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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1911,
will man mit Kräften arbeiten, so muß man sich den Körper als ruhend vor-
stellen. Eine der beiden Annahmen erzwingt stets die andere. Welche Annahme,
ob Kraft oder ruhender Körper, auch zuerst gemacht werde, stets geht man in
der Zentrifugaltheorie den umgekehrten Weg wie in der Theorie der Relativ-
beschleunigungen, man geht von der wirklichen Bahn der Erde zu einer ge-
dachten geradlinigen über.
IV. Vergleich und Schluß.
Als Endergebnis der Betrachtung kann man Sagen: Beide Erklärungen
sind unter den gemachten Voraussetzungen einwandfrei. Ihre Unterschiede sind
die, daß die Erde in der ersten Theorie in ihrem wahren Zustande der Be-
wegung, in der zweiten in einem gedachten künstlichen Zustande der relativen
Ruhe betrachtet wird, daß man dementsprechend in der ersten mit Beschleuni-
gungen, in der zweiten mit Kräften rechnet.
Beide Methoden sind gleich gut anwendbar auf Sonnentiden oder Mond-
tiden, auf eine kreisförmige Planetenbahn, wie auf eine ellipsenförmige. Nur
muß man in letzterem Falle die Zentrifugalkraft stets in der Richtung der an-
ziehenden Gestirnkräfte annehmen, ein Verfahren, welches der Definition der
Zentrifugalkraft auch völlig entspricht.!) Zerlegungen der Zentrifugalkraft sind
dabei ebenso unnötig wie Zerlegungen der Anziehungskräfte.,
Die Theorie der relativen Geschwindigkeiten ist die einfachere, wissen-
schaftlich feinere, sie vermeidet alle Umwege und Hilfsvorstellungen, wird aber
nur von denen klar verstanden werden, die eine gründliche Kenntnis der Be-
wegungslehre und der Bewegungsvorgänge der Erde auf ihrer Bahn besitzen,
Die Theorie der Zentrifugalbeschleunigung ist die praktisch besser ver-
wertbare, sie gestattet die kosmischen Kräfte (Anziehung der Sonne und Zentri-
fugalkraft) in direktes Verhältnis zu den irdischen Kräften (Schwerkraft) zu
bringen. Sie läßt auch eine bequeme bildliche Darstellung der Erscheinung
durch Zeichnen der Kräftebilder zu, ist somit ohne weiteres mit den üblichen
Methoden der Ingenieurwissenschaften darstellbar, Die Aufstellung dieser Theorie
kann als ein zweifelloses Verdienst Dar wins bezeichnet werden. Es dürfte wahr-
scheinlich sein, daß die Methode der Zentrifugalkraft geeigneter ist als die der
Relativbeschleunigungen, das Verständnis für die Ursachen der Gezeiten in
weitere Kreise zu tragen,
Ladeplätze an der Südwest- und Nordwestküste von Thasos.
Hamidic, früher Kastro genannt.
Nach Fragebogen Nr. 4505 des Kapt. F. Mahncke, D. »Imbros«, vom 28. Juni 1908: Nr. 4985 des
Kapt. D. H. Brummer, D. »Achaia«, vom 27. August 1909 und Bericht Nr. 5112 des II, Offiziers Herrn
W. Bette. D. »Achnia« vom 24. August 1910. Brit. Adm-Krt., Nr. 1086, Gulf of Kassandra to Thaso
and Lemnos Islands.
Hamidi6€, früher Kastro genannt, liegt an der Südwestküste der Insel Thasos
(Ägäisches Meer) an der Mitte der nordwestlichen größeren Bucht dieser Küste,
Allgemeines. Der Ort ist ein Hauptverschiffungsplatz für Erz, das in den
nordöstlich vom Dorfe, in der Nähe der Küste gelegenen Minen gewonnen wird.
Die ganze Minenanlage befindet sich in deutschen Händen, im Besitze der Firma
Minengesellschaft Fr, Speidel in Pforzheim; sie ist seit 7 Jahren im Betriebe.
Anfangs wurde nur rohes Erz verschifft, das einen hohen Prozentsatz von Metall
enthält. In letzter Zeit wird jedoch nur ein geringer Teil des Erzes in rohem
Zustande verschifft, der weit größere Teil wird vorher gewaschen und gebrannt.
Letzterer ist sehr trocken und entwickelt beim Verladen einen lästigen Staub.
Das Dorf Hamidi6 liegt in einer Niederung unmittelbar am Strande, wo auch
1) Vergl. hierüber auch den Aufsatz des Verfassers »Betrachtungen über Ebbe- und Flut-
Hhamrien« in der Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen 1910, Heft 5.