Liepe, H.: Temperaturschwankungen der Meeresoberfläche von OQuessant bis St, Paul-Fels. 477
druckgebiet, von Februar bis Mai überaus stark entwickelte NW- bis WNW-
Winde (normal sind SW- bis W-Winde). Nach annähernd normalem Verlauf der
Isobaren im Juni bis August sehen wir wieder im Oktober starke NW-Winde
auftreten, Im November und Dezember werden diese dann allerdings: von
kräftigen SW-Winden abgelöst, die im Januar 1890 ihre größte Stärke erreichen,
(Das Islandminimum ist um 12 mm vertieft, das Azorenmaximum um 4 mm er-
höht.) Im Februar tritt eine bedeutende Abschwächung der Windstärke auf.
Wenig charakteristisch sind dann die Isobarenkarten des März und April, wenn
hier auch die Winde eher eine nordwestliche als (wie normal) eine westliche
Komponente aufweisen. Im Mai haben wir dagegen wieder kräftig ausgeprägte
NW-Winde, die weithin den ganzen Ozean beherrschen und, nach annähernd
normalem Zustande im Juni, mit gleicher Kraft wieder im Juli auftreten und an
Stärke und Richtung auch im August anhalten. Erst im September haben wir
dann wieder normal entwickelte SW-Winde, die bei stark nordöstlicher Ver-
schiebung der beiden Aktionszentren der Atmosphäre im O bis zum 20° W-Lg.
im Oktober starken. Winden nördlicher Richtung weichen, Kräftigen W-Winden
im November folgen dann im Dezember in unserem Gebiet, bis zum 30° W-Lg.
vorherrschend, NW-Winde, .
Wir sehen mithin unser Gebiet 1889 wie 1890 vorwiegend von Winden
nordwestlicher Richtung beherrscht, die an Dauer und Stärke alle übrigen weit
übertreffen. Die beim Übergang des Jahres 1889 zu 1890 stark wehenden SW-
Winde machen sich zwar durch das Aufsteigen der Kurve in jenen Monaten
bemerkbar, wie auch die im September 1890 wehenden kräftigen SW-Winde die
Temperatur im Oktober in die Höhe steigen lassen, doch ausschlaggebend werden
die vorwiegend herrschenden NW-Winde für die zu kalte Temperatur beider
Jahre, um so mehr als 1889 wie 1890 eine lang anhaltende Eistrift!) bei der
Neufundlandbank auftrat, Von April 1889 bis Oktober 1890 wurde in jedem
Monat Eis angetroffen, und eine weite Erstreckung desselben fand nach O statt.
Somit wurde unter dem Einflusse der NW-Winde nicht nur das warme
Golfstromwasser in seinem Laufe aufgehalten und zurückgedrängt, sondern auch
aus höheren Breiten relativ sehr kaltes Wasser gen S gesandt, wodurch dann
die in den Kurven ausgedrückten Verhältnisse hervorgerufen wurden, Wiesen
1889, 1890 negative Anomalien auf, so haben wir 1893 ausgesprochen positive
Anomalien im Verlauf der Temperatur gekennzeichnet, die wir gleichfalls wieder
mit den meteorologischen Verhältnissen in Beziehung bringen. Waren dort die
nordwestlichen Winde für den Temperaturgang bestimmend, so sind es jetzt
südwestliche Winde, die für den Verlauf der Meeresoberflächentemperatur jener
Gebiete entscheidend werden.
Im Januar treten schwache, doch über den ganzen Ozean hinwehende S-
bis SW-Winde auf, die dann im Februar überaus starken W- bis WSW-Winden
im Gebiete östlich des 30° W-Lg. Platz machen (Kern des Minimums bei Island
um 10 mm vertieft). S- bis SW- und W-Winde haben wir dann ‚auch während
der Monate März bis Juni. Dementsprechend zeigt sich nun im Gang der Tem-
peratur ein kontinuierliches Wachsen der positiven Anomalie, die im Juni ihr
Maximum erreicht. Annähernd normalen Verlauf der Isobaren zeigen Juli bis
Oktober. Unnormal sind die hohen Luftdruckdifferenzen der beiden Aktions-
zentren in jenen Monaten, die auf eine kräftigere Zufuhr von Golfstromwasser
schließen lassen.
Gleiche Ursachen und Wirkungen zeigen sich dann 1899. Fast das ganze
Jahr hindurch wehen in unserem Gebiete mit wechselnder Stärke Winde aus
südlicher bis südwestlicher Richtung, die ihre größte Kraft im Juni und Juli
erreichen.
Im guten Einklang stehen damit auch die Temperaturen des Jahres, die
das ganze Jahr hindurch sich über der normalen halten und im August das
Maximum ihrer positiven Anomalie aufweisen.
1) Schott,
usw.« 1904, S. 306
Über die Grenzen des Treibeises bei der Neufundlandbank usw. »Ann, d, Hydr.