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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Meldau, H.: Zur Kompensation der Fluidkompasse, insbesondere über stabförmige D-Korrektoren, 33 
wird eine Graduierung jedes Kompasses mit seinem zugehörigen Korrektor im 
Interesse hinreichender Zuverlässigkeit geboten sein, ) ; 
Für Schiffe, die ihre Breite stark ändern, ist noch. zu berücksichtigen, 
daß der D-Stab zur Kompensation des Krängungsfehlers nichts beiträgt, so daß 
diese Kompensation ganz durch den Krängungsmagnet zu bewirken ist. Auch 
diese Kompensation wird deshalb bei Breitenänderung ihre Berichtigung erfordern, 
häufiger, als wenn D — bei Thomsonrosen das ganze D, bei Fluidkompaßrosen 
wenigstens ein Teil dieses Koeffizienten — durch ‘das adäquate Mittel der erd- 
magnetischen Induktion in seitwärts vom Kompaß angebrachten Eisenmassen auf- 
gehoben wird, 
Vergleich der Ebbe- und Fluttheorien. 
Von Marinebaumeister 0. Franzius in Berlin. 
I. Einleitung. 
Es wird seit einiger Zeit in verschiedenen Zeitschriften lebhaft die Frage 
erörtert, welche Art, die fluterzeugenden Kräfte zu erklären, die beste sei, ob 
die Erklärung lediglich vermittels der Relativbeschleunigungen oder diejenige 
durch Anziehungs- und Zentrifugalkrafit vorzuziehen sei. Zwischen beiden 
Theorien besteht tatsächlich bei richtiger Behandlung kein sachlicher Unter- 
schied, sie unterscheiden sich vielmehr nur durch die Art der Darstellung. 
Dieses scheint bisher nicht von allen Seiten völlig klar erkannt zu sein, wie aus 
einigen neueren Aufsätzen der zweiten Richtung hervorgeht.?) Es erscheint daher 
nicht . zwecklos, zu beiden Auffassungen kritisch Stellung zu nehmen und die 
wirklichen Unterschiede hervorzuheben. Man kommt dabei zu einigen inter- 
essanten Ergebnissen, die auch geeignet sein dürften, das Verständnis der Ur- 
sachen der Gezeitenerscheinungen zu vertiefen, 
Es soll im folgenden erst jede Theorie kurz für sich besprochen werden 
unter Hinweis auf die Gründe, die es erzwingen, sie gerade so und nicht anders 
aufzustellen. Des ferneren folgt dann der Vergleich beider. Von der Rotation 
der Erde werde dabei zur Vereinfachung abgesehen,‘) und die Besprechung der 
Kürze halber auf die Sonnentiden beschränkt. 
II. Die Theorie vermittels der Relativbeschleunigungen., 
Die Voraussetzung des Verständnisses ist die Kenntnis der Bewegung der 
Erde in dem Sonnensystem, Man betrachtet die Erde, wie sie sich wirklich be- 
wegt. Die Grundidee, von der alles hierbei ausgeht, ist, daß ein Körper, der 
sich mit gleichbleibender Geschwindigkeit geradlinig im Raume bewegt, sich in 
einem Zustande der relativen Ruhe befindet. Das heißt, an den einzelnen 
Punkten des Körpers werden durch diese Bewegung im Raume keine Verände- 
rungen hervorgerufen, sie bleiben, wenn der Körper keine Rotation oder ähn- 
liche eigene Bewegungen ausführt, stets in gleicher Stellung zueinander, ‘ Dieses 
ist somit der Ruhezustand des Körpers; auch für die Erde muß daher von ihm 
ausgegangen werden, Die Bewegung der Erde in dem Sonnensystem ist gegen- 
über der ersteren Bewegung eine erzwungene, In dem relativen Ruhezustand auf 
gerader Bahn ist der Planet gezeitenlos. Nimmt man nun diese geradlinige Be- 
°) Da besonders aus der Statik heraus gewisse Auffassungen der mechanischen Begriffe und 
Vorgänge bestehen, aus denen im Gegensatz zu den allgemeineren der Dynamik zugrunde liegenden 
Anschauungen Meinungsverschiedenheiten über die Gezeitentheorie und immer wieder Versuche zur 
Aufstellung neuer solcher "Theorien entspringen, so erschien der Schriftleitung die Veröffentlichung des 
Artikels angebracht, insofern in ihm unter Berücksichtigung solcher Auffassungen nachgewiesen wird, 
daß dıe verschiedenen Darstellungsarten bei korrekter Durchführung für diese Theorie zu denselben 
Resultaten führen, Es kann dies ja auch nicht anders sein, da dem Wesen nach Kräfte nur durch 
die ihnen entsprechenden Beschleunigungen zu definieren sind. D. Red. 
2) Vergl. die Gezeitenaufsätze in Nr. VI dieser Zeitschrift, 
3) Vergl. v. Schaper. Heft 3 dieses Jahrganges. 
Ann. a. Hydr. nsw.. 1911. Heft T.
	        
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