422 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1911.
Dichtigkeit in 200 m Tiefe nicht erreicht werden kann, Anders ist es in höheren
Breiten, Hier unterstützen, wie früher beschrieben, die nächtliche und noch
mehr die winterliche Abkühlung die Verdunstung, die Teilchen werden ganz be-
deutend schwerer und sinken deshalb auch viel tiefer,
4. Die absolute Größe der Verdunstung. Alle bisherigen Ausführungen
bezogen sich auf die Verdunstung im Gefäß und es muß jetzt die Frage nach der
absoluten Größe der Verdunstung entschieden werden. Es ist bei der Be-
sprechung der Fehlerquellen das Resultat gewonnen, daß bei den als einwandfrei
bezeichneten Beobachtungen die Fehlerquellen sich ausgleichen oder Korrektions-
rechnungen zugänglich sind, d.h. daß die berechneten täglichen Werte auch die
Verdunstung auf dem Meere darstellen. Für den einzelnen Tag stimmen also
der beobachtete und der wirkliche Wert, wie wir sie nunmehr nennen wollen,
überein. Anders ist es aber mit den Durchschnittswerten, Wenn wir z. B. im
Südostpassat auf der Ausreise aus den 8 beobachteten Werten den Mittelwert
7.2 mm pro Tag finden, so dürfen wir diese Zahl nicht als durchschnittliche
mm
x
Fig. 2,
romille
28 (0)
a7 (00
36.00
35.00
SL . . Sm) 34.00
% 309° 20° 10° 0° 10° 20° 830° 40° 50° 60°
Nordbreite Südbreite
— VePAUNStUNG 1; n
aeuma= Oberflüchensalzgehalt | 12 Zehngradzonen
Gang der Verdunstung und des Oberflächensalzgehaltes auf dem
Seglerwez zum Kap Horn.
mittlere Südostpassatverdunstung nehmen. Die Mehrzahl aller Beobachtungen
ist nämlich bei günstigen Witterungsverhältnissen zustande gekommen. Klares
Wetter mit Sonnenschein, relativ trockene Luft, meist frische Winde herrschten
zur Hauptsache an den Tagen, an denen Beobachtungen erzielt wurden. Um-
gekehrt war die Sachlage an den übrigen Tagen, soweit nicht von den Witterungs-
verhältnissen unabhängige Ereignisse ein Ergebnis vereitelten. Die beob-
achteten Werte stellen also meistens Extremwerte vor, und ihr Mittel
ist in diesem Falle zu hoch.
Es ist nun festzustellen, um wieviel der beobachtete Mittelwert
reduziert werden muß. Einige Anhaltspunkte für einen solchen Versuch haben
wir glücklicherweise, Den ersten bietet uns das Verhältnis der Verdunstung
an weniger günstigen Tagen zur mittleren Verdunstung in dem be-
treffenden Klimagebiet.
Im Südostpassatgebiet wurden, wie eben erwähnt, auf der Ausreise 8 ein-
wandfreie Werte erhalten, die eine durchschnittliche tägliche Verdunstung von
7.2 mm ergaben. Am letzten dieser 8 Tage flaute der Wind stark ab, der Himmel
war bedeckt und die relative Feuchtigkeit stieg beträchtlich, Es verdunsteten