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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

10 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1911. 
meistens nicht vorhanden oder nicht festgestellt, da die Karten nur verhältnis- 
mäßig wenig Lotungen enthalten. Bei der Navigierung an dieser Küste ist da- 
her die allergrößte Sorgfalt geboten, insbesondere auch noch aus dem Grunde, 
weil hier sehr häufig nebliges oder unsichtiges Wetter herrscht, 
Landmarken. Aus größerer Entfernung von der Küste kommt, sofern es 
sichtiges Wetter ist, nur der etwa 5 Sm innerhalb der Küstenlinie recht Ost 
von Port Nolloth liegende Berg Oograbis als Landmarke in Betracht, der nach 
Süden hin ziemlich steil abfällt und in der Mitte einen langen weißen Streifen 
hat. Die auf der Brit. Adm-Krt, Nr. 1234 enthaltene Ansicht von Port Nolloth 
gibt ein gutes Bild auch dieses leicht erkennbaren Berges und der unmittelbar 
südlich daran grenzenden Einsattlung des Höhenzuges. Ferner sind zur Auf- 
findung des Ankerplatzes auf der Reede und der Hafeneinfahrt mehrere Baken 
am Lande errichtet, deren Lagen und Formen in der genannten Karte Nr. 1234 
ebenfalls genau angegeben sind. Da aber, wie bereits bemerkt, in dieser Gegend 
vielfach unsichtiges Wetter herrscht, so sind die Landmarken häufig nicht sicht- 
bar und die ersten Erkennungszeichen des Ortes bilden für ansteuernde Schiffe 
die auf der Reede liegenden Schiffe, von denen in der Regel einzelne dort an- 
wesend sind, 
Ansteuerung. Dampfer steuern sowohl von Norden wie von Süden 
kommend in angemessenem Abstand von der Küste an ihr entlang. Wegen des 
häufigen, besonders in der zweiten Hälfte der Nacht und am Vormittage fast 
immer herrschenden Nebels ist dabei große Vorsicht geboten. Nach Angabe des 
Kapitän Haken ist die Reede besser vom Norden her, als vom Süden kommend, 
anzusteuern und aufzufinden. Er empfiehlt für vom Norden her kommende 
Dampfer, beim Orange-Fluß die Küste anzusteuern und von dort an ihr in etwa 
5 Sm Abstand zu folgen. 
Segelschiffe müssen sich bei der Ansteuerung nach den jeweiligen Wind- 
verhältnissen richten. Da die bei weitem vorherrschende Windrichtung südlich 
ist, müssen sie in der Regel das Land südlich von Port Nolloth machen und 
sich dann längs der Küste bis nach der Reede fühlen. In den südlichen Winter- 
monaten treten gelegentlich nördliche und auch westliche Winde auf, und wenn 
Segler unter solchen Verhältnissen den Hafen aufsuchen wollen, müssen sie diese 
Verhältnisse berücksichtigen. Keinenfalls dürfen sie bei südlichen Winden, die 
weit vorherrschend sind, das Land nördlich vom Hafen machen, da der Wind 
in Verbindung mit dem fast immer mit dem Winde setzenden Strom ihnen das 
Aufkreuzen bis zum Hafen schwer, wenn nicht gar unmöglich machen würde. 
Wenn man seiner Breite mit Hilfe astronomischer Ortsbestimmung sicher ist, 
steuere man das Land unter sorgfältigem Loten an und halte guten Ausguck, 
da meistens die Brandung früher in Sicht kommt, als das Land selbst. Kapitän 
Carlsen berichtet über die Ansteuerung folgendes: »Am Nachmittag des 
6. Dezember steuerten wir bei SSO-Wind von Stärke 5 die Küste etwas südlich 
von Milkbosch Point an. Wir näherten uns dem Lande so sehr, daß die Brandung 
deutlich zu sehen war, von der Küste selbst war jedoch keine Spur zu sehen. 
Nachdem wir darauf die folgende Nacht über erst nach See und dann nach 
Norden gesteuert hatten, wurde am nächsten Morgen wieder der Küste zuge- 
steuert. Der Nebel wurde indessen so dicht, daß wir um 7% V wieder nach See 
zu liegend beidrehten. Das Lot ergab 122 m (67 Fad.) Tiefe. Um 10h V lichtete 
sich der Nebel wieder und wir steuerten darauf dem Lande zu. Um 11*/,% 
sahen wir die Brecher an der Küste und loteten jetzt 86 m (47 Fad.) Wassertiefe. 
Ich beschloß darauf, erst die Mittagsbreite zu bestimmen, bevor ich weiter segeln 
wollte und drehte wieder bei, Die Mittagshöhe ergab 29° 23’ S-Br. Es wurde jetzt so 
nahe an die Küste hinan gehalten, wie es uns ratsam dünkte, Um 1* N erblickten 
wir die Küste sehr undeutlich durch den starken Dunst, gleichzeitig gewahrten 
wir auch einen Dampfer und machten bald aus, daß derselbe vor Anker lag. 
Wir hielten dann auf diesen zu und ankerten in dessen Nähe, nachdem eben 
vorher noch die Südbake ausgemacht und beim Ankern in rw. SO-Peilung ge- 
kommen war. Es lief hohe Dünung von Westen her, und der Dampfer signali- 
sierte, daß die Barre nicht passierbar sei, daher war an ein Herauskommen des
	        
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