Liepe, H.: Temperaturschwankungen der Meeresoberfläche von Ouessant bis St, Paul-Fels. 475
Der Jahrestemperaturverlauf von Station 7 bietet uns ein sehr merkwürdiges
Bild. Es macht sich im Juli eine Verzögerung des Aufstieges, im August sogar
ein deutlicher Abstieg bemerkbar, als dessen Ursache wohl die Einwirkung der
Südäquatorialströmung anzusehen ist, die eben gerade das Maximum ihrer Aus-
bildung und zugleich das Minimum ihrer jährlichen Temperatur erreicht hat.
Sobald diese Extreme im Gange der Südäquatorialströmung überschritten sind,
zeigt der Verlauf der Temperatur in Station 8 wieder normale Entwicklung.
Der Temperaturverlauf in Station 8 weist ganz äquatorialen Charakter
auf. Dem Stande der Sonne entsprechend, bemerken wir mit 1 bis 2 Monaten
Verspätung das Auftreten zweier Maxima nach. den Äquinoktien, das zweier
Minima nach den Solstitien. Das nach der Sonnenwende des 21. Dezember auf-
tretende Minimum des Januar und Februar ist allerdings schwach ausgeprägt;
der Grund ist auch hier in der schon oben erwähnten Verschleppung der
Temperatur von anderen Jahreszeiten höherer Breiten durch die Strömung zu
suchen. (Vgl. Engeler, Temperaturschwankungen in der Benguelaströmung,
„Ann. d. Hydr. usw.« 1910, S. 487, Fig. 2.) Wir sehen dort in Fig. 2 im Februar
bis in 24° S-Br. hinauf das Maximum der Temperatur auftreten, hier dagegen in
Station 8 ein sekundäres Minimum sich bemerkbar machen, Dieses kann natür-
licherweise nur schwach ausgeprägt sein, da der es erzeugende Faktor noch die
aufsteigende Temperatur niederzuzwingen hat, In der Kurve 4° S-Br., 19° W-Lg.
in Fig. 2 der Engelerschen Arbeit sehen wir eine Verzögerung des Temperatur-
anstiegs vom Januar zum Februar schon erfolgen gegenüber dem Verlauf der
Kurven höherer Breiten, welche sich nun hier, bei einer weiteren Entfernung
von 6 bis 7° Br., durch ein Sinken der Temperatur des Januar und Februar
unter die des Dezember bemerkbar macht. Ganz erklärlich; denn es muß der
der Strömung in den höheren Breiten der südlichen Halbkugel mitgegebene
Temperaturgang, je mehr er sich dem Aquator nähert, zugunsten der dort
herrschenden meteorologischen wie klimatischen Verhältnissen verändert werden,
um sich dann schließlich ganz diesen anzupassen. Zu beachten ist hierbei, daß
der thermische Äquator etwa 10° nördlich vom Erdäquator gelegen ist.!)
Das Minimum des August sehen wir voll ausgeprägt, da sich jetzt auch
die Temperatur der Südhemisphäre einem Minimum zubewegt. Für die schwache
Ausprägung des im November auftretenden Maximums gilt genau dasselbe, was
für die schwache Kennzeichnung des Minimums nach dem 21. Dezember gesagt
worden ist, wenn wir dabei die Verhältnisse umgekehrt betrachten,
Die Normaltemperaturen zeigen uns immerhin einige, mitunter ganz
nennenswerte Abweichungen, So ist besonders die sommerliche Kälteinsel bei
Kap Finisterre, die sich aus den hier vorliegenden Resultaten deutlich hervor-
hebt, auf den bisher als gültig angenommenen Isothermenkarten der Meeres-
oberfläche nicht verzeichnet. Daher zeigen auch die Temperaturkarten des Mai
(vier Monatskarten, dargestellt im Atlas für den Atflantischen Ozean, 2. Aufl, 1902)
hier um 0,3°, des August nahezu 1° zu hohe Temperaturen, Weitere Abweichungen
gibt folgende Tabelle, wobei wir für die älteren Normalwerte®) (mit »1.« bezeichnet)
den erwähnten Atlas zugrunde legen. Die neugefundenen Werte seien mit »2.«
gekennzeichnet:
Station |
Februar
1 1 9 | Diff.
Mai
1 1 92 | Dife.
1.
{II
iv |
v
VI | — | | 3 YH .
VII | 25.0 252 | +02 | 25.9 | 25.7 | —02
VIEH — im —- —
18.0 | 17.4
PX
1.
August
a
Diff.
8.8
2.7
a7
7.8
11.R
>,
vo
A)
22
— 4.1
"0.6
075 | on09 | 05
November _
2. 1 Diff.
1.
(12,7
5.0
13.2
L5.6
0.5
106
298
290
_ 08
ZZ
; Hann, Handbuch der Klimatologie, I, Bd., S. 323, 3. Aufl. 1908,
7 Nach den oben erwähnten Temperaturkarten des Atlas für den Atlant. Ozean entnommen.