Liepe, H.: Temperaturschwankungen der Meeresoberfläche von Ouessant bis St. Paul-Fels, 481
Beispielen, daß die Wirkung dieser noch in demselben oder doch mindestens im
nächsten Monat sich zeigt.
So vergleiche man dazu die im September 1897 besonders in Station 2
so plötzlich und gewaltig sich ausprägende negative Anomalie. Wir sehen hier
das Hochdruckgebiet der Azoren bedeutend nach NO verschoben. Aus ihm
wehen bei Kap Finisterre starke N bis NNO-Winde, die dann entsprechende
Wirkungen im gleichen Monat zur Folge haben, indem sie an der auf der Lee-
seite befindlichen spanischen W-Küste nicht nur Wasser mit Temperaturen nörd-
licher Zonen herbeiführen müssen, sondern auch dort Auftriebserscheinungen
hervorrufen werden. Ähnliche Erscheinungen traten Juli 1896 durch die hier
nördlich wehenden Winde auf, während in Station 1 Winde westlicher Richtung
die Temperatur in die Höhe steigen lassen. Auch hier zeigen sich die Folgen
noch in demselben Monat. Ein weiteres Beispiel bietet uns der Anstieg der Kurve
im Monat Mai 1901. Im Norden durch SW-, im Süden durch NW-Winde in
reichlichem Maße herbeigeführte Golfstromwasser bewirken noch im gleichen Monat
einen bedeutenden Temperaturanstieg. Ebenso interessante wie treffende Beispiele
geben ferner die Monate Juli 1896 bis Februar 1897, in denen die Temperatur-
schwankungen durchaus gleichzeitig wie gleichsinnig erfolgen.
Erst im folgenden Monat finden wir die Wirkung der wechselnden Wind-
richtung ausgeprägt im Oktober und November 1890 (SW-Winde im September
werden im Oktober durch starke NW-Winde ersetzt).
Fig. 3.
Abweichungen der Temperaturen vom Normalwert,.
1884 85 86 87 88 89 90 91 92 983 94 95 9 97 98 99 1900 01 02 03
+109 7
105°
YO
, |station I (meiner Arbeit) |
- aa
m
3.5€
0
4100
10.5°
SA
HH =0,5°
___ Station J-IV (der Petersen’schen Arbeit) | ‚2, 2, Lo
Ebenso verzögert sich das Maximum der positiven Anomalie von 1899
gegenüber dem der Stärke der fast das ganze Jahr hindurch wehenden SW-
Winde um einen vollen Monat usw.
Vergleichen wir den von Petersen!) für Station 1 bis 4 zusammengefaßten
Gang der Abweichungen der Temperatur vom Gesamtmittel in den einzelnen
Jahren mit dem der ihnen am nächsten gelegenen Station 1 der von mir unter-
suchten Meeresgegend, so fällt die große Kongruenz beider auf (Fig. 3). Einige Ab-
weichungen zeigen sich allerdings und dieser Umstand mag zum Teil damit be-
gründet werden, daß jene Stationen 1 bis 4 weit draußen im Atlantischen Ozean,
Station 1 (bei Ouessant) dagegen in größerer Landnähe liegt und sehr wohl den
wechselnden Einflüssen der Umgebung mehr ausgesetzt ist.
Immerhin stimmen Windrichtung und Temperatur in Station 1 besser
überein als in jenen Stationen 1 bis 4 Petersens, So sind z. B. 1897 fast das
ganze Jahr hindurch SW- bis westliche Winde vorherrschend im ostatlantischen
Ozean und weisen dementsprechend in Station 1 eine positive Anomalie der
Wassertemperatur des Jahres auf. In Station 1 bis 4 dagegen haben wir eine
ausgeprägt negative Anomalie,
Umgekehrte Verhältnisse haben wir 1891, wo der Isobarenverlauf auf vor-
wiegend westliche bis nordwestliche Winde hindeutet, also gegenüber der nor-
malen Richtung eine nördliche Komponente der Windrichtung zeitigt. Die Folge
sollte für den Osten des Ozeans Temperaturen mit negativen Anomalien sein,
die sich auch tatsächlich in Station 1 deutlich ausprägen, in jenen dagegen
4 Petersen. Temperaturschwankungen im Golfstrom. »Ann.d. Hydr. usw.« 1910, Tafel 35.
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