12 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1911.
»Vorläufigen Bericht über eine ozeanographische Forschungsreise«, über den der
Heimreise in »Weitere Untersuchungen über die Verdunstung auf dem Meere«,
beides »Ann. d. Hydr. usw.« 1909 bzw. 1910, eine Mitteilung erschienen, Unter
Hinweis auf diese Stellen soll nur erwähnt werden, daß auf der Ausreise statt.
des Nordostpassats flaue, umlaufende Winde und Stillen herrschten und von
Valparaiso nach Tocopilla in den ersten Tagen gleichfalls nur sehr schwacher
Wind bei bedecktem Himmel mit Smutt vorgefunden wurde. Auf der Heimreise
sprang der Südostpassat im Atlantischen Ozean unmittelbar in den Nordost um.
Vom 40. Breitengrad bis Lizard herrschten stürmische Westwinde mit vielen
Niederschlägen.
Weiter brauchen auch die Methode der Untersuchungen und die in
Betracht kommenden Fehlerquellen hier nur kurz gestreift werden.
Alle an Land zur Messung der Verdunstung angewandten Methoden, z, B.
mit der Wildschen Wage oder durch die direkte Messung der Verdunstungshöhe,
sind an Bord nicht durchführbar. Es dürfte wohl nur der von Schott zuerst
angegebene Weg zum Ziele führen. Bei der Verdunstung verdunstet nur reines
Wasser, das Salz bleibt zurück und die Lösung wird also konzentrierter, Diese
Konzentrationszunahme läßt sich durch Aräometer oder besser Chlortitrierung,
was in unserem Falle geschah, sehr genau feststellen, Wenn man dann Inhalt des
Gefäßes, die Größe der Oberfläche und die Mitteltemperatur des Wassers kennt,
so läßt sich aus Anfangs- und Endsalzgehalt die Höhe der verdunsteten Wasser-
säule berechnen. Es ist also erforderlich, in einem passend gewählten und auf-
gestellten Gefäß eine abgemessene Menge Wasser nach Bestimmung des Salz-
gehaltes der Verdunstung auszusetzen, von Zeit zu Zeit die Temperatur des
Wassers abzulesen und nach abgelaufener Beobachtungszeit abermals den Salz-
gehalt zu bestimmen. Gleichzeitig müssen .natürlich in bestimmten’ Abständen
die meteorologischen Elemente abgelesen werden. Dabei sei bezüglich des Windes
bemerkt, daß der am Gefäß, nicht der auf dem Meere herrschende Wind zu be-
rücksichtigen ist. Es sind also Korrektionsrechnungen auf den wahren Wind,
die sehr umständlich sind, nicht nötig. Daraus folgt aber, daß der die Ver-
dunstung auf der Meeresoberfläche beeinflussende Wind sehr verschieden von
dem für die Gefäßverdunstung in Betracht kommenden sein kann. Das gilt be-
sonders für Dampfer, die gegen oder vor starkem Wind steuern, und deshalb
wie auch noch aus anderen Gründen sind Dampfer für Verdunstungsuntersuchungen
weniger geeignet. Beim Segler kommt der erstere Fall überhaupt nicht, der
letztere auf der Westküstenroute relativ selten vor. Meist wird beim Winde
gesegelt, und dann sind die Unterschiede gering, wie aus den gesamten Beob-
achtungen der Hauptarbeit hervorgeht. Das Verdunstungsgefäß aus Glas, das
gegen Strahlungseinflüsse seitlich geschützt war, hatte eine große Verdunstungs-
oberfläche von 288 Quadratzentimetern bei nicht zu großem Inhalt von 2.4 Litern,
der alle 24 Stunden erneuert wurde. Das Gefäß hing kardanisch in einem Gestell
auf dem Achterdeck, wo es Wind und Wetter frei ausgesetzt war. (Siehe Figur
und Abbildung im vorläufigen Bericht.) Gelegentlich wurde zu Vergleichszwecken
auch mit anderen Gefäßen von 1,3 und 10 Litern Inhalt gearbeitet, die dann
neben dem »Normal«-Gefäß hingen.
Die im Prinzip einfache Art der Untersuchung wird kompliziert durch die
mannigfachen Schwierigkeiten, die sich der Durchführung entgegenstellen. Diese
sind teils äußere, die mit dem Beobachtungsort, dem lediglich Handelszwecken
dienenden schwankenden Schiff zusammenhängen, teils liegen sie in der Art des
Vorganges selbst. Kollisionen mit dem Besahngut, Hineinspritzen von Wasser
bei Reinigungsarbeiten u. a. m. machten häufig eine Beobachtung unbrauchbar.
Von den ständig zu berücksichtigenden Fehlerquellen waren oft unangenehm
die Niederschläge. Die Einrechnung nicht zu großer Regenmengen bei nicht zu
starkem Winde ist einfach. Heftige Regengüsse brachten aber das Gefäß schnell
zum Überlaufen, da ja die Wasseroberfläche nicht zu tief unter dem Gefäßrand
sein durfte. Außerdem spritzt bei starkem Regen Wasser im Gefäß hoch, das
dann vom Winde entführt wird. Solche Gelegenheiten verderben ebenso wie
Spritzer, die bei schwerem Sturm das Gefäß erreichen, die Beobachtung. Smutt