Wedemeyer, A.: Lösung des Zweihöhenproblems in der Karte.
‘37
Schlußbemerkung. ;
Die stereographische Karte ist zuerst von John Collins!) im Jahre 1659
zur Auflösung des Zweihöhenproblems benutzt und von Weyer”) unter Beifügung
der Figur reproduziert worden. Grunert hat 1850 die Methode selbständig neu
gefunden und auch die Konstruktion eines Instrumentes zur Zeichnung der Kreise
vorgeschlagen. Über die Einrichtung des Instrumentes ist nichts bekannt geworden,
Herr Voigt wählt zum Zeichnen des Kreises eine der Kotangente der gemessenen
Höhe des Gestirns proportional gespannte Uhrfeder.?) Ausführlich ist die Methode
und die Handhabung dieses Instrumentes in einer Broschüre: Ein Beitrag zur
astronomischen Ortsbestimmung im Luftfahrzeuge, beschrieben. Nach S. 10 dieses
Büchleins (und nach der schon zitierten Abhandlung von Hormel) sollen alle
Beobachter auf einer Vertikalen durch die Kartenmitte die Gestirne auf dieser
Vertikalen in demselben Azimut peilen! Dies entspricht natürlich nicht der
Wirklichkeit. Da dieser Irrtum häufiger gemacht wird, habe ich in dieser Zeit-
schrift 1910, S. 417, besonders davor gewarnt. Sowohl Herr Voigt als auch Herr
Brill*) benutzen mittabstandstreue Karten. Die »neue einheitliche Methode«
des Herrn Brill besteht nur in der Wahl der bereits von den Seefahrern be-
nutzten mittabstandstreuen Karte und in der Einführung des Standlinienstreifens.
Wie sich leicht zeigen läßt, weichen stereographische, orthographische, gno-
monische, Merkator- und mittabstandstreue Karten für kleine Gebiete nur wenig
voneinander ab. Da Herr Brill die Höhengleichen durch Kreise ersetzt, während
sie in der Tat komplizierte Kurven sind, müssen durch den Gebrauch solcher
Karten Fehler entstehen, die sich leicht hätten vermeiden lassen, Irgendwelche
Vorteile bieten die mittabstandstreuen Karten nicht. Die von Brill abgeleitete
Fehlergleichung ist 4, Grades, Ihre Auflösung ist schwierig und von Herrn Brill
nicht einmal versucht worden. Benutzt man stereographische Karten, so ist, wie
auf 5.495 u. 496 gezeigt wurde, die Fehlerbestimmung sehr einfach. Daß die Höhen-
gleichen sogar in Merkatorkarten in einem verhältnismäßig großen Gebiet durch
Kreise ersetzt werden können, war bereits vor Brill von Perrin, Preuß
und Guyou gezeigt, auch die Fehlergleichungen waren bereits von Guyou
abgeleitet, Die Anwendung von Standlinienstreifen haben die Seeleute Preuß
und Guyou jedoch nicht empfohlen, da ihnen die hygroskopischen Eigenschaften
der Papier- und Leinenkarten bekannt waren. Daß die »neue Methode eine
völlige Umformung des nautischen Verfahrens darstellte, wie Herr Dr. Brill?)
behauptet, dürfte nach den ‚obigen Ausführungen den Tatsachen nicht ent-
sprechen. Wie oben auseinandergesetzt wurde, war die älteste Methode die ein-
fachste und beste. Zu erwähnen ist noch, daß Herr E. Kohlschütter®) ebenfalls
die stereographische Karte zur Lösung des Zweihöhenproblems benutzt hat. Durch
besondere Instrumente zur Zeichnung der Höhengleiche wird nur der Umfang
der Höhentafeln auf ein Minimum reduziert. In der Nähe des Pols braucht man
überhaupt keine Höhentafeln, da das Nautische Jahrbuch die Höhentafel ersetzt. 7)
Das erste brauchbare Instrument zur Auflösung des Zweihöhenproblems ist das
von Herrn Brill konstruierte, .
Nach der Ansicht des Herrn M, Brendel®) soll der Voigtsche Apparat
wegen der umständlicheren Einstellung für die Praxis weniger zweckmäßig sein
als das Brillsche Instrument. Es mag noch darauf hingewiesen werden, daß aus-
[ührliche Höhentafeln für 32 Sterne für jeden Breitengrad der Zone Breite von
Port Said — Breite von Calais seit Jahren schon im Buchhandel zu haben sind.
') The Mariner’s Scale new plain’d, S. 35. Siehe auch Robertsons Elements of Navigation 11,
London 1754, S. 480.
1) »Ann. d. Hydr. usw.« 1883, S. 72.
»Ann. d. Hydr. usw.« 1910, S, 622,
»Ann, d. Hydr. usw.« 1910, S, 614, 622,
»Luftschiffahrt, Flugtechnik und -Sport« 1911, Nr. 12, 8.7.
»Ann, d. Hydr. usw.« 1909, S. 457.
»Ann. d. Hydr, usw.« 1910, S. 285.
»Viertehahrsschrift der Astronomischen Gesellschaft«, 46, 1911, 8. 101.