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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Die Eisverhältnisse des. Winters 1910/11 in den außerdeutschen Gewässern der Ostsee usw. 459 
2. Die Gewässer von Libau bis zum Eingang des Finnischen Meerbusens, 
Von Libau kam die letzte Eismeldung am 8. März, von Filsand und Dagerort 
am 19. März bzw. 12. April. Doch wird die Schiffahrt in diesen Häfen schon 
weit früher wieder eröffnet worden sein, worüber Nachrichten leider nicht ein- 
gegangen sind. ; 
Was den Rigaischen Meerbusen betrifft, so ist die Schiffahrt hier zwar 
im Februar teilweise sehr erschwert gewesen, geschlossen war sie jedoch nicht, 
Denn schon am 26. Februar kam von Bolderaa die Nachricht, daß der »Jermack« 
in See gegangen, die See und das Seegatt eisfrei seien, das Fahrwasser der Düna 
von Eisbrechern ' aufgebrochen werde... Am 1. März war auch dieses eisfrei. 
Jedoch stellten sich im April noch einmal schwierige Eisverhältnisse ein; denn 
noch am 15. April besagte ein Bericht von Bolderaa: »Die See ist überall mit 
kompaktem, stark zerteiltem. Eise. bedeckt. Seegatt teilweise eisfrei. Sieben 
Dampfer foreieren im Eise durch. Scheren hierher. Gestern nachmittag starker, 
heute schwacher Eisgang auf der Düna.«. Doch schon am 17. waren einem 
anderen Bericht zufolge See und Düna wieder eisfrei, 
3. Der Finnische Meerbusen. Am frühesten ging der Hafen. von Odensholm, 
am Südeingang in den Golf, auf, nämlich am 11. April. Reval wurde am 18, April 
passierbar, Ekholm erst am 29. Im östlichen Teile des Golfs blieben die Häfen 
noch länger geschlossen. Nachdem. der Eisbrecher »Jermack« einer Meldung 
vom 24, April zufolge vergeblich versucht hatte, Kronstadt zu erreichen und 
deshalb nach zweitägiger Arbeit bei Seskär wegen schweren Eises nach Reval 
zurückkehren mußte, ‚gelang ihm ein zweiter Versuch erst. am 3. Mai. . Am 7. Mai 
wurden mit seiner Hilfe 10 Dampfer in den Hafen gebracht, womit die Schiffahrt 
als wieder eröffnet erklärt wurde, Am längsten blieb der Hafen von Sommers 
(bis zum 21. Mai) und. derjenige von Hungerburg (bis zum 14. Mai) durch. Eis 
gesperrt. 
Auf der nördlichen Seite des Finnischen Meerbusens gingen die Häfen zu 
sehr verschiedenen Zeiten auf, So wurde am 23. Februar aus Helsingfors ge- 
meldet, daß der Dampfer »Baltic« aus Lübeck dort eingelaufen und das Eis ganz 
weich sei; die Schiffe liefen ohne Hilfe von Eisbrechern ein.. Am 4. April wurde 
einem Privattelegramm an die Reederei F, O, Klingström, Lübeck-Hamburg, zu- 
folge die Schiffahrt in Kotka durch Eisbrecher eröffnet, Am 14,’ liefen‘ nach 
einer anderen Mitteilung 6 Dampfer im dortigen Hafen ein. Am 15. wurde im 
Hafen von Wiborg die Schiffahrt eröffnet. Sehr spät wurde nach amtlichen 
Mitteilungen der Hafen von Lowisa schiffbar, erst am 2. Mai. 
4. Der Nordbotten. Auf der finnischen Seite am südlichen Teile des Nord- 
bottens kam die erste auf Eröffnung der Schiffahrt” lautende Nachricht am 
3. April aus Björneborg, die besagte, daß der Hafen von Mantyluoto vollkommen 
eisfrei sei und bereits 2 Segler Holz lüden. Ebenso sei die Rätsö Reede eisfrei, 
der Fluß Kumo dagegen noch nicht befahrbar. Im: Hafen von Wasa- liefen am 
2. Mai als erste Schiffe die Dampfer »Gustav Adolf« und »Sundvall« ein, 
Auf der schwedischen Seite kamen die ersten Nachrichten aus dem süd- 
lichsten Hafen Gefle am 26. März; ihnen zufolge machte ein Schlepper eine 
Versuchsfahrt durch das Eis, und es gelang ihm, bis über die Reede hinaus 
durchzubrechen, so daß eine freie Rinne entstand, durch die der Verkehr mit 
Gefle ermöglicht wurde. Alle Land- und Leitfeuer wurden angezündet und als 
erster der Dampfer »Baltic« aus Bergen in Skutskär erwartet. Die offizielle Er- 
öffnung der Schiffahrt erfolgte jedoch erst am 4. April. Auch die Häfen Söder- 
hamn, Sundsvall und Hernösand gingen alle nahezu um die gleiche Zeit auf, 
nämlich in den Tagen vom 11. bis 12. April; Hudiksvall dagegen, wo nach den 
obigen Angaben die Schiffahrt im Verhältnis zu den Nachbarhäfen’sehr früh, 
nämlich am 4. Januar geschlossen war, blieb bis zum 21, April gesperrt. Dieser 
Hafen verhielt sich, vermutlich wegen seiner Lage im Fjord, ähnlich wie. die ‚weit 
nördlich gelegenen Häfen von Ornsköldsvik und Holmsund, die am 21, bzw; am 
28. April für die Schiffahrt geöffnet wurden. ; 
Was schließlich. den nördlichen Teil des, Nordbottens betrifft, so erfolgte 
die Wiedereröffnung der Schiffahrt hier naturgemäß am.spätesten. . Der. Hafen
	        
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