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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Liepe, H.: Temperaturschwankungen der Meeresoberfläche von Ouessant bis St. Paul-Fels. 483 
Vergleichen wir nun die so erhaltenen. Werte (siehe Taf. 27) mit denen der Ab- 
weichungen von der Normaltemperatur des Oberflächenwassers der im Gebiete des 
Passates gelegenen Stationen, so konstatieren wir eine gewisse Übereinstimmung, die 
sich vor allem bei besonders ausgeprägten Jahren deutlich hervorhebt. Wesentliche 
Abweichungen kommen allerdings vor, vor allem in den Jahren 1884/85, 1896/97 
usw. Dazu ist zu bedenken, daß die Richtung der Gradienten, wenn auch im 
allgemeinen ziemlich konstant bleibend, dennoch in gleichen Monaten der ver- 
schiedenen Jahre einigen Schwankungen unterworfen ist, die sich dann natürlich 
auch in Abweichungen der Wassertemperatur bemerkbar machen werden. Größere 
Perioden sind immerhin deutlich herauszukennen, ich verweise nur auf die aus- 
geprägt warmen Jahre 1887, 1888, 1891, 1893, 1895 usw., wie auf die extrem 
kalten Jahre 1889, 1890, 1894, 1898 usw. 
Dieser Faktor (die wechselnde Stärke des NO-Passates), wie .die für 
Station 1 bis 3 geltenden Ursachen werden für den Gang der Temperatur der 
im NO-Passat gelegenen Stationen verantwortlich zu machen sein; denn natür- 
licherweise wird das in den nördlichen Stationen Anomalien aufweisende Wasser, 
wenn nicht gerade eine erhebliche Abweichung der Passatstärke von der normalen 
die Wirkung des Anomalien führenden Wassers ausgleichen oder gar in das Gegen- 
teil verwandeln sollte, auch in den südlichen Stationen solche aufweisen müssen. 
Dieses gilt allerdings nur für die in demselben Strome gelegenen Stationen, 
d. h. für 1 bis 7 (dabei für Station 7 nur zum Teil, wie auch oben und am 
Schluß ausgeführt). 
Bezüglich des Zusammenhanges zwischen Passatstärke und Oberflächen- 
temperatur zeigt uns ein Vergleich, daß Abweichungen vom Mittel in der Ge- 
schwindigkeit des NO-Passates und solchen von der Normalen in der Oberflächen- 
temperatur sich nicht gleichzeitig bemerkbar machen, sondern daß in der letzteren 
meist eine Verspätung um ein bis zwei Monate stattfindet. Man. vergleiche dazu 
die bedeutende Zunahme der Stärke des NO-Passates, die zwischen Januar und 
Februar 1889 eintritt, mit dem Beginn der großen Kälteperiode der Jahre 1889, 
1890, die zwischen Februar und März 1889 beginnend, Anfang April 1891 ihr 
Ende findet, während. schon Anfang 1891 die Stärke des Passates bedeutend 
nachgelassen hat. 
Ein Gegenstück dazu bieten die so intensiv ausgebildeten Wärmeperioden 
der Jahre 1893 und 1895, in denen ein starkes Nachlassen der Kraft des NO- 
Passates um ein bis zwei Monate früher eintritt, als sich das Aufsteigen der 
Temperatur ‘des Wassers über der normalen bemerkbar macht. Mit derartig ver- 
zögerten Wirkungen des Wechsels der Winde auf die durch ihn bedingten Er- 
scheinungen, wie wir sie teilweise auch für die Stationen 1 bis 3 konstatierten, 
sind wir schon seit einiger Zeit vertraut durch die Arbeiten von Meinardus‘*), 
Brennecke?) und Mecking®), auch von Hepworth*) ist vor kurzem darauf 
aufmerksam gemacht worden. 
Bezüglich des Ganges der Temperaturschwankungen in Station 7 wurde 
schon früher bemerkt, daß jener einen eigenen Verlauf aufweist, der, da zu einem 
großen Teile des Jahres (Juni bis Dezember) im Gebiete der Guineaströmung 
liegend, auch die Temperaturschwankungen derselben aufweisen muß, die wieder- 
um von denen der beiden Strömungen des Nord- und Südäquatorialstromes, denen 
er ja als Kompensationsstrom die Wasser entnimmt, beeinflußt sein werden, Je 
nach der größeren Abweichung von der Normaltemperatur und dem stärkeren 
Fließen einer Strömung, das, wie in der Einleitung angegeben, in den verschiedenen 
Jahreszeiten verschieden stark zu sein pflegt, werden bald die Schwankungen der 
einen, bald die der anderen dem Temperaturgange jener Station den Stempel auf- 
drücken. 
1) Meinardus. Über Schwankungen der Nordatl. Zirkulation und ihre Folgen, »Ann, d, 
Hydr. usw.«, 1904, 
2) Brennecke. Beziehungen zwischen der Luftdruckverteilung und den Eisverhältnissen des 
ostgrönländischen Meeres, »Ann. d, Hydr. usw.«, 1904, 
3) Mecking. Die Eistrift aus dem Bereich der Baffin-Bai usw. »Instit. f, Meereskunde«, 
Berlin 1906, Heft 7. 
4) Hepworth. A Comparison of the Changes of the Water usw. in »The Trade Winds of 
the Atlantic Ocean«. »Meteorological Office«, London 1910.
	        
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