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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Lütgens, R.: Die Verdunstung auf dem Meere. 
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und Taufall verursachen im allgemeinen nur geringe Fehler und können schätzungs- 
weise ausgewertet werden, CGileichfalls ist die Beeinflussung des Salzgehaltes im 
Gefäß durch die Salzstaubführung der Luft unerwartet gering. Eine Anzahl 
Messungen der Salzaufnahme von destilliertem Wasser bei sehr starker Salz- 
führung der Luft ergaben Fehler für die Verdunstungshöhe von 0.1 bis 0.25 mm, 
Meist ist der Fehler jedoch viel geringer. 
Wichtig sind die Salzgehalts- und Temperaturunterschiede des Wassers im 
Gefäß und an der Meeresoberfläche. Wasser von höherem Salzgehalt verdunstet 
schwächer, deshalb ist der Gefäßwert etwas verringert gegen den Oberflächen- 
wert, aber andererseits fehlt im Gefäß die die Verdunstungsoberfläche vergrößernde 
Wellenbewegung. Die Temperatur des Wassers im Gefäß ist größeren Schwan- 
kungen ausgesetzt als an der Meeresoberfläche, aber da sie tags höher, abends 
und nachts niedriger ist, so ist das Mittel ein wenig niedriger, wodurch die Ver- 
dunstung verringert wird. Hingegen wird sie wieder erhöht, weil beim Schwanken 
des Schiffes Flüssigkeitsmengen an der Wandung des Gefäßes haften bleiben und 
rascher verdunsten, wogegen aber wieder der Wind in seiner Wirkung auf die 
Verdunstungsfläche etwas durch den erhöhten Rand behindert wird. 
Alles in allem haben wir zahlreiche Fehlerquellen, die aber bis auf Be- 
schädigungen des Apparates, heftige Regengüsse und Spritzer gering bleiben 
oder- sich gegenseitig aufheben oder Korrektionsrechnungen zugänglich sind. 
Der beobachtete Verdunstungswert im Gefäß dürfte deshalb dem auf 
dem Meere annähernd gleich sein. 
III. Die Ergebnisse der Verdunstungsuntersuchungen, 
Alle Ausführungen -— mit alleiniger Ausnahme der über die absolute 
Größe der Verdunstung — beziehen sich auf die beobachteten Werte im Ver- 
dunstungsgefäß. Unabhängig von der Frage, ob die wirkliche Verdunstung auf 
dem’ Meere genau gleich der beobachteten ist, gibt letztere ein getreues Bild der 
regionalen Unterschiede, des Einflusses: der meteorologischen Faktoren und des 
Verdunstungsvorganges selbst, Darin lag, wie schon erwähnt, die Hauptaufgabe 
der Reise. Aber auch über die absolute Größe der Verdunstung werden sich 
schließlich bei Berücksichtigung aller Umstände und bei Zusammenfassung zu 
wenigen Durchschnittswerten befriedigende Angaben machen lassen, 
Die folgenden Ausführungen fußen im wesentlichen auf Beobachtungen der 
Ausreise, die ich selbst ausführte. Die der Heimreise werden hauptsächlich: zum 
Vergleich und zur Verallgemeinerung benutzt, da sie nicht im Zusammenhang 
mit genauen Lufttemperatur- und Feuchtigkeitsmessungen gemacht werden 
konnten, An und für sich verdienen sie, wie ausdrücklich bemerkt sei, volles 
Vertrauen. Die Ergebnisse der de Quervainschen Beobachtungen, die Ende 
August 1909 auf der Fahrt Grönland—Skagen 11 Tage lang gemacht sind, 
werden beim Kap Horn-Gebiet verwertet, 
1. Regionale Unterschiede. der Verdunstung. Da bei gleicher relativer 
Feuchtigkeit Luft von höherer Temperatur mehr Wasserdampf enthalten kann 
und Wasser von höherer Temperatur stärker verdunstet, so muß in den wärmeren 
Zonen auf dem Meere eine bedeutendere Verdunstung als in den kälteren statt- 
finden. Scharf ausgeprägte, normale Unterschiede müssen als Folge dieser 
beiden wichtigsten beeinflussenden Faktoren vorhanden sein, Eine Zusammen- 
fassung sämtlicher Beobachtungen!) in zwei Gruppen, zwischen 40° Nord und 
Süd und nördlich und südlich von diesen Breitengraden, ergibt für das wärmere 
Gebiet eine mittlere tägliche Verdunstung von 6.3 mm, für das kältere aber nur 
von 2.7 mm. Wenn wir dann das durchfahrene Gebiet in Klimazonen oder besser 
‚streifen einteilen und für jeden dieser Streifen den Mittelwert der täglichen Ver- 
dunstung berechnen, so. erhalten wir das folgende Bild, das Tabelle I wiedergibt: 
'j Es sind, falls nicht ausdrücklich anders bemerkt, nur die einwandfreien Beobachtungs- 
tage henutzt.
	        
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