458 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1911.
und ganzen ähnlichen Zeitpunkt geschlossen wie im letzten Winter; in den süd-
lichen Häfen jedoch erfolgte die Schließung der Dampferfahrt zum Teil sehr
erheblich früher als im Winter 1910/11. Z.B. wurde der Hafen von Söderhamn
damals schon am 25, Dezember, im letzten Winter dagegen erst am 26. Januar,
also mehr als um einen Monat später für die Schiffahrt geschlossen. Hier macht
sich bereits die außerordentlich milde Witterung in den südlichen Bezirken der
Ostsee bemerkbar, die im letzten Winter so ungewöhnlich günstige Eisverhält-
nisse an der Deutschen Küste zur Folge hatte, die ebenfalls in dieser Zeitschrift
Seite 345 dieses Jahrgangs beschrieben worden sind,
2. Finnischer Meerbusen. Das Gleiche, ja noch in stärkerem Maße trat im
letzten Winter in den Häfen des Finnischen Meerbusens in die Erscheinung: Hier
bewirkte die sehr milde Witterung des Winters 1910/11, daß der Hafen von Kotka
erst am 3. Februar für die Schiffahrt geschlossen wurde, im Vorjahre da-
gegen am 14. Januar. Im Hafen von Helsingfors wurde im letzten Winter der
Verkehr am 6. Februar eingestellt (nach einer Zeitungsmeldung; der Frost betrug
24 Grad unter Null).
Auf der russischen Seite des Finnischen Meerbusens erfolgte der Zugang
der Häfen ebenfalls ziemlich spät; am 12. Dezember ging von St. Petersburg aus
als letzter der Dampfer »Michael Lund« in See, und am 13, brachten Eisbrecher
den letzten Dampfer von Kronstadt aus nach See, womit die Schiffahrt in beiden
Orten eingestellt wurde. Eine andere Zeitungsmeldung vom 14, Dezember be-
sagt, daß ein Dampfer mit Hilfe des Eisbrecners »Jermack« die Reede von
St. Petersburg mit dem Bestimmungsort Kronstadt verlassen habe, wo er
am 13. nach Rotterdam ausgelaufen sei, Der Hafen von Reval ging erst am
8, Februar zu,
3. Der Rigaische Meerbusen. Noch am 18. Januar kam aus Bolderaa im
südlichsten Teile des Meerbusens die Nachricht, daß die See und das Fahrwasser
der Düna eisfrei seien, und am 20, Februar wurde gemeldet, daß alle 7 Dampfer,
die an diesem Tage im Ankommen waren, vom Eisbrecher »Jermack« in den
Hafen bugsiert worden seien, Nach den offiziellen Mitteilungen erfolgte der
Zugang der Häfen von Küno und Werder am 6., desjenigen von Paternoster am
20. Februar. Nach einem Zeitungsbericht wurde die Schiffahrt in Domesnäs, am
Westausgange des Rigaischen Meerbusens gelegen, am 8. Februar geschlossen.
4. Libau und Windau. Von diesem Teile der russischen Küste liegt nur
eine Mitteilung über den Hafen von Zerel vor, die besagt, daß dort der Zugang
des Hafens am 12, Februar erfolgte. In Libau wurde das erste Eis am 15, No-
vember gesichtet. Von Filsand und Dagerort lief die erste Meldung über das
Vorkommen von Eis am 4. Januar ein. .
5. Die schwedischen Häfen südlich vom ÄAlands-Haff. Hier war der weit
nördlich gelegene Hafen von Nyköping der einzige, wo die Schiffahrt zeitweise
geschlossen werden mußte. Der Zugang des Hafens erfolgte am 6. November;
Segelschiffe konnten jedoch bis zum 13. Januar verkehren, und die Dampfer-
fahrt blieb bis zum 30. Januar möglich. Im noch etwas weiter nördlich ge-
legenen Hafen von Stockholm wurde die Segelschiffahrt zwar bereits am
21. Dezember geschlossen, die Dampfschiffahrt blieb aber den ganzen Winter
hindurch möglich. Letzteres gilt auch für die Häfen von Arkösund, Kolmar
und Solvesborg, wo lediglich Segler Schwierigkeiten durch Eis hatten; alle
anderen Plätze, Narrköping, Oxelösund, Oskarshamn, Wisby, Karlskrona, Ronneby,
Karlshamn, Ahus, sowie sämtliche Häfen der Provinz Gotland blieben während
des ganzen Winters gänzlich eisfrei.
B. Die Eröffnung der Schiffahrt.
1. Die schwedischen Gewässer südlich vom Älands-Haff. Der einzige für
die Dampfschiffahrt im letzten Winter geschlossene Hafen von Nyköping wurde
schon am 21. März wieder zugänglich, für Segler am 28. März. Die übrigen für
Segler geschlossenen Häfen Arkösund, Kalmar und Salvesborg gestatteten die
Segelschiffahrt bereits wieder im Februar. Nur der Hafen von Stockholm hlieb
für Segler bis zum 8. April unzugänglich.