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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1911. 
Der Voraussetzung gemäß sind z, — d,, Z, — d, kleine Größen, so daß man 
setzen darf: 
cos zı — cosd, __ 2 sin 4 (d, +2) sin 4 (di — 2) _ d_z 
sin d, a sin d, a 
Mithin wird: a 
X = —(Zı — 
= (Z Ga d) Gosee a — (zZ — d,)cot a. f (6a) 
Die Gleichungen (6) sind von Herrn Charlier?!) aufgestellt. Die Form (6a) 
wird in den nautischen Lehrbüchern vorgezogen. Geometrisch lassen sich die 
Gleichungen so deuten: x und y sind die Koordinaten des Schnittpunktes der 
Tangenten an die Höhengleichen, also der Standlinien,”) in den Endpunkten der 
(großen) Achse in einer mittabstandstreuen azimutalen Karte mit Z als Karten- 
mittelpunkt. 
Zeichnung der Höhengleiche in der stereographischen Karte. 
Wie oben gezeigt, sind die Bilder der Höhengleichen in der stereographischen 
Karte überall Kreise. Die Radien der Kreise sind näherungsweise proportional 
der beobachteten Zenitdistanz des Gestirns. Wie man leicht sieht, kann man nur 
in Karten kleinen Maßstabes die Kreise mit dem Zirkel zeichnen, Da man zur 
Bestimmung des Schiffsortes nicht die 
ganze Höhengleiche, sondern nur einen 
Bogen davon benötigt, kann man sich 
zur Zeichnung dieses Bogens mit Vorteil 
einer Methode bedienen, die in anderer 
Form von den Landmessern zur Kon- 
struktion von Kreisbogen beim Straßen- 
und Eisenbahnbau benutzt wird,”) Die 
Methode stützt sich auf einen Satz aus 
der elementaren Kreislehre: Peripherie- 
winkel über gleichen Bogen (Sehnen) 
sind gleich. 
Zur Zeichnung der Höhengleiche 
sind gegeben: Ein Endpunkt E (Figur 2) 
des Halbmessers (0), also ein Punkt des 
Kreisumfanges, denn es ist EZ =2z-—d, 
ferner die Richtung des Halbmessers, da 
das Azimut des Gestirns für die Karten- 
mitte aus Tafeln oder durch Rechnung 
ermittelt werden kann, und endlich die 
metrische Länge des Halbmessers. Ziehen 
wir eine beliebige Sehne senkrecht auf EZ, 
etwa AD, so ist bekanntlich AB = BD. 
Den Zentriwinkel @x, der zu der halben 
Sehne AB == 8 gehört, erhält man nach: 
sina« = 8:9. 
sin AED = sin (180° — #’) und sine‘ = 8:9. (7) 
Nimmt man s als gegeben an, so ist @’ bestimmt und kann an einem ver- 
hältnismäßig kleinen Gradbogen leicht mit genügender Genauigkeit eingestellt 
werden. Die Teilung des Gradbogens ist gewöhnlich in Gradmaß ausgeführt; 
für den vorliegenden Zweck emmpfiehlt es sich, sie proportional der trigono- 
1) Astron. Nachrichten, Kiel 1910, 184, Nr. 4393. 
2) Die nautischen Lehrbücher unterscheiden streng zwischen Höhengleichen und Standlinien, 
Standlinien sind ein Ersatz der Höhengleiche in der Karte, Die Herren Runge, Wolff, Brill, 
Voigt brauchen beide Bezeichnungen nebeneinander, so daß der Leser erst nachdenken muß, ob die 
Höhengleiche oder die Standlinie gemeint wird. 
3) Siehe z. B. Hammer, Lehr- und Handhuch der ebenen und sphärischen Trigonometrie. 
3. Aufl... Stuttgart 1907, S. 316. 
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