen, z. B. zur
Betrachtung von Mondkratern.
Bei den Lichtschätzungen wird ein rasches und sicheres Hin- und Her-
bewegen des Handfernrohres von einem Stern zum anderen erfordert. Das lernt
sich, und es ist sicherlich leichter als die Einstellung des Sextanten oder Prismen-
kreises in die verschiedensten Ebenen beim Ermitteln der Monddistanzen,
Weil es sich bei den Beobachtungen, zu denen wir anleiten möchten, um
Vorgänge in der fernen Fixsternwelt handelt, die für die Erdenbewohner tauto-
chron sind, so müssen alle Schätzungen desselben Beobachters auf die Zeit eines
bestimmten Meridians bezogen werden. Während der festländische Beobachter
dafür die Zeit seines gewöhnlichen Aufenthaltsortes nehmen wird, ist dem See-
manne der Gebrauch der Greenwicher Zeit anzuraten, die ihm sowieso geläufig
ist. Sekundenzählung, wie sie bei astrometrischen und nautischen Beobachtungen
nötig ist, verlangen wir nicht, Die Lichtschätzung beansprucht immer einen ge-
wissen Bruchteil der Minute, und man lernt bald, die Mitte der aufgewandten
Zeit nach Zehntelminuten auf dem Sekundenblatte der Uhr festzulegen, wobei
ein Fehlen um das eine oder andere Zehntel kein Unglück ist. Ein Chronometer
wird nicht erfordert; es genügt eine gute Taschenuhr, die aber am besten kurz
vor Beginn der Campagne eines Abends und sogleich nach deren Abschluß mit
dem Chronometer, welches zum Halten der Greenwicher Zeit bestimmt ist, ver-
glichen wird, Beim Beobachten selbst kümmert man sich nicht um die positive
oder negative Verbesserung der Zeitangaben; man notiert die Ergebnisse der
Vergleichung in dasselbe Heft, das auch die Beobachtungen enthält, und zu ge-
legener Zeit werden die Verbesserungen in eine besondere Spalte mit farbiger
Tinte eingetragen. Die Kontobücher der Kaufleute sind als Anschreibebücher
für unsere Beobachtungen gut brauchbar. Jedes Buch ist als Wertpapier zu be-
zeichnen und zu behandeln, Einer gefährlichen Reise (Abstecher) setze man es
nicht ohne Not aus; lieber sende man es vorher mit sicherer Post an eine fest-
ländische Adresse. Der Bleistift ist, richtig gehandhabt, ein zuverlässigeres
Gerät als der Tintenstift oder Füllfederhalter. Man achte jedoch auf die Her-
stellung unverwischbarer Schriftzüge.
Während für jede astronomische Beobachtung des Mondes und auch noch
eines Planeten der Ort auf der Erdoberfläche sehr in Betracht kommt, kann
man ihn bei der Auffassung der tautochronen Erscheinungen auf dem Gebiete
der Astrophysik immerhin etwas roher angeben. Der Verlauf hängt nur insofern