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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1911. 
In der Tat sind diese beiden Werte von D den magnetischen Momenten 
der Rose genau verhältnisgleich. 
9. Als zweiten Grund führt Herr Morel an, daß die oktantale Störung 
bei Kugeln in ganz außerordentlich hohem Grade mit dem magnetischen Moment 
der Rose variiere, während das beim D-Stab viel weniger der Fall sei. Dieser 
Satz ist richtig, wenn man statt des Wortes »magnetisches Moment« einsetzt 
„Nadelanordnung«, Aus Versuchen, die ich hierüber angestellt habe, sei folgendes 
Beispiel als Beleg herangezogen: Den Versuchen lagen zwei Rosen mit ver- 
schiedener Nadelanordnung und demselben Moment zugrunde. Die Nadeln 
waren 160 mm lang. Die Pole der Nadeln lagen bei der ersten Rose ziemlich 
weit innerhalb, bei der zweiten lagen sie ziemlich weit außerhalb der bekannten 
»30°-Linien «.!) Mit Kugelkorrektoren ergab sich, bei einem D von etwa — 9°, 
mit der ersten Rose H= + 1,2°, mit der zweiten Rose H=-—1.6°, also eine 
Änderung von 2,8%. Bei Verwendung eines D-Stabes dagegen erhielt ich, bei 
einem im Mittel noch größeren Werte von D, mit der ersten Rose H = + 0.05°, 
mit der zweiten Rose H = -— 0.9°, also eine Änderung von weniger als 1°. 
Aus diesen und anderen angestellten Versuchen ergibt sich, daß beim 
D-Stab eine einwandfreie Wirkung in der Tat weniger von der Nadel- 
anordnung abhängig ist, als es bei Quadrantalkugeln der Fall ist. 
3. Endlich schreibt Herr Morel dem D-Stab eine Vergrößerung der 
mittleren Richtkraft der Rose zu; auch in dieser Beziehung sollen sie den Kugeln 
überlegen sein.?) Diese Behauptung ist unhaltbar. Wohl wird die Richtkraft 
durch den D-Stab auf O- und W-Kurs erhöht, dafür wird sie aber auf N- und 
S-Kurs um ebensoviel herabgesetzt. Diese Verringerungen der Richtkraft auf 
N- und S-Kurs, also bei O-W liegendem D-Stab, kommen in folgender Weise zu- 
stande.?) Scheinbar hat der D-Stab auf diesen Kursen gar keinen Einfluß auf 
die Rose. Solange die Rose genau in ihrer Ruhelage verharrt, ist das auch der 
Fall. Bei jeder Drehung der Nadel nach rechts oder links entstehen aber im 
Korrektor durch Nadelinduktion Pole und diese erzeugen Drehmomente, die in 
jedem Falle die eingeleitete Bewegung zu unterstützen streben. Diese 
Drehmomente bedeuten daher eine Verringerung der Richtkraft der Nadel. 
Es ist demnach unrichtig, daß ein durch Nadelinduktion wirkender D-Stab 
eine allgemeine Verstärkung der Richtkraft erzeugen könne. Eine solche Ver- 
stärkung kann nur durch ein Element erfolgen, das eine Beziehung zum 
magnetischen Meridian hat, wie die erdmagnetische Induktion, nicht aber durch 
Nadelinduktion, die ohne jede Beziehung zu diesem Meridian ist. 
Quadrantalkugeln erhöhen die mittlere Richtkraft, aber nur in dem Maße, 
als ihre Wirkung auf erdmagnetischer Induktion beruht. 
Trotz dieser Einwendungen gegen die Ausführungen des Herrn Morel 
halte ich die Anwendung von D-Stäben an Stelle von Kugelkorrektoren 
unter gewissen Verhältnissen für sehr empfehlenswert. Diese Verhält- 
nisse liegen in erster Linie vor an Orten, an denen man ein großes D bei ver- 
hältnismäßig geringem verfügbaren Raum zu kompensieren hat, wie es in der Tat 
auf Torpedobooten, Zerstörern und Unterseebooten der Fall ist. 
Man wird um so eher zu diesem Kompensationsmittel greifen, je weniger 
das in Frage kommende Fahrzeug auf seinen Fahrten die magnetische Breite 
ändert. Die stete Berichtigung der Kompensation für Breitenänderung ist zwar 
nicht schwierig, sie wird aber immer etwas unbequem empfunden werden. 
Da die Wirkung dem magnetischen Moment der Rose proportional ist, so 
3%] 
1) Im ersten Falle war der Nadelabstand 55 mm, im zweiten 98 mm gegen 77 mm, gültig für 
die »30°-Linien«, 
?) Le barreau ayant son pöle sud tonjours tourn6 vers le Nord, on voit qu’il a force&ment pour 
effet d’augmenter la force directrice du compas; .... d’une facon generale, toute masse de fer doux 
plac6e dans le voisinage de Ina rose, auelles que soient sa forme ef sa position . , . tend & renforcer la 
force direetrice, 
3) Näheres darüber mit experimentellen Belegen habe ich in einem Briefe an den Herausgeber 
der »Rivista Marittima« mitgeteilt, der sich im Dezemberheft des Jahrganges 1908 der »Rivista« 
abgedruckt findet.
	        
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