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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1911
Zur Kompensation der Fluidkompasse, insbesondere über stabförmige
D-Korrektoren.
Von Prof. Dr. H. Meldau, Oberlehrer an der Seefahrtschule in Bremen,
Von dem großen Interesse, das man gegenwärtig in der französischen
Kriegsmarine dem Fluidkompaß entgegenbringt, zeugt u, a. eine längere Arbeit
des lieutenant de vaisseau Camille Morel im letzten Juniheft der »Revue maritime«,
Im folgenden soll über ihren Inhalt kurz berichtet werden,
Der Verfasser empfiehlt den Gebrauch von Fluidkompassen dringend für
Torpedobocte, Zerstörer und Unterseeboote, da Thomsonrosen auf diesen Fahr-
zeugen nicht ruhig genug liegen. Er weist die Vorwürfe, daß ein Fluidkompaß
zu träge sei und daß die Kompensation Schwierigkeiten verursache, zurück. Die
gehörige Empfindlichkeit läßt sich durch geeignet bemessenen Auftrieb des
Schwimmers erreichen, sogar in höherem Grade als bei einem Trockenkompaß,
Der Frage der Kompensation ist der Hauptteil der Arbeit gewidmet. Die
Schwierigkeiten entstehen aus dem Einfluß der Nadellänge und aus der Nadel-
induktion. Verfasser ist nun nicht bestrebt, diese Schwierigkeiten durch Er-
mittelung geeigneter Nadelanordnung der Kompaßrose zu beheben, sondern er
sucht, indem er den Kompaß mit seiner Rose als gegeben hinnimmt, den Kom-
pensationsapparat nach Möglichkeit so einzurichten, daß die sextantalen und
oktantalen Störungen des Deviationsverlaufes auf ein unschädliches Maß herab-
gedrückt werden,
Um die aus der Nähe der Kompensationsmagnete entspringende Sextantal-
deviation zu vermeiden, genügt es nach den Beobachtungen des Herrn Morel,
die Magnete so nahe wie möglich der Vertikalen durch den Rosenmittelpunkt
anzuordnen und zwar so, daß der Abstand ihrer Enden vom Rosenmittelpunkt
wenigstens gleich der doppelten Länge der Kompensationsmagnete ist.
Ich bezweifle nicht, daß Herr Morel auf diese Weise dem gewollten Ziele
praktisch hinreichend nahe kommt. Theoretisch ist das Gesagte nicht ganz
richtig; die Magnete sind nicht so nahe wie möglich der Vertikalen durch
die Rosenmitte anzuordnen, sondern am besten in einem Abstand von einem
Viertel ihrer Länge von dieser Vertikalen. Dann liegen nämlich ihre Pole in
Ebenen, die durch die Vertikale gelegt sind und Winkel von 30° zur Längsschiffs-
bzw. Querschiffsebene bilden, und die Wirkung der Magnete ist völlig frei von
sextantalen Störungen, auch wenn die Nadelanordnung der Rose sehr schlecht
ist und man ziemlich nahe mit den Magneten an die Rose herangeht.
Das Hauptinteresse der Arbeit nimmt die von Herrn Morel für die Kom-
pensation der Quadrantaldeviation vorgeschlagene Kompensationsvorrichtung
in Anspruch, Die Vorrichtung besteht, wie bei dem seit längerer Zeit bei uns
bekannten Floriankompaß, aus einem kleinen querschiffs dicht unter der Rose
befestigten Weicheisenstab. Herr Morel verwendet sorgfältig ausgeglühte Eisen-
stücke von rechteckiger Gestalt, 80 oder 100 mm lang, 20 oder 25 mm breit und
5 mm dick. Solche D-Stäbe hat Herr Morel entweder unter dem Kompaßkessel
selbst befestigt oder im Kompaßhause, also in fester Verbindung mit dem Schiff,
zur Anwendung gebracht. Die erste Art der Anbringung ist ohne Zweifel
vorzuziehen.
Ein solcher D-Stab wirkt praktisch ausschließlich durch Nadelinduktion,
Vermöge dieser erzeugt er in erster Linie eine Quadrantaldeviation mit negativem
Vorzeichen des Koeffizienten D. Der Verfasser gibt Tabellen und Kurven für
die kompensatorische Wirkung der von ihm benutzten Stäbe an zwei Kompassen,
von denen der eine ein verhältnismäßig kleines, der andere ein großes magnetisches
Moment hatte. Da die kompensatorische Wirkung der Feldstärke, in ‚welcher
sich der Kompaß befindet, umgekehrt proportional ist, so sind die Werte des
von den D-Stäben in verschiedenen Abständen vom Rosensystem erzeugten
negativen D für die Feldstärken 41H = 0.8 G.E. bis 14H = 3.6 G.E. angegeben.
Den Schluß des ersten Abschnittes der Arbeit bilden vollständige Vor-
schriften über die Ausführung der Kompensation, über deren Berichtigung sowie